Restoration of time limit due to counsel’s illness in criminal revision

BGH 1 StR 367/13Bgh / Câmara Penal I27 de fev. de 2014Partially Granted

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The Federal Court granted the defendant restoration of the time limit for filing the grounds of revision because his counsel became incapable of working due to illness shortly before expiry of the deadline. The missing procedural complaints were therefore admitted. On the merits, however, both the procedural objections and the substantive complaint were unsuccessful, so the revision was dismissed as unfounded. The defendant was ordered to bear the costs of the remedy and the necessary expenses of the co-plaintiffs and adhesion plaintiffs in the revision proceedings.

Sumário Omnilex

§ 44 Abs. 1 Satz 1 StPO; restoration of the time limit for filing revision grounds when the instructed defence counsel falls ill shortly before expiry of the deadline. An acute illness of counsel occurring shortly before the end of the deadline may exceptionally constitute an excusable impediment to the timely filing of procedural complaints, provided the defendant is otherwise without fault. The restoration only removes the procedural default; the revision remains subject to independent review on the merits under § 349 Abs. 2 StPO and may still be dismissed as unfounded.

Texto completo

BGH — 1 StR 367/13, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2014-02-27

Aktenzeichen: 1 StR 367/13

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 44 Abs 1 S 1 StPO

Vorinstanz: vorgehend LG Stuttgart, 15. Oktober 2012, Az: 2 KLs 50 Js 399/09 Hw

Spruchkörper: 1. Strafsenat

Titelzeile

Revisionsbegründung in Strafsachen: Wiedereinsetzung in die versäumte Frist zur Nachholung von Verfahrensrügen bei Erkrankung des mit der Revisionsbegründung beauftragten Rechtsanwalts

Tenor

  1. Dem Angeklagten wird auf seinen Antrag gegen die Versäumung der Frist zur Begründung der Revision gegen das Urteil des Landgerichts Stuttgart vom 15. Oktober 2012 auf seine Kosten Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gewährt.

  2. Die Revision des Angeklagten gegen das vorgenannte Urteil wird als unbegründet verworfen.

  3. Der Beschwerdeführer hat die Kosten seines Rechtsmittels sowie die den Neben- und Adhäsionsklägern im Revisionsverfahren entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen schwerer Körperverletzung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung in sechs tateinheitlich zusammentreffenden Fällen zu einer Jugendstrafe von vier Jahren verurteilt. Zudem hat es Entscheidungen im Adhäsionsverfahren getroffen.

2 Gegen dieses Urteil wendet sich der Angeklagte mit seiner Revision, die er auf zahlreiche Verfahrensrügen sowie die näher ausgeführte Sachrüge stützt. Darüber hinaus begehrt er die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand hinsichtlich der Frist zur Begründung der Revision.

3 Dem Angeklagten war auf seinen Antrag Wiedereinsetzung (§ 44 Abs. 1 Satz 1 StPO) zu gewähren. Seine Revision ist jedoch unbegründet i.S.v. § 349 Abs. 2 StPO.

I.

4 Dem Wiedereinsetzungsgesuch liegt folgendes Geschehen zugrunde:

5 Nachdem der Angeklagte durch einen seiner beiden Verteidiger, Rechtsanwalt Sc. , fristgerecht Revision eingelegt hatte, wurde dem Angeklagten das Urteil am 13. April 2013 zugestellt. Bis zum Ablauf der Frist des § 345 Abs. 1 StPO am 13. Mai 2013 ging keine Revisionsbegründung ein. Am 23. Mai 2013 bat der weitere Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt N. , um Wiedereinsetzung in den vorigen Stand in die Versäumung der Revisionsbegründungsfrist und holte die bis dahin fehlende Begründung mit Schriftsatz vom 27. Mai 2013 u.a. mit der Erhebung zahlreicher Verfahrensrügen nach. Zur Begründung des Wiedereinsetzungsantrags hat Rechtsanwalt N. unter Vorlage einer ärztlichen Bescheinigung vorgetragen, aufgrund einer bei ihm zwischen dem 8. und dem 18. Mai 2013 bestehenden, durch eine Zahnerkrankung bedingten Arbeitsunfähigkeit an der rechtzeitigen Erstellung der Revisionsbegründung gehindert gewesen zu sein.

6 Die Wiedereinsetzung war zu gewähren, weil der Angeklagte ohne sein Verschulden daran gehindert war, innerhalb der Frist des § 345 Abs. 1 StPO sein Rechtsmittel unter Einschluss der zahlreichen Verfahrensrügen zu begründen. Wie der Senat bereits entschieden hat (Senat, Beschluss vom 14. August 1984 - 1 StR 322/84, NStZ 1985, 204), rechtfertigt eine kurz vor Ablauf der Begründungsfrist eintretende Erkrankung des mit der Revisionsbegründung beauftragten Rechtsanwaltes ausnahmsweise die hier begehrte Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zur Erhebung (Nachholung) von Verfahrensrügen.

II.

7 Die Revision des Angeklagten bleibt allerdings ohne Erfolg. Die erhobenen Verfahrensrügen greifen aus den in der Antragsschrift des Generalbundesanwalts vom 30. September 2013 zutreffend dargelegten Gründen nicht durch. Die Überprüfung des Urteils auf die Sachrüge hin hat - ebenfalls aus den dort genannten Gründen - keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben.

| | | RiBGH Dr. Wahl ist urlaubsbedingt an der Unterschriftsleistung gehindert. | | | | --- | --- | --- | --- | --- | | Raum | | Raum | | Rothfuß | | | Jäger | | Radtke | |

Palavras-chave

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Questão jurídica principal

Whether the defendant was entitled to restoration of the time limit for filing the revision grounds after counsel’s illness caused the deadline to be missed.

Decisão extraída

Yes. The defendant was restored to the prior state because he was without fault and counsel’s illness shortly before expiry of the deadline exceptionally justified restoration for later filing of procedural complaints.

Fundamentação extraída

The court accepted that a short-term illness of the lawyer entrusted with the revision submission, occurring shortly before the deadline, can exceptionally justify restoration under Art. 44(1) StPO for the purpose of submitting omitted procedural objections.

Questão jurídica principal

Whether the revision was well-founded on procedural and substantive grounds.

Decisão extraída

No. The procedural complaints failed for the reasons stated by the Federal Public Prosecutor, and the review on the merits disclosed no legal error adverse to the defendant.

Fundamentação extraída

The court adopted the arguments set out in the prosecutor’s submission and found no reversible error in the challenged judgment.

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