Constitutional complaint inadmissible against planned referendum

BVerfG 2 BvR 2333/11Bverfg / 2. Senat 3. Kammer21 de nov. de 2011Dismissed

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Resumo Omnilex

The Federal Constitutional Court did not admit a constitutional complaint challenging a planned Baden-Württemberg referendum on the S 21 financing-contracts bill. It held that alleged incompatibility with state constitutional law cannot be pursued by constitutional complaint, which is limited to federal fundamental rights and equivalent rights. The complaint was also premature insofar as it attacked the draft law itself, since the law had neither been enacted nor promulgated. Because the complaint was not admitted, the application for interim relief became moot.

Sumário Omnilex

Art. 93 Abs. 1 Nr. 4a GG, § 90 Abs. 1 BVerfGG; eine Verfassungsbeschwerde ist unzulässig, soweit mit ihr lediglich die Vereinbarkeit einer Volksabstimmung mit Landesverfassungsrecht gerügt wird, da Gegenstand des Rechtsbehelfs nur die Verletzung von Grundrechten und grundrechtsgleichen Rechten des Grundgesetzes ist. Angriffen gegen eine zur Abstimmung gestellte Gesetzesvorlage fehlt es grundsätzlich an der Gegenständlichkeit, solange das Gesetz weder beschlossen noch verkündet ist; ein vorgezogener Rechtsschutz kommt nur ausnahmsweise in Betracht, wenn ein substantiierter Sonderfall effektiven Grundrechtsschutzes dargetan ist (vgl. consid. 2–3). Mit der Nichtannahme erledigt sich ein Antrag auf einstweilige Anordnung.

Texto completo

BVerfG — 2 BvR 2333/11, Nichtannahmebeschluss

Entscheidungsdatum: 2011-11-21

Aktenzeichen: 2 BvR 2333/11

ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2011:rk20111121.2bvr233311

Dokumenttyp: Nichtannahmebeschluss

Normen: Art 93 Abs 1 Nr 4a GG, § 90 Abs 1 BVerfGG, Art 60 Abs 3 Verf BW

Spruchkörper: 2. Senat 3. Kammer

Titelzeile

Nichtannahmebeschluss: Vereinbarkeit einer Volksabstimmung gem Art 60 Verf BW mit Landesverfassungsrecht kein tauglicher Gegenstand einer Verfassungsbeschwerde nach Art 93 Abs 1 Nr 4a GG - ausnahmsweise Zulässigkeit einer gegen eine Gesetzesvorlage gerichteten Verfassungsbeschwerde nicht dargetan - hier: Volksabstimmung in Baden-Württemberg über Gesetzesentwurf zur Kündigung der S 21-Finanzierungsverträge

Gründe

1 Die Verfassungsbeschwerde ist nicht zur Entscheidung anzunehmen, weil sie keine Aussicht auf Erfolg hat. Sie ist unzulässig.

2 1. Soweit sich die Beschwerdeführer gegen die Anordnung und Durchführung der für den 27. November 2011 geplanten Volksabstimmung wenden und deren Unvereinbarkeit mit den einschlägigen Bestimmungen der Landesverfassung Baden-Württemberg, insbesondere mit Art. 60 LVerf BW, rügen, ist die Verfassungsbeschwerde unzulässig, weil mit der Verfassungsbeschwerde nur die Verletzung von Grundrechten und grundrechtsgleichen Rechten des Grundgesetzes (Art. 93 Abs. 1 Nr. 4a GG, § 90 Abs. 1 BVerfGG), nicht aber eine Unvereinbarkeit mit Landesrecht geltend gemacht werden kann (vgl. BVerfGE 6, 376 <382>; 60, 175 <209>; 64, 301 <317 f.>; BVerfG, Beschluss der 4. Kammer des Zweiten Senats vom 18. Juli 2001 - 2 BvR 2/01 -, NVwZ 2002, S. 73).

3 2. Soweit die Beschwerdeführer darüber hinaus - unter anderem auf Grundrechte gestützte - Einwände gegen die zur Abstimmung gestellte Gesetzesvorlage erheben, ist die Verfassungsbeschwerde bereits deshalb unzulässig, weil das Gesetz noch nicht beschlossen, geschweige denn verkündet ist (vgl. BVerfGE 1, 396 <406 ff.>; 11, 339 <342>; 68, 143 <150>). Ob für besondere Ausnahmefälle die Möglichkeit anzuerkennen ist, eine Verfassungsbeschwerde schon früher zu erheben (offenlassend BVerfGE 125, 385 <393>; 126, 158 <168>), bedarf keiner Entscheidung, denn dass ein Ausnahmefall vorläge, in dem der wirksame Schutz von Grundrechten dies erforderte, ist weder substantiiert vorgetragen noch sonst ersichtlich.

4 3. Durch die Nichtannahme der Verfassungsbeschwerde erledigt sich der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung.

5 Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.

6 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

Palavras-chave

constitutional complaintinadmissibilityreferendumstate constitutional lawprematurityinterim relief

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Questão jurídica principal

Whether a constitutional complaint may challenge a referendum as contrary to Baden-Württemberg state constitutional law.

Decisão extraída

No. A constitutional complaint under Art. 93(1) No. 4a GG and § 90(1) BVerfGG can invoke only violations of federal fundamental rights or rights equivalent to fundamental rights, not inconsistencies with state constitutional law.

Fundamentação extraída

The complaint targeted the organization and conduct of the referendum by reference to Art. 60 of the Baden-Württemberg Constitution, which lies outside the scope of constitutional complaint review.

Questão jurídica principal

Whether objections against a draft law submitted to referendum were admissible before the law had been enacted and promulgated.

Decisão extraída

No. The complaint was premature because the law had not yet been adopted, let alone promulgated; no exceptional early-review situation was substantiated.

Fundamentação extraída

The Court reiterated that constitutional complaints against legislation generally require an enacted law. An exception for cases requiring effective rights protection was left open in principle, but the complainants did not substantiate any such exceptional situation.

Questão jurídica principal

Whether the request for an interim injunction remained pending after non-admission of the constitutional complaint.

Decisão extraída

No. The request for interim relief became moot due to the non-admission decision.

Fundamentação extraída

Once the constitutional complaint was not admitted, there was no basis for deciding the application for a temporary order.

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