Adhesion claim: admissibility of declaratory relief request

BGH 4 StR 605/14Bgh / Criminal Chamber 45 de mai. de 2015Partially Granted

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The Federal Court partly upheld the accused’s revision against a Regional Court judgment for negligent bodily injury. It removed the adhesion declaration insofar as it covered already incurred material damage, because no sufficient declaratory interest had been shown for damage that could already be quantified. The conviction, suspended prison sentence, and compensation award otherwise remained intact. The court also held that the procedural complaints concerning the police questioning were either insufficiently substantiated or inadmissible and that the judgment did not depend on the contested testimony. Because the success was only minor, the accused had to bear the appeal costs and the private claimant’s expenses.

Sumário Omnilex

§§ 403, 406 StPO; Art. 256 ZPO: A declaratory claim in adhesion proceedings is admissible only if the claimant has a legitimate interest in immediate declaratory relief. For already accrued material damage, such an interest is lacking where the damage can be concretely specified and quantified or where no plausible reason is given why quantification is presently impossible. A declaration may, however, cover future material and immaterial damage, subject to the usual limitation for claims that have not yet passed to social insurers or third parties. Procedural complaints in revision must be substantiated with the factual circumstances required for review; inadequate pleadings render the complaint inadmissible (cf. consid. 3).

Texto completo

BGH — 4 StR 605/14, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2015-05-05

Aktenzeichen: 4 StR 605/14

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 403 StPO, § 406 StPO, § 256 ZPO

Vorinstanz: vorgehend LG Bochum, 1. Juli 2014, Az: 3 KLs 7/14

Spruchkörper: 4. Strafsenat

Titelzeile

Adhäsionsverfahren: Zulässigkeit eines Feststellungsantrags

Tenor

  1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Bochum vom 1. Juli 2014, soweit es den Angeklagten betrifft, in Ziffer 3 des Tenors dahin geändert, dass festgestellt ist, dass der Angeklagte als Gesamtschuldner verpflichtet ist, dem Nebenkläger sämtliche künftig entstehenden materiellen und immateriellen Schäden aus der Tat vom 28. Mai 2013 zu ersetzen, soweit diese Ansprüche nicht auf Sozialversicherungsträger oder sonstige Dritte übergegangen sind.

Von einer Entscheidung über den im Adhäsionsverfahren angebrachten Feststellungsantrag im Übrigen wird abgesehen.

  1. Die weiter gehende Revision wird verworfen.

  2. Der Beschwerdeführer hat die Kosten seines Rechtsmittels, die dem Neben- und Adhäsionskläger hierdurch entstandenen notwendigen Auslagen und die im Adhäsionsverfahren entstandenen besonderen Kosten zu tragen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen fahrlässiger Körperverletzung zu der Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt und die Vollstreckung der Strafe zur Bewährung ausgesetzt. Danach hat es den Angeklagten als Gesamtschuldner zur Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von 130.000 Euro nebst Zinsen verurteilt und festgestellt, dass der Angeklagte als Gesamtschuldner verpflichtet ist, dem Nebenkläger sämtliche materiellen und weiteren immateriellen Schäden aus Anlass der Tat vom 28. Mai 2013 zu ersetzen, soweit etwaige Ansprüche nicht auf einen Sozialversicherungsträger oder andere Dritte übergegangen sind. Hiergegen richtet sich die auf die Sachrüge und mehrere Verfahrensbeanstandungen gestützte Revision des Angeklagten. Das Rechtsmittel führt zu einer Änderung der Adhäsionsentscheidung; im Übrigen ist es unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO.

2 1. Der im Rahmen der Adhäsionsentscheidung getroffene Feststellungsausspruch hält rechtlicher Überprüfung nur teilweise stand.

3 Entfallen muss die Feststellung, dass der Angeklagte als Gesamtschuldner verpflichtet ist, dem Adhäsionskläger die bereits entstandenen materiellen Schäden zu erstatten. Insofern hat der Adhäsionskläger weder geltend gemacht noch ist aus seinem Vortrag ansonsten ersichtlich, welche Schäden bereits entstanden sein könnten und warum er nicht in der Lage ist, diese Schäden schon jetzt zu beziffern. Für die Feststellungsklage mangelt es daher insoweit an dem erforderlichen Feststellungsinteresse (vgl. BGH, Beschlüsse vom 3. Dezember 2013 - 4 StR 471/13, StV 2014, 269 mwN; vom 13. August 2014 - 4 StR 211/14; vom 24. Februar 2015 - 4 StR 444/14).

4 2. Die weitere Überprüfung des Urteils hat zum Schuld- und Strafausspruch keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben.

5 Zu den Verfahrensrügen ist ergänzend zum Verwerfungsantrag des Generalbundesanwalts anzumerken:

6 Die Verfahrensbeschwerde, mit welcher der Beschwerdeführer die Verwertung der über die Vernehmung des Polizeibeamten KHK G. in die Hauptverhandlung eingeführten Angaben des Angeklagten und seiner Tochter anlässlich einer polizeilichen Befragung beanstandet, ist nicht den Anforderungen des § 344 Abs. 2 Satz 2 StPO entsprechend ausgeführt. Da sich das Revisionsvorbringen weder zu den Begleitumständen noch zum Verlauf der Befragung der in der Küche des Tatanwesens anwesenden Personen verhält, kann der Senat nicht prüfen, ob der die Befragung vornehmende Polizeibeamte wegen seines gegenüber dem Angeklagten an den Tag gelegten Verhaltens oder aufgrund eines sich aus dem Verlauf der Befragung ergebenden Tatverdachts gegen den Angeklagten (vgl. BGH, Urteil vom 3. Juli 2007 - 1 StR 3/07, BGHSt 51, 367, 370 ff.; Beschlüsse vom 18. Juli 2007 - 1 StR 280/07, NStZ 2008, 48; vom 9. Juni 2009 - 4 StR 170/09, BGHR StPO § 136 Belehrung 16; Diemer in KK-StPO, 7. Aufl., § 136 Rn. 4 mwN) verpflichtet war, diesen als Beschuldigten zu behandeln und ihn nach § 163a Abs. 4 Satz 2 StPO i.V.m. § 136 Abs. 1 Satz 2 StPO über sein Schweigerecht zu belehren. Hinsichtlich der beanstandeten Verwertung möglicher Äußerungen der Tochter des Angeklagten ist die Rüge deshalb unzulässig, weil es schon an der Behauptung einer konkreten Äußerung der Tochter fehlt. Die in diesem Zusammenhang erhobene Aufklärungsrüge ist mangels Bezeichnung der versäumten Beweiserhebung sowie konkreter Angabe zu dem erwarteten Beweisergebnis (vgl. Gericke in KK-StPO, 7. Aufl., § 344 Rn. 51 mwN) ebenfalls nicht zulässig ausgeführt.

7 Im Übrigen beruht das Urteil nicht auf der Verwertung der Angaben des Zeugen KHK G. . Denn die Strafkammer hat die sichere Überzeugung von der Richtigkeit der den Angeklagten belastenden Einlassung des Mitangeklagten auf der Grundlage anderweitiger Beweisergebnisse gewonnen und die Ausführungen zu den Bekundungen des Zeugen lediglich ergänzend angefügt.

8 3. Der nur geringfügige Teilerfolg der Revision rechtfertigt es nicht, den Beschwerdeführer teilweise von den durch sein Rechtsmittel veranlassten Kosten und Auslagen freizustellen (§ 473 Abs. 4, § 472a Abs. 2 StPO).

Sost-Scheible Roggenbuck Franke

Quentin Bender

Palavras-chave

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Questão jurídica principal

Whether the declaratory relief in the adhesion proceedings was admissible for already incurred material damages.

Decisão extraída

The declaratory part had to be removed insofar as it covered already incurred material damage, because the claimant did not show why such damage could not already be quantified and no sufficient declaratory interest existed.

Fundamentação extraída

A declaratory claim requires a concrete, currently unquantifiable damage situation. For already accrued material damage, the claimant must at least plausibly explain the damage and the impossibility of present quantification; this was missing.

Questão jurídica principal

Whether the conviction and sentence were vitiated by legal or procedural errors.

Decisão extraída

No reversible error was found in the conviction or sentence.

Fundamentação extraída

The court found no substantive error to the detriment of the accused. The procedural complaints were either inadequately substantiated or inadmissible, and the judgment did not rest on the contested police testimony in any event.

Questão jurídica principal

Whether the procedural complaints concerning police questioning and witness statements were admissible.

Decisão extraída

The complaints did not satisfy the substantiation requirements and were therefore inadmissible.

Fundamentação extraída

The appeal did not adequately describe the circumstances of the police questioning, the specific statements allegedly used, or the omitted evidentiary measures and expected results.

Questão jurídica principal

Allocation of appellate costs after only minor partial success.

Decisão extraída

The accused had to bear the costs of the appeal, the necessary expenses of the private and adhesion claimants, and the special costs of the adhesion proceedings.

Fundamentação extraída

The partial success was only minimal and did not justify departing from the general cost rule.

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