Constitutional complaint rejected as time-barred despite fax and email

BVerfG 1 BvR 1070/10Bverfg / 1. Senat 3. Kammer19 de mai. de 2010Inadmissible

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Resumo Omnilex

The Federal Constitutional Court refused to admit the constitutional complaint. The applicants sought reinstatement after missing the deadline, arguing that a fax transmission had failed shortly before midnight. The Court held that no excusable impediment was shown: a 168-page submission sent less than 90 minutes before expiry, on a day with foreseeable congestion, was at the applicants' risk. The fax line itself showed no technical malfunction. An email sent within the deadline did not satisfy the filing requirements. The complaint was therefore inadmissible.

Sumário Omnilex

§ 93 Abs. 1, Abs. 2 Satz 1, 3 und 6 BVerfGG; Wiedereinsetzung und Fristwahrung bei Verfassungsbeschwerde; Beginn des Faxübermittlungsversuchs weniger als 90 Minuten vor Fristablauf bei umfangreicher Eingabe und vorhersehbarer Belegung des Empfangsgeräts begründet regelmäßig kein fehlendes Verschulden. Eine technische Störung des Empfangsgeräts ist substantiiert darzutun; gelingt dies nicht, ist die Fristversäumnis dem Beschwerdeführer zuzurechnen. Die Übermittlung einer Verfassungsbeschwerde per E-Mail wahrt die gesetzlichen Formanforderungen nicht (vgl. consid. 1-2).

Texto completo

BVerfG — 1 BvR 1070/10, Nichtannahmebeschluss

Entscheidungsdatum: 2010-05-19

Aktenzeichen: 1 BvR 1070/10

ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2010:rk20100519.1bvr107010

Dokumenttyp: Nichtannahmebeschluss

Normen: GG, § 93 Abs 1 BVerfGG, § 93 Abs 2 S 1 BVerfGG, § 93 Abs 2 S 3 BVerfGG

Vorinstanz: vorgehend Brandenburgisches Oberlandesgericht, 22. Februar 2010, Az: 7 U 100/09, Beschlussvorgehend Brandenburgisches Oberlandesgericht, 6. November 2009, Az: 7 U 100/09, Beschluss

Spruchkörper: 1. Senat 3. Kammer

Titelzeile

Nichtannahme einer mangels Fristwahrung unzulässigen Verfassungsbeschwerde: Verschulden der Fristversäumung bei Telefaxversand einer umfangreichen Beschwerdeschrift weniger als 90 Minuten vor Fristablauf und besetztem Telefaxanschluss - zudem keine Fristwahrung durch Übermittlung per E-Mail

Gründe

1 1. Der Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand ist abzulehnen, weil die Beschwerdeführer nicht hinreichend glaubhaft gemacht haben, an der Einhaltung der Frist für die Einlegung und Begründung der Verfassungsbeschwerde nach § 93 Abs. 1 BVerfGG ohne Verschulden verhindert gewesen zu sein (§ 93 Abs. 2 Satz 3 i.V.m. Satz 1 BVerfGG).

2 Der Bevollmächtigte der Beschwerdeführer trägt vor, er habe am letzten Tag der Einlegungs- und Begründungsfrist den Verfassungsbeschwerdeschriftsatz gegen 22.30 Uhr ausgedruckt, unterschrieben und sodann die Telefaxübermittlung eingeleitet. Nachdem das akustische Besetztzeichen zu vernehmen gewesen sei, habe er den Übermittlungsvorgang manuell abgebrochen, die Prozedur diverse Male wiederholt und schließlich um 23.00 Uhr im Sendebericht in der Ergebnisspalte die Angabe "No Ans" (für "keine Antwort") erhalten.

3 Damit ist eine unverschuldete Fristversäumnis nicht dargetan. Auf dem in Rede stehenden Telefaxanschluss des Bundesverfassungsgerichts wurden in der Zeit vom 6. April 2010, 22.08 Uhr bis zum 7. April 2010, 1.41 Uhr vier Faxsendungen von teils großem Umfang ordnungsgemäß empfangen (ab 22.08 Uhr insgesamt 83 Seiten; ab 23.01 Uhr fünf Seiten; ab 23.04 Uhr 148 Seiten; ab 1.41 Uhr zwölf Seiten). Eine empfangsseitige technische Störung erscheint daher ausgeschlossen. Unter den hier gegebenen Umständen konnte der Bevollmächtigte zudem bei einem Beginn des Faxübermittlungsversuchs erst weniger als 90 Minuten vor Mitternacht nicht von einer ordnungsgemäßen, fristgerechten Übermittlung ausgehen. Seine Verfassungsbeschwerdeschrift hat mit den Anlagen einen Umfang von 168 Seiten. Der Tag des Fristablaufs war der erste Werktag nach den Osterfeiertagen, so dass die gemäß § 222 Abs. 2 ZPO "verschobenen Fristabläufe" (vgl. auch § 193 BGB; BVerfGE 102, 254 <295>) von mehreren vorausgegangenen Tagen zusammenfielen und deshalb mit einer verstärkten Belegung des Empfangsgeräts zu rechnen war. Dies ist den Beschwerdeführern zuzurechnen (§ 93 Abs. 2 Satz 6 BVerfGG).

4 2. Danach ist die Verfassungsbeschwerde wegen Versäumung der Frist des § 93 Abs. 1 BVerfGG unzulässig. Die noch innerhalb der Frist erfolgte Übermittlung der Verfassungsbeschwerde per E-Mail genügt nicht den Anforderungen (vgl. Heusch/Sennekamp, in: Umbach/Clemens/Dollinger, BVerfGG, 2. Aufl., § 93 Rn. 59).

5 Von einer weiteren Begründung wird insoweit nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.

6 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

Palavras-chave

constitutional complaintdeadlinereinstatementfax transmissionformal requirementsinadmissibility

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Questão jurídica principal

Whether reinstatement into the previous position should be granted for missing the constitutional complaint deadline.

Decisão extraída

No. The applicants did not sufficiently show that they were prevented from complying with the filing and reasoning deadline without fault.

Fundamentação extraída

A fax attempt starting less than 90 minutes before midnight with a 168-page submission, on a day with foreseeable heavy fax congestion, did not justify reliance on timely delivery; no technical failure on the Court's fax line was shown.

Questão jurídica principal

Whether the constitutional complaint was admissible despite expiry of the deadline under § 93 Abs. 1 BVerfGG.

Decisão extraída

No. The complaint was out of time and therefore inadmissible.

Fundamentação extraída

The fax transmission was not reliably effected in time, and the email transmission within the deadline did not satisfy the formal requirements for filing a constitutional complaint.

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