Less serious case must be assessed with statutory mitigation

BGH 1 StR 331/16Bgh / Câmara Penal I9 de ago. de 2016Partially Granted

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The Federal Court partly upheld the defendant’s revision against a Landshut judgment for attempted unlawful drug transit and aiding drug trafficking. It found a legal error in the sentencing because the trial court denied a less serious case by considering only general mitigating factors and failed to include the statutory mitigating circumstance arising from aiding. The conviction itself remained intact. The formal complaint was inadmissible, and the rest of the revision was dismissed. The sentence was set aside and the case remitted to another criminal chamber of the Landgericht for a new sentencing decision and costs determination.

Sumário Omnilex

§§ 29a Abs. 2 BtMG, 27 Abs. 2 S. 2, 49 Abs. 1 StGB; Prüfung des minder schweren Falls bei gesetzlich vertyptem Milderungsgrund: Ist ein minder schwerer Fall gesetzlich vorgesehen und liegt ein vertypter Milderungsgrund vor, so ist die Strafrahmenwahl in zwei Stufen vorzunehmen. Zunächst sind die allgemeinen Strafzumessungsumstände daraufhin zu würdigen, ob sie den minder schweren Fall tragen. Wird dies verneint, sind sodann die den vertypten Milderungsgrund begründenden Umstände in die Gesamtwürdigung einzubeziehen. Erst wenn auch danach kein minder schwerer Fall angenommen wird, darf der gemilderte Regelstrafrahmen allein wegen des vertypten Milderungsgrundes zugrunde gelegt werden (vgl. consid. 5). Unterbleibt diese Prüfung, leidet der Strafausspruch an einem Rechtsfehler; die Feststellungen zum Schuldspruch können bestehen bleiben, sofern es sich nur um einen Wertungsfehler handelt.

Texto completo

BGH — 1 StR 331/16, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-08-09

Aktenzeichen: 1 StR 331/16

ECLI: ECLI:DE:BGH:2016:090816B1STR331.16.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 29a Abs 2 BtMG, § 27 Abs 2 S 2 StGB, § 49 Abs 1 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Landshut, 23. März 2016, Az: 4 KLs 506 Js 33115/15

Spruchkörper: 1. Strafsenat

Titelzeile

Beihilfe zum Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge: Anforderungen an die Prüfung eines minder schweren Falls bei Vorliegen eines gesetzlich vertypten Milderungsgrundes

Tenor

  1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Landshut vom 23. März 2016 im Strafausspruch aufgehoben.

  2. Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

  3. Die weitergehende Revision wird verworfen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen versuchter unerlaubter Durchfuhr von Betäubungsmitteln in Tateinheit mit Beihilfe zum Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten verurteilt. Hiergegen wendet sich der Angeklagte mit seiner auf die Verletzung formellen und materiellen Rechts gestützten Revision. Das Rechtsmittel hat mit der Sachrüge zum Strafausspruch Erfolg. Im Übrigen ist es unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO.

I.

2 Nach den Feststellungen übernahm der Angeklagte am 16. Oktober 2015 in Südafrika einen mit Heroingemisch präparierten Koffer von seinem nicht näher bekannten Auftraggeber namens " A. " zum Weitertransport nach Rom in Italien. Er hatte den Auftrag, den Koffer einem dort ansässigen Hintermann zu übergeben. Hierfür wurden ihm 2.000 Euro in Aussicht gestellt. Der Angeklagte gab den Koffer am Flughafen Johannesburg in Südafrika als Transitgepäck auf und trat den von seinem Auftraggeber vorgebuchten und im Voraus bezahlten Flug über München nach Rom an.

3 Der Angeklagte reiste am Morgen des Folgetags am Flughafen München in das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland ein und beabsichtigte, noch am selben Tag nach Rom weiterzureisen. In dem von ihm als Transitgepäck aufgegebenen Koffer befanden sich etwas mehr als 2,5 kg Heroingemisch mit einem Wirkstoffgehalt von 52,1 % Diacetylmorphin-Hydrochlorid. Bei der Einreise hatte der Angeklagte keinen Zugriff auf die Betäubungsmittel.

II.

4 Die Rüge der Verletzung formellen Rechts ist nicht ausgeführt und daher unzulässig (§ 344 Abs. 2 Satz 2 StPO). Die Nachprüfung des Urteils auf die allgemeine Sachrüge führt zur Aufhebung im Strafausspruch. Im Übrigen ist die Revision des Angeklagten unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO.

5 Der Schuldspruch wird von den rechtsfehlerfrei getroffenen Feststellungen getragen. Demgegenüber hat der Strafausspruch keinen Bestand. Hierzu hat der Generalbundesanwalt ausgeführt:

"Sieht das Gesetz einen minder schweren Fall vor und ist – wie hier gemäß § 27 Abs. 2 S. 2, § 49 Abs. 1 StGB – auch ein gesetzlich vertypter Milderungsgrund gegeben, muss bei der Strafrahmenwahl im Rahmen einer Gesamtwürdigung nicht nur geprüft werden, ob die allgemeinen Milderungsgründe die Annahme eines minder schweren Falles tragen. Dies ist vielmehr nur der erste Schritt. Vermögen die allgemeinen Milderungsgründe die Annahme eines minder schweren Falles zu tragen, stehen die den gesetzlich vertypten Strafmilderungsgrund verwirklichenden Umstände für eine (weitere) Strafrahmenmilderung nach § 49 StGB zur Verfügung. Ist nach einer Abwägung aller allgemeinen Strafzumessungsumstände das Vorliegen eines minder schweren Falls abzulehnen, sind in die weitere Prüfung die den gesetzlich vertypten Strafmilderungsgrund verwirklichenden Umstände einzubeziehen. Erst wenn der Tatrichter danach weiterhin keinen minder schweren Fall für gerechtfertigt hält, darf er seiner konkreten Strafzumessung den (allein) wegen des gegebenen gesetzlich vertypten Milderungsgrundes gemilderten Regelstrafrahmen zugrunde legen (std. Rspr., vgl. BGH, Beschluss vom 11. Februar 2015 – 1 StR 629/14, NStZ 2015, 696).

Dem wird das angefochtene Urteil nicht gerecht. Indem das Landgericht für die Verneinung eines minder schweren Falls lediglich allgemeine Strafzumessungsgründe gewürdigt hat, hat es die Prüfung versäumt, ob nicht wegen Vorliegens des vertypten Milderungsgrundes nach § 27 Abs. 2 S. 2 StGB ein minder schwerer Fall des § 29a Abs. 2 BtMG vorliegt, der einen dem Angeklagten günstigeren Strafrahmen eröffnet.

Da insbesondere vor dem Hintergrund der zu Recht mit deutlichem Gewicht zugunsten des Angeklagten berücksichtigten, die Identifizierung des Hintermanns in Südafrika gestattenden Angaben in der Hauptverhandlung (UA S. 17) nicht auszuschließen ist, dass die Strafkammer bei Beachtung der gebotenen Prüfungsreihenfolge zu einer anderen Strafrahmenwahl gekommen wäre, deren Obergrenze mit der ausgeurteilten Strafe überschritten ist, muss der Strafausspruch aufgehoben werden. Die bisherigen Feststellungen können bestehen bleiben, nachdem es sich lediglich um Wertungsfehler handelt. Die neu entscheidende Strafkammer ist nicht gehindert, ergänzende Feststellungen zu treffen, die zu den bisher getroffenen nicht in Widerspruch stehen."

6 Dem schließt sich der Senat an.

Graf Jäger Cirener

Mosbacher Fischer

Palavras-chave

drug traffickingaiding and abettingless serious casesentencingstatutory mitigationrevisiondrug importprocedural complaint

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Questão jurídica principal

Whether the sentence had to be set aside because the trial court failed to examine a less serious case in light of a statutory mitigating factor under § 27(2) sentence 2 StGB.

Decisão extraída

Yes. When a less serious case is provided by law and a statutory mitigating factor exists, the court must assess the less serious case in a two-step review that also considers the mitigating factor; the trial court did not do so.

Fundamentação extraída

The lower court only weighed general sentencing factors when denying a less serious case. It therefore omitted the required further examination whether the mitigating circumstance from aiding under § 27(2) sentence 2 StGB, combined with the other circumstances, warranted application of the more favorable lesser-offence sentencing range under § 29a(2) BtMG.

Questão jurídica principal

Whether the defendant's formal complaint succeeded.

Decisão extraída

No. The formal complaint was not sufficiently substantiated and was therefore inadmissible.

Fundamentação extraída

The complaint alleging violation of formal law was not argued in the required manner under the procedural rules.

Questão jurídica principal

Whether the remaining part of the revision was well-founded.

Decisão extraída

No. Beyond the sentencing issue, the judgment stood.

Fundamentação extraída

The factual findings supporting guilt were free of legal error, so only the sentence required reversal.

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