Drug trafficking sentence partly overturned for double counting

BGH 2 StR 616/13Bgh / Câmara Penal II29 de abr. de 2014Partially Granted

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Resumo Omnilex

The Federal Court partly upheld the defendant’s revision against a Marburg judgment for three counts of narcotics trafficking in a non-negligible amount. It ordered the judgment supplemented by a partial acquittal for the unproven remaining counts and associated costs. It set aside the sentence because the trial court had aggravated punishment by referring to profit motive, which is inherent in the offense, and by treating the absence of mitigating factors as aggravating. The value-based forfeiture order was also defective because the likely co-disposal power of the defendant’s wife could require joint and several liability. The case was remitted for a new sentencing and forfeiture decision.

Sumário Omnilex

§ 46 Abs. 3 StGB; drug offenses and sentencing: circumstances constituting elements of the offense may not be used again to aggravate punishment, and the mere absence of mitigating factors may not be treated as an independent aggravating factor. Where the judgment shows that not all charged counts were proven, a partial acquittal must be included in the operative part, with the corresponding costs consequences. In value-based forfeiture, if the facts suggest co-disposal by a third person, the tenor must address possible joint and several liability (consid. 2-4).

Texto completo

BGH — 2 StR 616/13, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2014-04-29

Aktenzeichen: 2 StR 616/13

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 46 Abs 3 StGB, § 29a Abs 1 Nr 2 BtMG

Vorinstanz: vorgehend LG Marburg, 22. August 2013, Az: 1 KLs 2 Js 3793/13

Spruchkörper: 2. Strafsenat

Titelzeile

Strafverfahren wegen unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln: Verletzung des Doppelverwertungsverbots bei strafschärfender Berücksichtigung eines Tatbestandsmerkmals

Tenor

  1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Marburg vom 22. August 2013

a) im Tenor dahingehend ergänzt, dass der Angeklagte im Übrigen freigesprochen wird und insoweit die Staatskasse die ausscheidbaren Kosten und die notwendigen Auslagen des Angeklagten zu tragen hat,

b) im Rechtsfolgenausspruch, mit Ausnahme der Einziehungsentscheidung, aufgehoben.

  1. Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

  2. Die weitergehende Revision wird verworfen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in drei Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt, sichergestellte Betäubungsmittel eingezogen und Wertersatzverfall in Höhe von 291.000 € angeordnet. Die auf die Verletzung materiellen Rechts gestützte Revision des Angeklagten hat den aus dem Tenor ersichtlichen Erfolg; im Übrigen ist sie unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO.

2 1. Der Schuldspruch weist - wie sich aus den zutreffenden Ausführungen des Generalbundesanwalts ergibt - keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten auf. Allerdings ist hinsichtlich der Tat der Urteilsgründe ein Teilfreispruch nachzuholen, da die Strafkammer insoweit von den 16 tatmehrheitlich angeklagten Fällen lediglich neun (zu einer Bewertungseinheit verbundene) Taten für erwiesen erachtet hat und im Übrigen Feststellungen zu weiteren Fällen nicht treffen konnte (UA S. 7 f.).

3 2. Der Strafausspruch hält entgegen der Ansicht des Generalbundesanwalts rechtlicher Nachprüfung nicht stand. Das Landgericht hat zu Lasten des Angeklagten dessen hohe kriminelle Energie berücksichtigt, "zumal hier nicht eigener Suchtdruck oder massive finanzielle Nöte Triebfeder des Handelns waren, sondern reines Gewinnstreben" (UA S. 14). Diese Formulierung lässt nicht nur besorgen, dass die Kammer entgegen § 46 Abs. 3 StGB mit dem Gewinnstreben einen bereits zum Tatbestand des Handeltreibens mit Betäubungsmitteln gehörenden Umstand verwertet hat (vgl. BGH NStZ-RR 2010, 24). Sie deutet darüber hinaus darauf hin, dass das Landgericht das bloße Fehlen genannter strafmildernder Umstände strafschärfend berücksichtigt hat (Senat, NStZ 2013, 46). Der Senat kann letztlich nicht sicher ausschließen, dass das Landgericht bei richtiger Würdigung trotz der großen Mengen von Betäubungsmitteln, mit denen Handel getrieben wurde, angesichts zahlreicher zu Gunsten wirkender Umstände einen minder schweren Fall angenommen oder bei Anwendung des Normalstrafrahmens jedenfalls zu niedrigeren Einzelstrafen gelangt wäre.

4 3. Der Ausspruch über den Wertersatzverfall erweist sich insoweit als fehlerhaft, als die nach den Feststellungen nahe liegende Mitverfügungsgewalt seiner gesondert verfolgten Ehefrau zu einer gesamtschuldnerischen Haftung des Angeklagten mit ihr führen müsste. Dies wird der neue Tatrichter gegebenenfalls im Tenor zum Ausdruck zu bringen haben (BGH StraFo 2013, 77).

5 4. Der Aufhebung von Feststellungen bedarf es nicht, weil es sich bei den aufgezeigten Rechtsfehlern um Wertungsfehler handelt. Der neue Tatrichter kann neue ergänzende Feststellungen treffen, die den bisher getroffenen nicht widersprechen.

Appl Krehl Eschelbach

Ott Zeng

Palavras-chave

drug traffickingdouble countingsentencingpartial acquittalforfeiturejoint liabilityrevision

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Questão jurídica principal

Whether a partial acquittal had to be added because only part of the charged counts was proven.

Decisão extraída

Yes. The judgment had to be supplemented with an acquittal for the remaining unproven counts and corresponding costs consequences.

Fundamentação extraída

The trial court found only 9 of 16 charged incidents proven; as to the others, no findings could be made, so a formal partial acquittal was required.

Questão jurídica principal

Whether the sentencing reasons violated the prohibition on double counting under § 46(3) StGB.

Decisão extraída

Yes. The sentence could not stand because the court treated the profit motive as an aggravating factor, although it is already inherent in the offense of drug trafficking, and it also appears to have penalized the absence of mitigating circumstances.

Fundamentação extraída

The wording in the reasons suggested an impermissible use of an element of the offense and an impermissible negative assessment of the mere absence of mitigating factors; the court could not exclude that a lower sentence or a less severe case would otherwise have been chosen.

Questão jurídica principal

Whether the value-based forfeiture order was defective because of possible joint control with the defendant's wife.

Decisão extraída

Yes. The order was flawed insofar as the likely co-disposal power of the separately prosecuted wife could require joint and several liability in the tenor.

Fundamentação extraída

On the facts found, the new trial court may have to reflect a joint and several obligation in the operative part of the judgment.

Questão jurídica principal

Whether the remaining appeal should be rejected.

Decisão extraída

Yes, the appeal was otherwise unfounded.

Fundamentação extraída

Aside from the identified errors, no legal defect adverse to the defendant was found.

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