Kirchliche pension fund: binding effect of unilateral fee setting

BGH IV ZR 340/14Bgh / Câmara Civil IV23 de mar. de 2016Granted

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Resumo Omnilex

The plaintiff sought repayment of sanitation contributions paid to a church pension institution for 2007 to 2009. The Federal Court held that the board resolution of 20 May 2010 could not serve as a legal basis for retaining the payments, because the defendant had already used and exhausted its unilateral power to fix the contribution rate in 2002 and could not set it anew. The court also found the assessment incompatible with equitable discretion under Art. 315 BGB. It therefore set aside the Cologne Higher Regional Court judgment, restored the first-instance result, and ordered the defendant to bear the costs of the remedies.

Sumário Omnilex

§ 315 Abs. 1 BGB; unilateral performance determination by a pension institution and judicial review of sanitation contribution rates: once the entitled party has validly exercised its statutory power to fix the rate, the power is exhausted; a later resolution cannot revive it merely because the earlier determination is allegedly unfair. A subsequent fix is not effective as a suspensive conditional determination unless such a condition is clearly and validly expressed. The determination remains subject to judicial review for equitable discretion; if the actuarial basis is defective or the rate is excessive, the determination is non-binding. Payments made without a valid and binding rate determination are recoverable under § 812 Abs. 1 sentence 1 alt. 1 BGB (consid. 1-2).

Texto completo

BGH — IV ZR 340/14, Urteil

Entscheidungsdatum: 2016-03-23

Aktenzeichen: IV ZR 340/14

ECLI: ECLI:DE:BGH:2016:230316UIVZR340.14.0

Dokumenttyp: Urteil

Normen: § 315 Abs 1 BGB, § 812 Abs 1 S 1 Alt 1 BGB, § 63 Abs 2 KiZusVKSa

Vorinstanz: vorgehend OLG Köln, 31. Juli 2014, Az: 7 U 192/13, Urteilvorgehend LG Köln, 26. September 2013, Az: 20 O 471/11

Spruchkörper: 4. Zivilsenat

Titelzeile

Kirchliche Zusatzversorgungskasse: Bindungswirkung einer einseitigen Leistungsbestimmung durch Beschluss hinsichtlich der Festsetzung eines Sanierungsgeldhebesatzes; gerichtliche Billigkeitskontrolle der Festsetzung des Sanierungsgeldes

Tenor

Auf die Revision der Klägerin wird das Urteil des 7. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Köln vom 31. Juli 2014 aufgehoben.

Die Berufung der Beklagten gegen das Urteil der 20. Zivilkammer des Landgerichts Köln vom 26. September 2013 wird zurückgewiesen.

Die Kosten der Rechtsmittelverfahren trägt die Beklagte.

Der Streitwert wird für das Revisionsverfahren auf 922.454,30 € festgesetzt.

Von Rechts wegen

Tatbestand

1 Die Klägerin begehrt von der Beklagten die Rückzahlung für die Jahre 2007, 2008 und 2009 gezahlter Sanierungsgelder nebst Zinsen.

2 Die Beklagte, eine rechtlich selbständige kirchliche Einrichtung in der Rechtsform einer Anstalt öffentlichen Rechts, hat die Aufgabe, Beschäftigten des kirchlichen und kirchlich-caritativen Dienstes in den Diözesen in der Bundesrepublik Deutschland eine zusätzliche Alters-, Erwerbsminderungs- und Hinterbliebenenversorgung nach den für Angestellte im öffentlichen Dienst geltenden Grundsätzen zu gewähren. Mit Neufassung ihrer Satzung (im Folgenden: KZVKS) stellte die Beklagte ihre Finanzierung vom zuvor geltenden Umlageverfahren auf ein vollständig kapitalgedecktes Verfahren um. In der Folgezeit erhob sie von den Beteiligten pauschale Sanierungsgelder, deren Höhe für die Beklagte nicht tarifvertraglich festgelegt ist.

3 Durch Beschluss vom 16. April 2002 setzte der Verwaltungsrat der Beklagten gemäß § 63 Abs. 2 KZVKS auf Vorschlag des Verantwortlichen Aktuars die Höhe des zu erhebenden Sanierungsgeldes rückwirkend ab dem 1. Januar 2002 auf 0,75% des zusatzversorgungspflichtigen Entgelts fest. Nachdem das Oberlandesgericht Hamm durch Urteile vom 17. März 2010 die diesem Beschluss zugrunde liegende Ermittlung der Deckungslücke beanstandet hatte, beschloss der Verwaltungsrat der Beklagten auf der Grundlage eines weiteren aktuariellen Vorschlags am 20. Mai 2010, die Höhe des Sanierungsgeldes für die Jahre 2002 bis 2009 wiederum auf 0,75% des zusatzversorgungspflichtigen Entgelts festzusetzen. Mit Urteilen vom 5. Dezember 2012 (IV ZR 110/10, VersR 2013, 219 und IV ZR 111/10, juris) wies der erkennende Senat die Revisionen gegen die Urteile des Oberlandesgerichts Hamm zurück.

4 Die Klägerin zahlte für die Jahre 2007, 2008 und 2009 Sanierungsgeld von insgesamt 922.454,30 € an die Beklagte, das sie nebst Zinsen mit ihrer Klage zurückverlangt.

5 Das Landgericht hat der Klage stattgegeben. Auf die Berufung der Beklagten hat das Oberlandesgericht die auf Rückzahlung der Sanierungsgelder gerichtete Klage abgewiesen. Mit ihrer Revision begehrt die Klägerin die Wiederherstellung des landgerichtlichen Urteils.

Entscheidungsgründe

6 Die Revision ist begründet. Sie führt zur Aufhebung des Berufungsurteils und zur Zurückweisung der Berufung der Beklagten.

7 I. Das Berufungsgericht hat einen Rückzahlungsanspruch der Klägerin aus § 812 Abs. 1 Satz 1 Alt. 1 BGB verneint, weil der Verwaltungsratsbeschluss vom 20. Mai 2010 einen Rechtsgrund für das Behalten der Sanierungsgelder bilde. Zwar sei die Beklagte im Mai 2010 noch durch den vorangegangenen Beschluss vom 16. April 2002 an einer erneuten Festsetzung der Sanierungsgelder gehindert gewesen, die Auslegung des Beschlusses vom 20. Mai 2010 ergebe aber, dass er mit der zulässigen Rechtsbedingung verknüpft gewesen sei, nur im Fall der später rechtskräftig festgestellten Unwirksamkeit der Leistungsbestimmung vom 16. April 2002 gelten zu sollen. Die Höhe der Sanierungsgelder sei mangels tarifvertraglicher Grundentscheidung anhand des § 315 Abs. 1 BGB zu prüfen und entspreche billigem Ermessen.

8 II. Das hält revisionsrechtlicher Nachprüfung nicht stand. Das Berufungsgericht durfte einen Anspruch der Klägerin aus § 812 Abs. 1 Satz 1 Alt. 1 BGB nicht verneinen. Der Verwaltungsratsbeschluss vom 20. Mai 2010 bildet keinen Rechtsgrund für die von der Klägerin für 2007, 2008 und 2009 geleisteten Sanierungsgelder.

9 1. Dieser Beschluss ist entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts unwirksam. Dies hat der Senat mit Urteil vom 9. Dezember 2015 (IV ZR 336/14, juris Rn. 18 ff.), das den gleichen Sachverhalt betraf, entschieden und im Einzelnen begründet. Der Beschluss enthält eine einseitige Leistungsbestimmung der Beklagten nach § 315 Abs. 1 BGB. Das ihr aus ihrer Satzung zustehende Recht, den für sie tarifvertraglich nicht festgesetzten Sanierungsgeldhebesatz zu bestimmen, hat die Beklagte zunächst durch Ausübung im Beschluss vom 16. April 2002 verbraucht. Sie war trotz Unbilligkeit der mit diesem Beschluss festgesetzten Sanierungsgeldhöhe bis zum Erlass der beiden Senatsurteile vom 5. Dezember 2012 an ihre Leistungsbestimmung gebunden. Für eine erneute Festsetzung des Sanierungsgeldhebesatzes im Beschluss vom 20. Mai 2010 war dementsprechend kein Raum. Anders als das Berufungsgericht meint, ist der Beschluss vom 20. Mai 2010 nicht aufschiebend bedingt nur für den Fall gefasst worden, dass der Beschluss vom 16. April 2002 rechtskräftig für unwirksam erklärt wird. Dies hat der Senat in dem Urteil vom 9. Dezember 2015 (aaO Rn. 19 ff.) näher ausgeführt.

10 2. Die Festsetzung des Sanierungsgeldes im Beschluss vom 20. Mai 2010 ist darüber hinaus deswegen unverbindlich, weil sie nicht billigem Ermessen entspricht. Auch dies hat der Senat in dem Urteil vom 9. Dezember 2015 (aaO Rn. 26 ff.) entschieden und im Einzelnen begründet.

11 a) Dem Beschluss liegt schon deshalb eine unrichtig ermittelte Deckungslücke zugrunde, weil der Verantwortliche Aktuar seinen Berechnungen nicht dem technischen Geschäftsplan der Beklagten entsprechende biometrische Rechnungsgrundlagen (Sterbetafeln) zugrunde gelegt hat (Senatsurteil vom 9. Dezember 2015 aaO Rn. 28 ff.).

12 b) Darüber hinaus ist der Sanierungsgeldhebesatz übersetzt, weil die Beklagte ihren zusätzlichen Finanzbedarf auf der Grundlage ihres derzeitigen Beitragssatzes von 4% des zusatzversorgungspflichtigen Entgelts ermittelt hat (Senatsurteil vom 9. Dezember 2015 aaO Rn. 31 f.). Ob der festgesetzte Hebesatz zudem die Grenzen billigen Ermessens überschreitet, weil die vom Aktuar zugrunde gelegte Deckungslücke entgegen § 17 Abs. 1 Satz 1 ATV-K und Nr. 4.1 Abs. 2 AVP 2001 nicht aufgrund des finanziellen Mehrbedarfs wegen Schließung des Gesamtversorgungssystems und Wechsels von der Gesamtversorgung zum Punktemodell entstanden sein soll, kann offenbleiben, weil der Beschluss vom 20. Mai 2010 schon aus den oben genannten Gründen unwirksam ist (Senatsurteil vom 9. Dezember 2015 aaO Rn. 33 ff.).

13 III. Der Senat kann in der Sache selbst entscheiden, weil sie zur Endentscheidung reif ist (§ 563 Abs. 3 ZPO).

Mayen Felsch Harsdorf-Gebhardt

Dr. Karczewski Dr. Bußmann

Palavras-chave

restitutionequitable discretionunilateral determinationpension contributionsbinding effectactuarial assessmentlegal basisappeal costs

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Questão jurídica principal

Whether the board resolution of 20 May 2010 created a valid legal basis for keeping the sanitation contributions paid for 2007-2009.

Decisão extraída

No. The 20 May 2010 resolution was ineffective because the defendant had already exhausted its unilateral power to set the rate in the 16 April 2002 resolution and remained bound by that determination until the later Senate judgments.

Fundamentação extraída

A unilateral performance determination under Art. 315(1) BGB cannot be reset simply because the earlier rate may have been unfair; the later resolution was not validly made subject to a suspensive condition awaiting a final invalidity finding.

Questão jurídica principal

Whether the challenged sanitation-geld assessment complied with equitable discretion under Art. 315(1) BGB.

Decisão extraída

No. The assessment was not binding because the actuarial basis was flawed and the rate was excessive.

Fundamentação extraída

The actuarial calculation used non-conforming biometric assumptions and based the additional funding need on an overstated contribution rate; therefore the determination exceeded equitable discretion.

Questão jurídica principal

Whether the plaintiff had a restitution claim for the sanitation contributions under Art. 812(1) sentence 1 alternative 1 BGB.

Decisão extraída

Yes. Since the 20 May 2010 resolution was invalid, the defendant lacked a legal basis to retain the payments.

Fundamentação extraída

Without a valid performance determination, the payments were made without legal ground and had to be repaid.

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