Error in aggregate sentencing and Zäsur effect of prior penalty order

BGH 3 StR 320/14Bgh / Câmara Penal III20 de ago. de 2014Modified

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The Federal Court of Justice partially upheld the defendant’s revision against a Regional Court judgment for aggravated robbery and dangerous bodily harm. It found no error in the conviction or in the individual prison sentence, but held that the total sentence could not stand because the Regional Court wrongly included an unresolved fine despite the Zäsur effect of an earlier final Oldenburg penalty order. The defendant was prejudiced because a correct aggregate sentence might have been lower and the fine might have remained separately payable. The case was referred for a post-judgment decision on aggregate sentencing and appellate costs.

Sumário Omnilex

§ 354 Abs. 1b StPO, §§ 460, 462 StPO; aggregate sentencing error and Zäsur effect of prior final convictions: Where the challenged judgment suffers only from a legal error in the formation of the total sentence, the Federal Court of Justice may set aside the sentencing portion and refer the matter to a post-judgment decision under §§ 460, 462 StPO. In post-conviction aggregate sentencing, the earliest final, unresolved prior conviction has Zäsur effect and bars inclusion of later penalties imposed for earlier-offense conduct. Prejudice exists if a correct aggregate sentence could have been lower or if the wrongly included penalty would otherwise have remained independently enforceable (consid. 3-5).

Texto completo

BGH — 3 StR 320/14, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2014-08-20

Aktenzeichen: 3 StR 320/14

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 53 StGB, § 54 StGB, § 55 StGB, § 354 Abs 1b StPO, § 460 StPO, § 462 StPO

Vorinstanz: vorgehend LG Oldenburg (Oldenburg), 11. Februar 2014, Az: 4 KLs 94/13

Spruchkörper: 3. Strafsenat

Titelzeile

Gesamtstrafenbildung: Beschwer des Angeklagten bei fehlerhafter Einbeziehung einer Geldstrafe

Tenor

  1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Oldenburg vom 11. Februar 2014 im Ausspruch über die Gesamtfreiheitsstrafe mit der Maßgabe aufgehoben, dass eine nachträgliche gerichtliche Entscheidung über diese Gesamtstrafe nach den §§ 460, 462 StPO, auch über die Kosten des Rechtsmittels, zu treffen ist.

  2. Die weitergehende Revision wird verworfen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen (besonders) schweren Raubes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung unter Einbeziehung mehrerer Vorstrafen zur Gesamtfreiheitsstrafe von sieben Jahren und sechs Monaten verurteilt. Hiergegen wendet sich der Angeklagte mit seiner auf die allgemeine Sachrüge gestützten Revision. Das Rechtsmittel hat den aus der Entscheidungsformel ersichtlichen Teilerfolg; im Übrigen ist es unbegründet im Sinne von § 349 Abs. 2 StPO.

2 Die Nachprüfung des Urteils aufgrund der Revisionsrechtfertigung hat zum Schuldspruch keinen durchgreifenden Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten erbracht. Gleiches gilt für die Zumessung der im vorliegenden Verfahren verhängten Freiheitsstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten.

3 Der Gesamtstrafenausspruch kann hingegen nicht bestehen bleiben. Insoweit hat die Strafkammer auch die - für eine vom Angeklagten am 17. Mai 2012 begangene gefährliche Körperverletzung verhängte - unerledigte Geldstrafe aus dem Urteil des Amtsgerichts Oldenburg vom 4. Februar 2013 (22 Ds 103/12) einbezogen und dabei übersehen, dass der - seit dem 5. Mai 2012 rechtskräftige - Strafbefehl des Amtsgerichts Oldenburg vom 18. April 2012 (22 Cs 76/12) bei der hier vorzunehmenden nachträglichen Gesamtstrafenbildung Zäsurwirkung entfaltet, da er - bezogen auf die vorliegend abzuurteilende Tat vom 25. Januar 2012 - die früheste von mehreren rechtskräftigen, unerledigten Vorverurteilungen ist. Die vom Landgericht vorgenommene Einbeziehung der durch das Amtsgericht Oldenburg am 4. Februar 2013 verhängten Geldstrafe kam daher aus Rechtsgründen nicht in Betracht (vgl. BGH, Beschluss vom 17. Juli 2001 - 4 StR 212/01, NStZ-RR 2001, 368, 369 mwN).

4 Entgegen der Ansicht des Generalbundesanwalts kann diese rechtsfehlerhafte Verfahrensweise des Landgerichts den Angeklagten beschweren. Bei rechtlich zutreffender Gesamtstrafenbildung wäre die einbezogene Geldstrafe selbständig bestehen geblieben. Der Senat kann für diesen Fall weder ausschließen, dass die vorliegend erkannte Gesamtfreiheitsstrafe niedriger ausgefallen wäre, noch, dass der - nach den Feststellungen 1.500 € netto monatlich verdienende - Angeklagte die Geldstrafe in Höhe von 90 Tagessätzen zu je 30 € bezahlen kann und sie daher nicht als Ersatzfreiheitsstrafe zu vollstrecken sein wird.

5 Der Senat entscheidet gemäß § 354 Abs. 1b StPO, der bei Rechtsfehlern, die ausschließlich die Bildung einer Gesamtstrafe betreffen, die Möglichkeit eröffnet, auf eine nachträgliche gerichtliche Entscheidung nach den §§ 460, 462 StPO zu verweisen. Diesem Beschlussverfahren bleibt auch die abschließende Kostenentscheidung vorbehalten.

BeckerPfisterHubert
MayerRi'inBGH Dr. Spaniol befindet
sich im Urlaub und ist daher
gehindert zu unterschreiben.
Becker

Palavras-chave

aggregate sentencingZäsur effectrevisionpenalty orderprejudicesubstitute imprisonment

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Questão jurídica principal

Whether the challenged total prison sentence could stand despite erroneous inclusion of a fine subject to Zäsur effect.

Decisão extraída

No. The fine from the later Oldenburg judgment could not be included because an earlier final penalty order created a Zäsur for the later aggregate sentencing.

Fundamentação extraída

For post-conviction aggregate sentencing, the earliest final, unresolved prior conviction determines the cut-off. Because the 2012 penalty order was already final before the offense now judged, the 2013 fine could not lawfully be merged into the aggregate sentence.

Questão jurídica principal

Whether the defendant was prejudiced by the aggregate-sentencing error.

Decisão extraída

Yes. The error could have led either to a lower total prison sentence or to the fine remaining separately enforceable instead of being replaced by substitute imprisonment.

Fundamentação extraída

The court could not exclude that a correct aggregate sentence would have been lower and could not exclude that the defendant could pay the separate fine, avoiding substitute imprisonment.

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