No co-determination after complete plant closure

BAG 1 ABR 62/09Bag / Divisão 122 de jun. de 2010Dismissed

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Resumo Omnilex

The Federal Labour Court dismissed the works council's appeal against the rejection of its § 101 BetrVG application. It held that after the complete closure of the former service unit, the works council no longer had a rest mandate for participation in the reassignment of employee S to another business unit. Since the employer did not violate co-determination rights under §§ 99, 95 BetrVG, the works council could not obtain an order to revoke the assignment.

Sumário Omnilex

§ 99 Abs. 1 Satz 1, § 95 Abs. 3 Satz 1 BetrVG; Restmandat nach vollständiger Betriebsstilllegung: Ein Betriebsrat des stillgelegten Betriebs ist nicht mehr zu beteiligen, wenn der Arbeitgeber nach endgültiger Schließung einem Arbeitnehmer eine Tätigkeit in einem anderen Betrieb des Unternehmens zuweist. Das Restmandat besteht nur für Angelegenheiten, die den stillgelegten Betrieb noch betreffen; eine neue personelle Maßnahme in einem anderen Betrieb löst keine Beteiligungspflicht des alten Betriebsrats aus (vgl. consid. 10). Mangels Verletzung des Mitbestimmungsrechts scheidet ein Aufhebungsanspruch nach § 101 BetrVG aus.

Texto completo

BAG — 1 ABR 62/09, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-06-22

Aktenzeichen: 1 ABR 62/09

Dokumenttyp: Beschluss

Vorinstanz: vorgehend ArbG Saarbrücken, 6. Juli 2005, Az: 65 BV 9/05, Beschlussvorgehend Landesarbeitsgericht Saarland, 19. November 2008, Az: 2 TaBV 55/08, Beschluss

Spruchkörper: 1. Senat

Tenor

Die Rechtsbeschwerde des Betriebsrats gegen den Beschluss des Landesarbeitsgerichts Saarland vom 19. November 2008 - 2 TaBV 55/08 - wird hinsichtlich seines Widerantrags zurückgewiesen.

Gründe

1 A. Die Beteiligten streiten über das Beteiligungsrecht des Betriebsrats bei personellen Maßnahmen nach Betriebsstilllegung.

2 Die Arbeitgeberin erbringt Postdienstleistungen. Im Zuge unternehmensweiter Umstrukturierungen löste sie ihre Service Niederlassung Immobilien in S*(SNL S)* zum Jahresende 2001 auf. Die von der Arbeitgeberin zuvor beantragte Zustimmung zu Versetzungen der Arbeitnehmer in andere Betriebe des Unternehmens verweigerte der Betriebsrat unter Hinweis darauf, dass nach den geltenden Tarifverträgen Nr. 444 bzw. 445 zunächst für diese Arbeitnehmer ein Sozialplan zu erstellen sei.

3 Im August 2004 vereinbarte die Arbeitgeberin mit dem Gesamtbetriebsrat einen Sozialplan. In einer Anlage hierzu war die Zuordnung der Beschäftigten zu den Personalposten und Niederlassungen geregelt. Der Gesamtbetriebsrat stimmte mit Schreiben vom 2. Februar 2005 den von der Arbeitgeberin aufgestellten Feststellungsvermerken über die Zumutbarkeit der Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten zu. Daraufhin ersuchte die Arbeitgeberin den Betriebsrat der stillgelegten SNL S mit Schreiben vom 22. März 2005 vorsorglich erneut um seine Zustimmung zu Versetzungen von insgesamt 150 Beschäftigten. Der am 30. April 2005 beim Betriebsrat eingegangene Antrag enthielt einen Hinweis darauf, dass die Versetzungen aus sachlichen Gründen dringend erforderlich seien. Der Betriebsrat bestritt am 10. Mai 2005 die Dringlichkeit der Versetzungen und verweigerte anschließend im Schreiben vom 21. Mai 2005, bei der Arbeitgeberin am gleichen Tag eingegangen, für 74 Arbeitnehmer seine Zustimmung zu den beantragten Versetzungen unter Hinweis auf einen Verstoß gegen die Bestimmungen der Tarifverträge Nr. 444/445 und des Sozialplans.

4 Mit einem am 13. Mai 2005 beim Arbeitsgericht eingegangenen Schriftsatz hat die Arbeitgeberin die gerichtliche Ersetzung der Zustimmung des Betriebsrats und die Feststellung der Dringlichkeit der vorläufig vorgenommenen Versetzungen beantragt. Das Arbeitsgericht hat die in einem Verfahren verhandelten Anträge abgewiesen und in den Gründen ausgeführt, die Zustimmung des Betriebsrats gelte wegen Versäumung der Äußerungsfrist als erteilt. Gegen den Beschluss des Arbeitsgerichts haben sowohl die Arbeitgeberin als auch der Betriebsrat Beschwerde eingelegt. Das Landesarbeitsgericht hat das Verfahren getrennt und die Anträge der Arbeitgeberin für jeden von der Versetzung betroffenen Arbeitnehmer gesondert verhandelt. Das vorliegende Verfahren betrifft den Antrag auf Versetzung des Arbeitnehmers S zu der Niederlassung BRIEF N. Nach dem ihn betreffenden Feststellungsvermerk sollte Herr S dort auf einem „Vertreterposten“ als zusätzlicher Vertreter in der Abteilung Auslieferung eingesetzt werden. Ab Mitte Februar 2005 übertrug die Arbeitgeberin Herrn S eine Stelle im Hausservice der Niederlassung BRIEF N. Der Betriebsrat der Niederlassung BRIEF N stimmte dieser Maßnahme zu.

5

Die Arbeitgeberin hat zuletzt beantragt,

1.die von dem Betriebsrat verweigerte Zustimmung zu der Versetzung von Herrn S von der ehemaligen Service Niederlassung Immobilien zu der Niederlassung BRIEF N zu ersetzen,
hilfsweise festzustellen,
dass die von dem Betriebsrat verweigerte Zustimmung zu der Versetzung von Herrn S von der ehemaligen Service Niederlassung Immobilien zu der Niederlassung BRIEF als erteilt gilt,
2.festzustellen, dass die Versetzung von Herrn S von der ehemaligen Service Niederlassung Immobilien zu der Niederlassung BRIEF N aus sachlichen Gründen dringend erforderlich gewesen ist.

6

Der Betriebsrat hat, soweit für die Rechtsbeschwerde noch von Bedeutung, beantragt, die Anträge zurückzuweisen. Im Wege eines im Beschwerdeverfahren erhobenen Widerantrags hat er beantragt,

der Arbeitgeberin für den Fall, dass diese nach den Feststellungen des Landesarbeitsgerichts an der konkreten Versetzungsmaßnahme, für die sie mit dem Schreiben vom 22. März 2005 die Zustimmung nach § 99 Abs. 2 BetrVG beantragt habe, nicht mehr festhalte, gemäß § 101 BetrVG aufzugeben, die inzwischen erneut erfolgte Versetzung von Herrn H S auf anderweitige Arbeitsplätze aufzuheben.

7 Die Arbeitgeberin hat beantragt, den Widerantrag zurückzuweisen.

8 Das Landesarbeitsgericht hat im Tenor seiner Entscheidung die Beschwerde der Arbeitgeberin mit der Maßgabe zurückgewiesen, dass ihre Anträge „als unzulässig zurückgewiesen“ werden. Den Widerantrag des Betriebsrats hat es als „unbegründet zurückgewiesen“. Mit der nur für den Betriebsrat zugelassenen Rechtsbeschwerde begehrt dieser die Abweisung der Anträge der Arbeitgeberin als unbegründet und verfolgt seinen Aufhebungsantrag weiter. Die Beteiligten haben im Verlauf des Rechtsbeschwerdeverfahrens die Sachanträge der Arbeitgeberin im Hinblick auf die geänderte Tätigkeit von Herrn S übereinstimmend für erledigt erklärt.

9 B. Die Rechtsbeschwerde des Betriebsrats ist unbegründet. Nachdem die Beteiligten das Verfahren hinsichtlich der von der Arbeitgeberin gestellten Sachanträge übereinstimmend für erledigt erklärt haben, hat der Senat nur noch über den Widerantrag des Betriebsrats zu befinden.

10

Das Landesarbeitsgericht hat dem Widerantrag zu Recht nicht entsprochen. Der Betriebsrat kann die Aufhebung der Beschäftigung des Arbeitnehmers S in der Niederlassung BRIEF N nicht verlangen, weil die Arbeitgeberin das Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats aus § 99 Abs. 1 Satz 1, § 95 Abs. 3 Satz 1 BetrVG nicht verletzt hat. Die Arbeitgeberin konnte dem Arbeitnehmer S eine Tätigkeit in der Niederlassung BRIEF N zuweisen, ohne den Betriebsrat der stillgelegten SNL S im Rahmen eines Restmandats nach § 99 Abs. 1 Satz 1 BetrVG beteiligen zu müssen. Die SNL S war zum Zeitpunkt der Einleitung des Zustimmungsverfahrens am 22. März 2005 bereits mehr als drei Jahre stillgelegt. Der Betriebsrat eines stillgelegten Betriebs ist nicht im Rahmen seines Restmandats nach § 99 Abs. 1 Satz 1, § 95 Abs. 3 Satz 1 BetrVG zu beteiligen, wenn der Arbeitgeber einem Arbeitnehmer nach der vollständigen Stilllegung des Betriebs eine Tätigkeit in einem anderen Betrieb des Unternehmens zuweist (dazu ausführlich BAG 8. Dezember 2009 - 1 ABR 41/09 - Rn. 17 ff.). An dieser Rechtsprechung hält der Senat fest. Danach hat das Landesarbeitsgericht im Ergebnis zu Recht erkannt, dass der Aufhebungsantrag des Betriebsrats unbegründet ist.

SchmidtLinckKoch
Manfred GentzHayen

Palavras-chave

works councilplant closurerest mandatetransferco-determination§ 101 BetrVG

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Questão jurídica principal

Whether the works council retained a rest mandate to participate in the reassignment after complete closure of the former business unit.

Decisão extraída

No. After complete closure of the business, the works council had no rest mandate for participation in the reassignment to another company unit.

Fundamentação extraída

The unit had already been fully closed for more than three years when the consent procedure was initiated. Under the cited case law, a closed establishment's works council is not to be involved under a rest mandate when the employer assigns an employee to another establishment after complete closure.

Questão jurídica principal

Whether the works council could demand removal of the employee's assignment under § 101 BetrVG.

Decisão extraída

No. Because there was no violation of the co-determination right under § 99 Abs. 1 Satz 1 and § 95 Abs. 3 Satz 1 BetrVG, the removal request failed.

Fundamentação extraída

The employer was allowed to assign S to the new unit without involving the works council of the closed unit; therefore the conditions for an order under § 101 BetrVG were not met.

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