No separate notice required for plea discussions in trial

BGH 4 StR 536/16Bgh / Criminal Chamber 419 de jul. de 2017Dismissed

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Resumo Omnilex

The Federal Court of Justice dismissed the defendants’ revisions against the Landgericht Halle judgment. It held that the complaint concerning alleged informal plea bargaining and the lack of a separate announcement under § 243(4) StPO was either insufficiently substantiated under § 344(2) StPO or unfounded. Because the plea discussions occurred during the main hearing, no separate notice was needed. The court also found no comparable reciprocal arrangement of the kind criticized by the Federal Constitutional Court, as no statements were made about resuming proceedings or sentencing expectations. Costs were imposed on each appellant.

Sumário Omnilex

§ 243 Abs. 4 StPO; plea discussions held during the main hearing need not be separately announced; a complaint alleging an inadmissible informal agreement under § 257c StPO must fully substantiate the relevant procedural context under § 344 Abs. 2 Satz 2 StPO. If the alleged quid pro quo cannot be reviewed because decisive submissions are omitted, the procedural complaint fails already for lack of proper substantiation. An impermissible reciprocal arrangement is not established merely by consent to a discontinuance under § 154 Abs. 2 StPO and subsequent withdrawal of evidence motions; decisive is whether objectively a mutual binding of procedural concessions to later outcome-related concessions can be inferred (consid. 2b).

Texto completo

BGH — 4 StR 536/16, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2017-07-19

Aktenzeichen: 4 StR 536/16

ECLI: ECLI:DE:BGH:2017:190717B4STR536.16.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 243 Abs 4 StPO

Vorinstanz: vorgehend LG Halle (Saale), 3. Mai 2016, Az: 2 KLs 1/14

Spruchkörper: 4. Strafsenat

Titelzeile

Erfordernis einer gesonderten Mitteilung über Verständigungsgespräche in der Hauptverhandlung

Tenor

Die Revisionen der Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Halle vom 3. Mai 2016 werden als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigungen keinen Rechtsfehler zum Nachteil der Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).

Jeder Beschwerdeführer hat die Kosten seines Rechtsmittels zu tragen.

Ergänzend bemerkt der Senat zu der von beiden Angeklagten übereinstimmend erhobenen Verfahrensrüge unter II. 2. b der Revisionsbegründungen, soweit damit Verstöße gegen § 243 Abs. 4 Satz 2 StPO und § 257c StPO ("unzulässige informelle Verständigung") beanstandet werden:

Bedenken gegen die Zulässigkeit der Rügen (§ 344 Abs. 2 Satz 2 StPO) ergeben sich schon aus der unvollständigen Wiedergabe des Vermerks des Vorsitzenden vom 29. Juli 2015. Vor allem aber haben die Beschwerdeführer - im Hinblick auf die gerügten Verstöße - nicht die von ihnen zurückgenommenen Beweisanträge vorgetragen; daher kann der Senat die von den Revisionen - in Anlehnung an den Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 21. April 2016 (2 BvR 1422/15, NStZ 2016, 422) - behauptete synallagmatische Verknüpfung mit der Einstellung einer Vielzahl angeklagter Taten nach § 154 Abs. 2 StPO nicht abschließend prüfen.

Im Übrigen wären die Rügen auch unbegründet:

Soweit sich das Verständigungsgeschehen in der Hauptverhandlung ereignet hat, bedurfte es keiner gesonderten Mitteilung nach § 243 Abs. 4 StPO (vgl. BGH, Beschluss vom 24. Januar 2017 - 5 StR 607/16, NStZ 2017, 299).

Auch liegt die Sachverhaltskonstellation, zu der die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 21. April 2016 ergangen ist, hier - soweit dies nach dem Revisionsvorbringen beurteilt werden kann - nicht vor. Dort ergab sich die wechselseitige Verknüpfung "insbesondere aus dem Hinweis des Vorsitzenden auf die - seines Erachtens bestehende - Möglichkeit der Staatsanwaltschaft, ihre Zustimmung zu einer Verfahrensbeschränkung zurückzunehmen, wenn es nicht zu der erhofften Beschleunigung komme, und auf die Möglichkeit der Verteidigung, zurückgenommene Beweisanträge erneut zu stellen, wenn es umgekehrt nicht zu der erhofften Verfahrensbeschränkung komme" (aaO Rn. 22). Eine solche beabsichtigte gegenseitige Zweckbindung liegt hier nicht vor: Äußerungen des Vorsitzenden in Richtung auf eine Wiederaufnahme des Verfahrens nach § 154 Abs. 4 und 5 StPO sind nicht gefallen. Die Verteidiger der Angeklagten stimmten der von der Staatsanwaltschaft beantragten - und mit ebenfalls nicht vorgelegter Zuschrift vom 12. Januar 2016 bereits angekündigten - Einstellung nach § 154 Abs. 2 StPO ausdrücklich zu. Nachdem angesprochen worden war, dass die Beweisanträge sich wohl damit erledigt haben dürften (so das Hauptverhandlungsprotokoll), kündigten beide Verteidiger an, dass diese Anträge zu gegebener Zeit zurückgenommen werden; sie erklärten unmittelbar nach der Beschlussfassung durch das Gericht die Zurücknahme. Es ist nicht ersichtlich, worin hierbei ein Entgegenkommen der Verteidigung im Sinne eines "do ut des" liegen könnte. Der Senat geht in Übereinstimmung mit dem Generalbundesanwalt davon aus, dass sich die gestellten und später wieder zurückgenommenen Beweisanträge gerade auf den ausgeschiedenen Verfahrensstoff bezogen haben (so auch die örtliche Staatsanwaltschaft in ihrer Gegenerklärung). Die zunächst gestellten Beweisanträge waren wegen des zwischenzeitlichen Verfahrensgeschehens quasi überholt und der rechtlichen Bedeutungslosigkeit anheimgefallen. Ein Zusammenhang mit weiterem Verfahrensgeschehen oder gar mit der abschließenden Sachentscheidung im Urteil stand nicht im Raum. Anders als in dem Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 10. September 2014 (5 StR 351/14, StV 2015, 153), auf den sich die Revision ebenfalls bezieht, äußerte der Vorsitzende sich in diesem Zusammenhang auch nicht zu einer Straferwartung.

FrankeRoggenbuckCierniak
BenderPaul

Palavras-chave

plea discussionsmain hearingprocedural complaintsubstantiation requirementsinformal agreementwithdrawal of evidence motionscosts

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Questão jurídica principal

Whether the revisions were admissible and disclosed a procedural violation under § 344(2) StPO regarding plea discussions and withdrawal of evidence motions.

Decisão extraída

The procedural complaint was already doubtful because the defense did not fully reproduce the presiding judge’s note and did not submit the withdrawn evidence motions, so the alleged quid pro quo could not be fully reviewed.

Fundamentação extraída

Without the omitted material, the court could not verify the asserted synallagmatic link between the discontinuance under § 154(2) StPO and the later withdrawal of evidence motions.

Questão jurídica principal

Whether in-trial plea discussions required a separate notification under § 243(4) StPO and whether the case involved an impermissible informal agreement under § 257c StPO.

Decisão extraída

No separate notification was required for plea discussions that occurred during the main hearing; the constellation condemned by the Federal Constitutional Court was not present.

Fundamentação extraída

The discussion took place in the main hearing, so § 243(4) StPO did not require a separate announcement. There was no indication of a reciprocal arrangement or of any statement by the presiding judge about resuming proceedings or sentencing expectations.

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