Non-admission complaint upheld for defective service of hearing notice

BSG B 1 KR 110/13 BBsg / Divisão 14 de mar. de 2014Annulled

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Resumo Omnilex

The insured claimant sought reimbursement for dental prosthetics costs. The LSG had dismissed the appeal as time-barred and refused reinstatement, but the Federal Social Court found a procedural defect: the hearing notice for 3 July 2013 had not been effectively served because substituted service by deposit failed after the claimant had moved. The claimant was thereby denied the right to be heard. The BSG granted the non-admission complaint, set aside the LSG judgment, and remitted the matter for a new hearing and decision. Costs of the complaint proceedings were reserved to the LSG.

Sumário Omnilex

§ 160 Abs. 2 Nr. 3, § 160a Abs. 2 S. 3, Abs. 5 SGG; Art. 103 Abs. 1 GG, § 62 SGG; defect of hearing notice and ineffective service of a hearing date as a procedural ground for leave to appeal by complaint. If the court decides in the absence of a party without effective notification of the hearing date, the right to be heard is violated. For the purpose of establishing causation, it suffices that an unfavorable different outcome cannot be excluded if the party had been able to plead orally. Substituted service by deposit requires that the addressee actually has a dwelling, business premises or similar at the service address; absent that prerequisite, service is ineffective and remains uncured unless cured before the hearing date. Under § 160a Abs. 5 SGG, the Federal Social Court may quash the judgment and remit the case to the lower court.

Texto completo

BSG — B 1 KR 110/13 B, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2014-03-04

Aktenzeichen: B 1 KR 110/13 B

ECLI: ECLI:DE:BSG:2014:040314BB1KR11013B0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 62 SGG, § 63 Abs 1 S 2 SGG, § 63 Abs 2 S 1 SGG, § 160 Abs 2 Nr 3 SGG, § 160a Abs 2 S 3 SGG, § 160a Abs 5 SGG, § 181 ZPO, Art 103 Abs 1 GG

Vorinstanz: vorgehend SG Stade, 20. Oktober 2010, Az: S 15 KR 188/06, Gerichtsbescheidvorgehend Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen, 3. Juli 2013, Az: L 4 KR 44/13 ZVW, Urteil

Spruchkörper: 1. Senat

Titelzeile

Sozialgerichtliches Verfahren - Nichtzulassungsbeschwerde - Verfahrensmangel - Verletzung des rechtlichen Gehörs - unwirksame Bekanntgabe bzw Zustellung des anberaumten Verhandlungstermins - Zustellungsmangel - Zurückverweisung

Tenor

Auf die Beschwerde des Klägers wird das Urteil des Landessozialgerichts Niedersachsen-Bremen vom 3. Juli 2013 aufgehoben.

Die Sache wird zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das Landessozialgericht zurückverwiesen.

Gründe

1 I. Der bei der beklagten Krankenkasse versicherte Kläger ist mit seinem Begehren auf Restkostenerstattung von 1456,56 Euro für die Versorgung mit Zahnersatz und funktionsanalytischen Maßnahmen bei der Beklagten und in den Vorinstanzen ohne Erfolg geblieben. Das LSG hat seine Berufung gegen den in erster Instanz ergangenen klageabweisenden Gerichtsbescheid wegen Versäumung der Berufungsfrist unter Versagung der Wiedereinsetzung in den vorigen Stand verworfen (Urteil vom 3.7.2013) .

2 Der Kläger rügt mit seiner Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision im LSG-Urteil die Verletzung seines Anspruchs auf rechtliches Gehör.

3 II. Die zulässige Beschwerde des Klägers ist begründet.

4 1. Das LSG-Urteil beruht auf einem Verfahrensfehler (Revisionszulassungsgrund des § 160 Abs 2 Nr 3 SGG) , den der Kläger entsprechend den Anforderungen des § 160a Abs 2 S 3 SGG bezeichnet. Das LSG hat den Anspruch des Klägers auf rechtliches Gehör (Art 103 Abs 1 GG, Art 47 Abs 2 S 1 Charta der Grundrechte der Europäischen Union, Art 6 Abs 1 Europäische Menschenrechtskonvention, § 62 SGG) verletzt. Es hat am 3.7.2013 in der Sache entschieden, obwohl der Kläger annehmen durfte, eine instanzbeendende Entscheidung werde jedenfalls an diesem Tage nicht ergehen.

5 Nach § 160 Abs 2 Nr 3 Halbs 1 SGG ist die Revision zuzulassen, wenn ein Verfahrensmangel geltend gemacht wird, auf dem die angefochtene Entscheidung beruhen kann. Grundsätzlich bedarf es keines weiteren Vortrags zum "Beruhen" der angegriffenen Entscheidung auf dem Verfahrensfehler, wenn ein Beschwerdeführer behauptet, um sein Recht auf eine mündliche Verhandlung gebracht worden zu sein (vgl BSG SozR 4-1500 § 158 Nr 2 RdNr 4; BSG SozR 3-1500 § 160 Nr 33 S 62) . Wird einem Beteiligten ein vom Gericht anberaumter Verhandlungstermin nicht mitgeteilt, reicht es wegen der besonderen Wertigkeit der mündlichen Verhandlung als Kernstück des sozialgerichtlichen Verfahrens vielmehr aus, dass eine andere Entscheidung nicht auszuschließen ist, wenn der Betroffene Gelegenheit gehabt hätte, in der mündlichen Verhandlung vorzutragen (BSGE 44, 292, 295 = SozR 1500 § 124 Nr 2; BSG Beschluss vom 17.2.2010 - B 1 KR 112/09 B - Juris RdNr 5 mwN; BSG Beschluss vom 18.12.2012 - B 1 KR 90/12 B - Juris RdNr 5) . So liegt es hier.

6 Das LSG hat den Kläger nicht ordnungsgemäß über den für den 3.7.2013 anberaumten Verhandlungstermin informiert. Es hat ihm die Terminsbestimmung weder wirksam bekannt gegeben noch zugestellt. Obwohl Terminsbestimmungen und Ladungen bekannt zu geben "sind" (§ 63 Abs 1 S 2 SGG idF durch Art 1 Nr 26 Sechstes Gesetz zur Änderung des Sozialgerichtsgesetzes vom 17.08.2001, BGBl I 2144), kann das Gericht deren Zustellung auch weiterhin anordnen, wenn es dies für zweckmäßig hält (BT-Drucks 14/5943 S 24 zu Nr 26; Hauck in Zeihe, SGG, Stand November 2012, § 63 RdNr 7). Die vom LSG angeordnete Zustellung durch die Post mit Postzustellungsurkunde erfolgte unwirksam, auch wenn das LSG dies nicht erkennen konnte. Die ausweislich der Zustellungsurkunde beabsichtigte Ersatzzustellung durch Niederlegung (§ 63 Abs 2 S 1 SGG; § 181 ZPO) setzt ua voraus, dass der Zustelladressat unter der Zustellanschrift tatsächlich eine Wohnung oder einen Geschäftsraum etc hat (vgl BVerfG NStZ-RR 1997, 70; BVerfG NJW 1992, 224, 225; Hauck in Zeihe, SGG, Stand November 2012, Anhang 8 S 403, § 181 ZPO Anm 4 a bb). Daran fehlte es. Der Kläger hat seinen Auszug aus seiner Wohnung in H. durch das Übergabeprotokoll vom 24.4.2013 überzeugend bewiesen. Es liegt auch nichts dafür vor, dass dieser Zustellungsmangel vor dem 3.7.2013 geheilt worden ist (§ 63 Abs 2 S 1 SGG; § 189 ZPO).

7 Es ist mangels wirksamer Zustellung unerheblich, dass der Kläger seinerseits nicht alles Notwendige getan hat, damit ihn Zustellungen des Gerichts tatsächlich erreichten. So waren Postzustellungen nach den vorgelegten Unterlagen nicht vom Nachsendeauftrag des Kläger umfasst. Ebenso ist es ohne Bedeutung, dass die Richter des LSG kein Verschulden trifft, weil sie allein anhand der Postzustellungsurkunde nicht erkennen konnten, dass die Zustellung unwirksam war.

8 2. Nach § 160a Abs 5 SGG kann das BSG in dem Beschluss über die Nichtzulassungsbeschwerde das angefochtene Urteil aufheben und die Sache zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das LSG zurückverweisen, wenn die Voraussetzungen des § 160 Abs 2 Nr 3 SGG vorliegen, was - wie ausgeführt - hier der Fall ist. Der Senat macht von dieser Möglichkeit Gebrauch.

9 3. Die Entscheidung über die Kosten des Beschwerdeverfahrens bleibt dem LSG vorbehalten.

Palavras-chave

right to be heardservice of processhearing noticeprocedural defectremandsocial insurancenon-admission complaint

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Questão jurídica principal

Whether the non-admission complaint was admissible and well-founded because the LSG violated the claimant's right to be heard by deciding without effective notice of the hearing date.

Decisão extraída

Yes. The LSG breached the right to be heard because the hearing date was not effectively communicated or served, so the claimant could assume no terminating decision would be issued that day.

Fundamentação extraída

A procedural defect under § 160 Abs. 2 Nr. 3 SGG was properly alleged. When a party was deprived of an oral hearing due to non-notification of the scheduled date, it is sufficient that a different outcome cannot be excluded if the party had been able to present its case. The attempted substituted service by postal delivery with acknowledgment of receipt was ineffective because the claimant no longer lived at the service address; no cure occurred before the hearing date.

Questão jurídica principal

Whether the challenged LSG judgment should be set aside and remitted for renewed hearing and decision.

Decisão extraída

Yes. The Federal Social Court set aside the LSG judgment and remitted the case for a new hearing and decision.

Fundamentação extraída

Under § 160a Abs. 5 SGG, the Federal Social Court may quash the appealed judgment and refer the matter back if the requirements of § 160 Abs. 2 Nr. 3 SGG are met, which was the case here.

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