Single judge lacked authority to decide fundamental-importance complaint

BGH IX ZB 82/15Bgh / Civil Chamber 922 de set. de 2016Granted

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Resumo Omnilex

In a consumer insolvency fee dispute, the Federal Court of Justice held that a single judge of the complaint chamber may not itself decide a case it regards as having fundamental significance and simultaneously allow further appeal. Doing so violates the principle of the lawful judge. The Regional Court's decision was therefore set aside and the matter remitted for reconsideration, including the creditor objections and whether a reduction of the insolvency administrator's remuneration under § 3(2)(e) InsVV is justified.

Sumário Omnilex

§ 568 S. 2 Nr. 2 ZPO; Art. 101 Abs. 1 S. 2 GG; a single judge of the complaint court may not decide a matter of fundamental significance and at the same time authorize further appeal. If the single judge deems the case to have fundamental importance, the matter must be referred to the chamber with three judges. A contrary decision is objectively arbitrary and infringes the lawful-judge guarantee, requiring annulment ex officio (consid. 3). The assessment whether a reduction of insolvency administrator remuneration under § 3 Abs. 2 lit. e InsVV is warranted remains a matter for the trial judge upon remittal (consid. 4).

Texto completo

BGH — IX ZB 82/15, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-09-22

Aktenzeichen: IX ZB 82/15

ECLI: ECLI:DE:BGH:2016:220916BIXZB82.15.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 3 Abs 2 Buchst e InsVV, § 568 S 2 Nr 2 ZPO

Vorinstanz: vorgehend LG Frankenthal, 8. Oktober 2015, Az: 1 T 284/15, Beschlussvorgehend AG Ludwigshafen, 9. Juli 2015, Az: 3e IK 416/14 Sp

Spruchkörper: 9. Zivilsenat

Titelzeile

Insolvenzverwaltervergütung im Verbraucherinsolvenzverfahren: Entscheidung eines Einzelrichters einer Beschwerdekammer über Rechtssache mit grundsätzlicher Bedeutung; Herabsetzung

Tenor

Auf die Rechtsbeschwerde des weiteren Beteiligten wird der Beschluss der 1. Zivilkammer des Landgerichts Frankenthal vom 8. Oktober 2015 aufgehoben.

Die Sache wird zur erneuten Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsbeschwerdeverfahrens, an das Beschwerdegericht zurückverwiesen.

Der Wert des Rechtsbeschwerdeverfahrens wird auf 706,98 € festgesetzt.

Gründe

I.

1 Mit Beschluss vom 19. September 2014 eröffnete das Insolvenzgericht das Verbraucherinsolvenzverfahren über das Vermögen des Schuldners und ernannte den weiteren Beteiligten zum Insolvenzverwalter. Der weitere Beteiligte beantragte, eine Vergütung einschließlich Auslagen und Umsatzsteuer in Höhe von 2.115,64 € festzusetzen. Das Amtsgericht hat die Vergütung auf 1.408,66 € festgesetzt und den weitergehenden Vergütungsantrag zurückgewiesen. Die dagegen eingelegte sofortige Beschwerde hat das Landgericht - Einzelrichter - durch Beschluss vom 8. Oktober 2015 zurückgewiesen; es hat in dem Beschluss die Rechtsbeschwerde zugelassen, weil die Frage der Voraussetzungen zur Vornahme von Abschlägen bei der Insolvenzverwaltervergütung grundsätzliche Bedeutung habe. Mit seiner Rechtsbeschwerde verfolgt der weitere Beteiligte seinen Vergütungsantrag weiter.

II.

2 Die Rechtsbeschwerde ist statthaft (§ 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ZPO, §§ 6, 289 Abs. 2 Satz 1 InsO aF) und auch im Übrigen zulässig. Sie führt zur Aufhebung der angefochtenen Entscheidung und zur Zurückverweisung der Sache an das Beschwerdegericht.

3 Entscheidet der originäre Einzelrichter - wie hier - in einer Sache, der er rechtsgrundsätzliche Bedeutung beimisst, über die Beschwerde und lässt er die Rechtsbeschwerde zu, so ist die Zulassung wirksam. Auf die Rechtsbeschwerde unterliegt die Entscheidung jedoch wegen der fehlerhaften Besetzung des Beschwerdegerichts der Aufhebung von Amts wegen, weil der Einzelrichter über die Zulassung der Rechtsbeschwerde wegen grundsätzlicher Bedeutung (§ 574 Abs. 2 Nr. 1 ZPO) nicht selbst entscheiden durfte, sondern das Verfahren gemäß § 568 Satz 2 Nr. 2 ZPO der mit drei Richtern besetzten Kammer hätte übertragen müssen. Dem originären Einzelrichter nach § 568 ZPO ist die Entscheidung von Rechtssachen grundsätzlicher Bedeutung schlechthin versagt (BGH, Beschluss vom 16. Mai 2012 - I ZB 65/11, NJW 2012, 3518 Rn. 4 mwN). Bejaht er mit der Zulassungsentscheidung zugleich die grundsätzliche Bedeutung der Rechtssache, ist seine Entscheidung objektiv willkürlich und verstößt gegen das Verfassungsgebot des gesetzlichen Richters nach Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG (BGH, Beschluss vom 13. März 2003 - IX ZB 134/02, BGHZ 154, 200, 201 ff; vom 28. Juni 2012 - IX ZB 298/11, ZInsO 2012, 1439 Rn. 3; vom 20. November 2014 - IX ZB 56/13, ZInsO 2015, 108 Rn. 4; vom 16. April 2015 - IX ZB 93/12, ZInsO 2015, 1103 Rn. 4).

4 Die Zurückverweisung gibt dem Beschwerdegericht Gelegenheit, sich mit den von der Rechtsbeschwerde gegen die tatsächlichen Feststellungen erhobenen Einwendungen auseinanderzusetzen. Sodann wird das Beschwerdegericht zu prüfen haben, ob die Voraussetzungen für eine Herabsetzung der Vergütung nach § 3 Abs. 2 lit. e InsVV vorliegen. Dabei weist der Senat darauf hin, dass die Annahmen des Beschwerdegerichts, eine Zahl von vier Gläubigern sei gering und die Vermögensverhältnisse des Schuldners seien überschaubar, weil er lediglich regelmäßige Einkünfte aus unselbständiger Tätigkeit und später Arbeitslosengeld erzielt, aus Rechtsgründen nicht zu beanstanden sind. Die Bemessung eines etwa vorzunehmenden Abschlags ist grundsätzlich Aufgabe des Tatrichters (st. Rspr., jüngst etwa BGH, Beschluss vom 9. Juni 2016 - IX ZB 17/15, WM 2016, 1304 Rn. 14 mwN).

Kayser Gehrlein Vill

Grupp Schoppmeyer

Palavras-chave

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Questão jurídica principal

Whether a single judge may decide a complaint and simultaneously allow a further appeal because the case has fundamental significance.

Decisão extraída

No. If the single judge considers the matter to have fundamental significance, he must refer it to the chamber; deciding it himself is objectively arbitrary and violates the statutory judge principle.

Fundamentação extraída

A single judge under Section 568 ZPO is barred from deciding cases of fundamental significance. The error concerns the composition of the appellate court and must be taken into account ex officio.

Questão jurídica principal

Whether the matter must be remitted for a new decision on the administrator's fee reduction under § 3(2)(e) InsVV.

Decisão extraída

Yes. The appellate court must reconsider the factual objections and then assess whether the requirements for a reduction are met.

Fundamentação extraída

The Federal Court of Justice did not decide the merits itself, but remitted the case so the appellate court could address the objections to the findings and the discretionary assessment of any reduction.

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