Youth sentence for aggravated child sexual abuse improperly assessed

BGH 3 StR 318/13Bgh / Câmara Penal III8 de jan. de 2014Remanded

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Resumo Omnilex

The Federal Court of Justice partially upheld the defendant’s revision against a Regional Court judgment convicting him of three counts of aggravated child sexual abuse and imposing three years’ youth imprisonment. The Court found a sentencing error: when assessing the seriousness of guilt and fixing the youth sentence, the trial court had treated as aggravating the fact that the defendant disregarded the victim’s interests and pursued his own sexual needs, although this belongs to the ordinary offense pattern of §§ 176, 176a StGB. The sentence and related findings were set aside and the case remitted for a new sentencing decision; the remainder of the revision was rejected.

Sumário Omnilex

§ 17 Abs. 2 Alt. 2 JGG; youth sentence for aggravated child sexual abuse; impermissible aggravation by elements belonging to the statutory core of the offense. In determining guilt gravity and the concrete youth sentence, the court may compare the act with the adult criminal-law framework and, in particular, take into account the ordinary offense weight reflected in the statutory penalty range. However, circumstances that are inherent in the offense itself and characterize the typical unlawfulness of §§ 176, 176a StGB may not be treated as aggravating. A sentencing judgment is defective if it relies on the mere fact that the offender committed the offense and thereby disregarded the victim’s interests as though this were an additional aggravating circumstance (consid. 4–6).

Texto completo

BGH — 3 StR 318/13, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2014-01-08

Aktenzeichen: 3 StR 318/13

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 176 StGB, § 176a StGB, § 17 Abs 2 Alt 2 JGG

Vorinstanz: vorgehend LG Hildesheim, 11. Juni 2013, Az: 10 Js 39746/11 - 14 KLs

Spruchkörper: 3. Strafsenat

Titelzeile

Bemessung einer Jugendstrafe wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes: Fehlerhafte Berücksichtigung des tatbestandlichen Regelbildes bei Feststellung des Unrechtsgehaltes

Tenor

  1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Hildesheim vom 11. Juni 2013 im Strafausspruch mit den zugehörigen Feststellungen aufgehoben.

Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

  1. Die weitergehende Revision wird verworfen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes in drei Fällen, davon in einem Fall in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung, zu der Jugendstrafe von drei Jahren verurteilt. Das auf zwei Verfahrensrügen und die Rüge der Verletzung materiellen Rechts gestützte Rechtsmittel des Angeklagten hat mit der Sachrüge den aus der Entscheidungsformel ersichtlichen Erfolg; im Übrigen ist es unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO.

2 Nach den Feststellungen missbrauchte der zu Beginn des mehr als dreijährigen Tatzeitraums achtzehnjährige Angeklagte in drei Fällen seine um elf Jahre jüngere Schwester, wobei er sie in jedem Fall zum Oralverkehr veranlasste. In einem Fall verursachte er ihr Schmerzen bei dem Versuch, anal in sie einzudringen.

3 Der Ausspruch über die Jugendstrafe hat keinen Bestand. Die Erwägungen, mit denen das Landgericht in vergleichender Beurteilung der Taten nach Erwachsenenstrafrecht jeweils das Vorliegen eines minder schweren Falles (§ 176a Abs. 4 StGB) verneint sowie die konkret zu verhängende Jugendstrafe auf drei Jahre bemessen hat, halten rechtlicher Überprüfung nicht stand.

4 Zutreffend ist die Jugendkammer zwar davon ausgegangen, dass sowohl bei der Beurteilung der Schuldschwere im Sinne des § 17 Abs. 2 Alt. 2 JGG wie bei der Zumessung der konkreten Jugendstrafe der äußere Unrechtsgehalt der Tat insofern von Belang ist, als aus ihm Schlüsse auf die Persönlichkeit des Täters und die Höhe der Schuld gezogen werden können (vgl. BGH, Urteil vom 11. November 1960 - 4 StR 387/60, BGHSt 15, 224, 226). Dabei ist zur Bestimmung der zurechenbaren Schuld des jugendlichen oder heranwachsenden Täters das Tatunrecht am Maßstab der gesetzlichen Strafandrohungen des Erwachsenenstrafrechts heranzuziehen; denn die Strafrahmen des allgemeinen Strafrechts behalten insoweit ihre Bedeutung, als in ihnen die Bewertung des Tatunrechts zum Ausdruck kommt. Dies gilt namentlich dort, wo sich die Tat, nach Erwachsenenstrafrecht beurteilt, als minder schwerer Fall darstellen würde (BGH, Beschlüsse vom 4. November 1987 - 3 StR 482/87, BGHR JGG § 18 Abs. 1 Satz 3, minder schwerer Fall 3; vom 21. August 2012 - 4 StR 157/12, NStZ-RR 2013, 50 f.; vom 5. Juni 2013 - 2 StR 189/13, NStZ-RR 2013, 291; Urteil vom 9. August 2000 - 3 StR 176/00, NStZ-RR 2001, 215, 216).

5 Im Rahmen der hierfür vorzunehmenden Gesamtwürdigung hat das Landgericht u.a. indes zu Lasten des Angeklagten berücksichtigt, dass er sich aus egoistischen Gründen in gravierender Form und mit einem erheblichen Maß an krimineller Energie über die Rechtsordnung hinweggesetzt und seine eigenen sexuellen Bedürfnisse über die Integrität des Kindes gestellt habe. Damit hat die Strafkammer rechtsfehlerhaft darauf abgestellt, dass der Angeklagte die Straftaten überhaupt begangen hat. Denn dass sich der Angeklagte über die Interessen des missbrauchten Kindes hinwegsetzt, gehört zum Regelbild der Tatbestände der §§ 176 und 176a StGB und bildet deshalb für sich keinen Umstand, der den Unrechtsgehalt der Tat erhöht (BGH, Beschluss vom 14. Dezember 2004 - 4 StR 237/04, juris Rn. 11; vgl. auch BGH, Beschluss vom 5. Juni 2013 - 2 StR 189/13, NStZ-RR 2013, 291). Da das Landgericht diese rechtsfehlerhafte Erwägung im Rahmen der in Anlehnung an das Erwachsenstrafrecht vorzunehmenden Bestimmung des Unrechtsgehalts der Taten angestellt hat, ist es vorliegend ohne Bedeutung, dass § 46 Abs. 3 StGB bei der Bemessung der Jugendstrafe grundsätzlich keine Bedeutung zukommt (BGH, Urteil vom 28. August 1996 - 3 StR 205/96, NStZ-RR 1997, 21, 22; Beschlüsse vom 10. Januar 2007 - 1 StR 617/06, NStZ 2008, 693; vom 16. April 2007 - 5 StR 335/06, NStZ 2007, 522, 523; vom 20. Januar 2009 - 1 StR 662/08, NStZ-RR 2009, 155).

6 Der Senat kann nicht ausschließen, dass das Gericht ohne Berücksichtigung der vorgenannten Erwägung eine niedrigere Jugendstrafe verhängt hätte.

Becker Hubert Schäfer

Gericke Spaniol

Palavras-chave

youth sentencingsexual abuse of a childsentencing errorordinary offense patternaggravationrevisionremand

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Questão jurídica principal

Whether the youth sentence was unlawfully based on the ordinary offense pattern of §§ 176, 176a StGB when assessing the gravity of guilt and determining sentence.

Decisão extraída

The sentence could not stand because the trial court impermissibly treated conduct inherent in the offense as aggravating, namely the fact that the defendant disregarded the child victim's interests and pursued his own sexual needs.

Fundamentação extraída

In assessing guilt gravity under § 17(2) Alt. 2 JGG and fixing the concrete youth sentence, the ordinary offense pattern may inform the comparison with adult criminal law. But circumstances that belong to the statutory core of §§ 176, 176a StGB do not increase the unlawfulness of the act. The Regional Court therefore relied on an improper aggravating factor.

Questão jurídica principal

Whether the remainder of the revision was well-founded.

Decisão extraída

The further appeal was unfounded.

Fundamentação extraída

Apart from the sentencing error, no reversible legal error was shown.

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