Anhörungsrüge cannot add late grounds for leave to appeal

BGH VII ZR 248/15Bgh / Civil Chamber 724 de ago. de 2016Dismissed

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Resumo Omnilex

The defendant challenged the Federal Court of Justice's prior refusal of leave to appeal by filing an Anhörungsrüge. He argued that a later judgment of the OLG Cologne showed grounds for revision to secure uniform case law. The BGH held that an Anhörungsrüge can only assert new, independent violations of the right to be heard by the BGH itself and cannot be used to add leave grounds after the complaint deadline. The later asserted divergence therefore could not be considered. The rüge was dismissed and costs were imposed on the defendant.

Sumário Omnilex

§ 321a ZPO; Art. 103 Abs. 1 GG; Anhörungsrüge gegen die Zurückweisung einer Nichtzulassungsbeschwerde; Nachschieben von Zulassungsgründen unzulässig. Mit der Anhörungsrüge können gegen einen Beschluss, durch den eine Nichtzulassungsbeschwerde verworfen oder zurückgewiesen worden ist, nur neue und eigenständige Gehörsverstöße des Bundesgerichtshofs gerügt werden; das Rechtsmittel dient nicht dazu, nach Fristablauf fehlende oder nicht fristgerecht vorgetragene Zulassungsgründe nachzuholen. Eine erst nach Erlass des angegriffenen Beschlusses geltend gemachte Divergenz zu einer anderen obergerichtlichen Entscheidung vermag die Zulassung der Revision zur Wahrung einer einheitlichen Rechtsprechung jedenfalls dann nicht zu tragen, wenn sie erst nach der Entscheidung des Bundesgerichtshofs vorgebracht wird (consid. 2–5).

Texto completo

BGH — VII ZR 248/15, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-08-24

Aktenzeichen: VII ZR 248/15

ECLI: ECLI:DE:BGH:2016:240816BVIIZR248.15.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: Art 103 Abs 1 GG, § 321a ZPO

Vorinstanz: vorgehend BGH, 29. Juni 2016, Az: VII ZR 248/15vorgehend OLG Düsseldorf, 2. Oktober 2015, Az: I-16 U 182/13, Urteilvorgehend LG Düsseldorf, 21. August 2013, Az: 13 O 249/12

Spruchkörper: 7. Zivilsenat

Titelzeile

Anhörungsrüge: Geltendmachung von Zulassungsgründen außerhalb der Nichtzulassungsbeschwerdebegründung

Tenor

Die Anhörungsrüge des Beklagten vom 14. Juli 2016 gegen den Senatsbeschluss vom 29. Juni 2016 - VII ZR 248/15 wird auf Kosten des Beklagten zurückgewiesen.

Gründe

1 1. Die Anhörungsrüge (§ 321a ZPO) des Beklagten vom 14. Juli 2016 ist nicht begründet.

2 a) Nach der vom Bundesverfassungsgericht geteilten Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs können mit der Anhörungsrüge gegen einen Beschluss, mit dem eine Nichtzulassungsbeschwerde zurückgewiesen worden ist, nur neue und eigenständige Verletzungen des Art. 103 Abs. 1 GG durch den Bundesgerichtshof gerügt werden (vgl. BGH, Beschluss vom 27. April 2016 - VII ZR 47/15, juris Rn. 2; Beschluss vom 20. November 2007 - VI ZR 38/07, NJW 2008, 923 Rn. 5; BVerfG, NJW 2008, 2635, 2636, juris Rn. 15 ff.).

3 b) Nach diesen Grundsätzen liegt ein Verstoß des Senats gegen Art. 103 Abs. 1 GG nicht vor. Der Senat hat das Vorbringen des Beklagten in der Nichtzulassungsbeschwerdebegründung zur Kenntnis genommen und in vollem Umfang bezüglich der geltend gemachten Zulassungsgründe geprüft, aber aus Rechtsgründen nicht für durchgreifend erachtet.

4 c) Mit der Anhörungsrüge können keine Zulassungsgründe nachträglich geltend gemacht werden, die nicht in der Nichtzulassungsbeschwerdebegründung vorgetragen sind (BGH, Beschluss vom 4. Juli 2013 - I ZR 141/12, juris Rn. 3). Das Vorbringen des Beklagten, aus dem nach Einreichung der Nichtzulassungsbeschwerdebegründung und nach Ablauf der Frist hierfür ergangenen Urteil des Oberlandesgerichts Köln vom 24. Juni 2016 19 U 181/15 (Anlage 1 zum Schriftsatz vom 14. Juli 2016) ergebe sich, dass zum Zeitpunkt des Erlasses des Senatsbeschlusses vom 29. Juni 2016 - VII ZR 248/15 die Voraussetzungen für die Zulassung der Revision zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung gegeben gewesen seien, ist deshalb zur Begründung der Anhörungsrüge ungeeignet (vgl. BGH, Beschluss vom 4. Juli 2013 - I ZR 141/12, juris Rn. 3).

5 2. Im Übrigen vermag dieses nach Erlass des Senatsbeschlusses vom 29. Juni 2016 - VII ZR 248/15 geltend gemachte Vorbringen des Beklagten eine Zulassung der Revision zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung nicht zu rechtfertigen. Es kann im Streitfall dahinstehen, ob aus einer nachträglichen Divergenz im Einzelfall ein Zulassungsgrund resultieren kann, etwa wenn die mit der Nichtzulassungsbeschwerde angefochtene Entscheidung des Berufungsgerichts von einer nach Ablauf der Frist für die Nichtzulassungsbeschwerdebegründung ergangenen Entscheidung des Bundesgerichtshofs abweicht und auf dieser Abweichung beruht (vgl. BGH, Beschluss vom 26. April 2007 - IX ZB 8/06, ZInsO 2007, 663 Rn. 2, zur vergleichbaren Problematik bei § 574 Abs. 2 Nr. 2 ZPO; vgl. auch BGH, Beschluss vom 17. April 2007 - XI ZR 343/05, BeckRS 2007, 08332). Eine nachträgliche Divergenz zur Entscheidung eines anderen Oberlandesgerichts, wie sie vom Beklagten geltend gemacht wird, vermag eine Zulassung zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung jedenfalls dann nicht zu rechtfertigen, wenn diese Divergenz erst geltend gemacht wird, nachdem der Bundesgerichtshof wie hier über die Nichtzulassungsbeschwerde bereits entschieden hat.

Eick Kartzke Jurgeleit

Graßnack Borris

Palavras-chave

hearing complaintright to be heardnon-admission complaintleave to appealuniform case lawlate submissiondivergencecosts

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Questão jurídica principal

Whether an Anhörungsrüge against the rejection of a non-admission complaint may assert new grounds for leave to appeal not contained in the original complaint statement.

Decisão extraída

No. The hearing complaint may only allege new, independent violations of the right to be heard by the Federal Court of Justice; it cannot introduce leave-to-appeal grounds for the first time after expiry of the complaint deadline.

Fundamentação extraída

The Senate had considered the defendant's submissions in the non-admission complaint and rejected them on legal grounds. Late submissions cannot be used to cure missing complaint grounds.

Questão jurídica principal

Whether a later alleged divergence, based on a judgment of the OLG Cologne rendered after expiry of the complaint deadline and after the BGH decision, can justify leave to appeal for securing uniform case law.

Decisão extraída

No. A divergence invoked only after the Federal Court of Justice has already ruled on the non-admission complaint does not justify leave to appeal for securing uniform case law.

Fundamentação extraída

Even assuming that a post-deadline divergence might matter in some situations, a later divergence to another appellate court cannot support leave where it is raised only after the BGH has decided the non-admission complaint.

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