No constitutional violation in refusal to refer copyright levy question

BVerfG 1 BvR 3461/08Bverfg / 1. Senat 2. Kammer21 de dez. de 2010Dismissed

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Resumo Omnilex

The Federal Constitutional Court did not admit the constitutional complaint concerning the Federal Court of Justice's denial of a remuneration duty for standalone copying stations under § 54a UrhG. It held that there was no violation of Art. 14(1) GG because the relevant drives and DVDs were already subject to levies. It also rejected the Art. 101(1) sentence 2 GG complaint: although the BGH gave no reasons for omitting a reference to the CJEU, the later ECJ judgment in Padawan and the similarity of the issue meant that a renewed non-reference was not constitutionally untenable.

Sumário Omnilex

Art. 101 Abs. 1 S. 2 GG; Art. 14 Abs. 1 GG; Art. 267 Abs. 3 AEUV; Vorlagepflicht und urheberrechtliche Vergütungspflicht bei Kopierstationen: Eine fehlende ausdrückliche Begründung für das Unterbleiben einer Vorabentscheidung verletzt Art. 101 Abs. 1 S. 2 GG nicht, wenn sich die Nichtvorlage im Lichte einer inzwischen ergangenen einschlägigen EuGH-Rechtsprechung als vertretbar erweist (acte éclairé; vgl. C.I.L.F.I.T. und Padawan). Art. 14 Abs. 1 GG ist nicht verletzt, wenn die angegriffene Auslegung die angemessene Verwertung des Urheberrechts nicht verengt, weil die betroffenen Träger/Medien bereits mit Abgaben belastet sind. Die verfassungsrechtliche Kontrolle der Nichtvorlage beschränkt sich auf Willkür bzw. Unhaltbarkeit; eine erneute Vorlage ist nicht schon deshalb geboten, weil die Frage zuvor ungeklärt war.

Texto completo

BVerfG — 1 BvR 3461/08, Nichtannahmebeschluss

Entscheidungsdatum: 2010-12-21

Aktenzeichen: 1 BvR 3461/08

ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2010:rk20101221.1bvr346108

Dokumenttyp: Nichtannahmebeschluss

Normen: Art 101 Abs 1 S 2 GG, Art 14 Abs 1 GG, Art 237 Abs 3 AEUV, Art 5 Abs 2 Buchst b EGRL 29/2001, § 54a Abs 1 UrhG vom 25.07.1994

Vorinstanz: vorgehend BGH, 23. Oktober 2008, Az: I ZR 206/05, Beschlussvorgehend BGH, 17. Juli 2008, Az: I ZR 206/05, Urteil

Spruchkörper: 1. Senat 2. Kammer

Titelzeile

Nichtannahmebeschluss: Keine Verletzung von Art 101 bs 1 S 2 GG wegen fehlender Prüfung einer Vorlage zum Gerichtshof der Europäischen Union - hier: Ablehnung einer Vergütungspflicht für Vervielfältigungsgeräte (automatische Kopierstation für Datenträger) gemäß § 54a UrhG idF vom 25.07.1994

Gründe

1 Anders als in den Verfahren 1 BvR 1631/08, 1 BvR 2742/08, 1 BvR 2760/08 und 1 BvR 506/09, die die Auslegung von § 54a Abs. 1 UrhG a.F. im Hinblick auf die Vergütungspflichtigkeit von Druckern, Plottern und PCs betreffen, ist im vorliegenden Fall die Verfassungsbeschwerde nicht zur Entscheidung anzunehmen.

2 1. Die von der Beklagten des Ausgangsverfahrens vertriebenen Kopierstationen sind Geräte, mit denen ohne Verwendung eines PCs Daten von CDs, CD-ROMs oder DVDs kopiert werden können. Die Geräte haben ein Laufwerk zur Aufnahme der Kopiervorlage und mehrere Brennerlaufwerke zur Aufnahme der Rohlinge und Herstellung der Kopien. Der Bundesgerichtshof hat unter Verweis auf sein (durch Beschluss der Kammer vom 30. August 2010 - 1 BvR 1631/08 -, GRUR 2010, S. 999, aufgehobenes) Urteil vom 6. Dezember 2007 - I ZR 94/05 - (BGHZ 174, 359) entschieden, Kopierstationen fielen nicht unter § 54a Abs. 1 Satz 1 UrhG a.F.

3 2. Die hiergegen gerichtete und in weitgehend gleicher Weise wie im Verfahren 1 BvR 1631/08 begründete Verfassungsbeschwerde ist ohne Erfolgsaussicht in der Sache.

4 a) Art. 14 Abs. 1 GG ist im Ergebnis nicht verletzt. Die angegriffenen Entscheidungen hindern die von der Beschwerdeführerin vertretenen Urheber insbesondere deshalb nicht an einer angemessenen Verwertung (vgl. dazu BVerfGE 31, 229 <240 f.>; 79, 1 <25>) ihres Urheberrechts, weil die Laufwerke und die DVDs bereits mit Abgaben belegt sind. Auf die erhöhten verfassungsrechtlichen Anforderungen an die Rechtfertigung von Eingriffen in das urheberrechtliche Verwertungsrecht im Sinne eines gesteigerten öffentlichen Interesses (vgl. BVerfGE 31, 229 <243>; 49, 382 <400>; 79, 29 <41>) kommt es danach nicht an.

5 b) Auch wegen der gerügten Verletzung von Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG sind die angegriffenen Entscheidungen nicht aufzuheben.

6 Zwar fehlt es an jeglicher Begründung, warum von einer Vorlage an den Gerichtshof der Europäischen Union (kurz: Gerichtshof) abgesehen wurde. Dabei lag im Zeitpunkt des angegriffenen Urteils im Hinblick auf Art. 5 Abs. 2 der Richtlinie 2001/29/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. Mai 2001 zur Harmonisierung bestimmter Aspekte des Urheberrechts und der verwandten Schutzrechte in der Informationsgesellschaft (ABl EG Nr. L 167 S. 10) eine Pflicht zur Vorlage nach Art. 267 Abs. 3 AEUV nahe.

7 Der Bundesgerichtshof wäre jedoch auch nach einer Zurückverweisung von Verfassungs wegen nicht gehalten, im Hinblick auf die Vorlage an den Gerichtshof anders zu entscheiden. Denn der Gerichtshof hat inzwischen mit Urteil vom 21. Oktober 2010 (C-467/08 "Padawan", Rn. 59; http://curia.europa.eu) entschieden, dass Mitgliedstaaten, die Privatkopien erlauben, die Zahlung eines gerechten Ausgleichs zugunsten der davon betroffenen Urheber vorsehen müssen, allerdings nur insoweit, als die fraglichen Geräte und Medien mutmaßlich für private Vervielfältigungen gebraucht werden. Demzufolge ist die unterschiedslose Anwendung der Abgabe für Privatkopien auf Anlagen, Geräte und Medien zur digitalen Vervielfältigung, die nicht privaten Nutzern überlassen werden und eindeutig anderen Verwendungen als der Anfertigung von Privatkopien vorbehalten sind, nicht mit der Richtlinie vereinbar.

8 Angesichts der tatsächlichen Besonderheiten von Kopierstationen erscheint es vertretbar, die Situation eines "acte éclairé" anzunehmen, wonach eine Vorlagepflicht entfällt, wenn der Gerichtshof die Auslegungsfrage in einer gleichgelagerten Angelegenheit beantwortet hat (vgl. EuGH, Urteil vom 6. Oktober 1982 - 283/81 "C.I.L.F.I.T." -, Slg. 1982, S. 03415). Somit wäre eine neuerliche Nichtvorlage des Bundesgerichtshofs nicht als unhaltbar im Sinne der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zu Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG (vgl. BVerfGE 82, 159 <194 f.>; BVerfG, Beschluss des Zweiten Senats vom 6. Juli 2010 - 2 BvR 2661/06 -, Rn. 88 ff., juris) anzusehen.

9 3. Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.

10 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

Palavras-chave

constitutional complaintpreliminary referencecopyright levyfair compensationArt. 101 GGproperty protectionacte éclairé

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Questão jurídica principal

Whether the Federal Court of Justice's refusal to refer the copyright-law interpretation question to the CJEU violated Art. 101(1) sentence 2 GG.

Decisão extraída

No. Although a referral question was close, the later Padawan judgment and the similarity of the issue meant a renewed non-referral was at least defensible and not arbitrary.

Fundamentação extraída

The court found the lack of express reasons regrettable, but held that the BGH would not have been constitutionally obliged to decide differently after the ECJ had clarified the scope of the fair-compensation requirement for private copying in a comparable context.

Questão jurídica principal

Whether the challenged rulings violated Art. 14(1) GG by denying remuneration for copying stations.

Decisão extraída

No. The authors' exploitation rights were not impaired to an unconstitutional extent because the relevant drives and DVDs were already burdened with levies.

Fundamentação extraída

Since the devices and media already carried charges, the stricter constitutional requirements for justifying an interference with copyright exploitation rights did not come into play.

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