Change from co-perpetration to sole perpetration without warning

BGH 2 StR 150/13Bgh / Câmara Penal II30 de jul. de 2013Partially Granted

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Resumo

The Federal Court partly upheld the accused’s revision. It held that the Regional Court violated the warning duty by convicting the accused of extortion as sole perpetrator when the indictment had alleged co-perpetration. The six extortion convictions and the aggregate sentence were therefore set aside and the matter remitted to another chamber. The robbery conviction in count II.1 remained intact. The court also noted that the findings on the extortion counts were insufficient for the retrial, especially as to the coercive means and the existence of a compensable property loss.

Regest

§ 265 Abs. 1 StPO; change from co-perpetration to sole perpetration requires prior judicial warning if the accused must be able to defend against the altered factual/legal basis. A conviction on a materially different form of participation without such notice is unlawful and may require reversal if prejudice cannot be excluded (consid. 1). Where the indictment is not fully exhausted, unresolved counts remain pending; the trial court must dispose of all charged acts. In retrial, the coercive means and causality must be established with sufficient precision; in extortion involving illicit substances, the existence of a compensable property loss requires careful separate examination (consid. 3-4).

Texto completo

BGH — 2 StR 150/13, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2013-07-30

Aktenzeichen: 2 StR 150/13

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 25 Abs 1 StGB, § 25 Abs 2 StGB, § 253 StGB, § 265 Abs 1 StPO, § 338 StPO

Vorinstanz: vorgehend LG Darmstadt, 6. Dezember 2012, Az: 950 Js 16278/12 - 1 KLs

Spruchkörper: 2. Strafsenat

Titelzeile

Strafverfahren wegen Erpressung: Rechtsfehlerhafte Verurteilung wegen Alleintäterschaft nach Anklage von Mittäterschaft; Vermögensschaden bei Erwirkung der Überlassung von Betäubungsmitteln

Tenor

  1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Darmstadt vom 6. Dezember 2012 mit den zugehörigen Feststellungen aufgehoben

a) soweit der Angeklagte wegen Erpressung in sechs Fällen verurteilt worden ist (Fälle II. 2.-7. der Urteilsgründe);

b) im Ausspruch über die Gesamtstrafe.

  1. Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

  2. Die weitergehende Revision wird verworfen.

Gründe

1 1. Die Verfahrensrüge eines Verstoßes gegen § 265 Abs. 1 StPO ist begründet. Dem Angeklagten war in der unverändert zugelassenen Anklage vom 2. November 2011 vorgeworfen worden, er habe sich der Erpressung in 10 Fällen jeweils in mittäterschaftlicher Begehung (§ 25 Abs. 2 StGB) schuldig gemacht. Verurteilt worden ist der Angeklagte wegen Erpressung in sechs Fällen als Alleintäter, ohne dass er auf diese Änderung zuvor hingewiesen wurde. Das war rechtsfehlerhaft (vgl. BGH, Beschluss vom 17. Mai 1990 – 1 StR 157/90, NStZ 1990, 449; Urteil vom 24. Oktober 1995 – 1 StR 474/95, StV 1997, 64; Beschluss vom 17. Januar 2001 – 2 StR 438/00, StV 2002, 236; Beschluss vom 14. Oktober 2008 – 4 StR 260/08, NStZ 2009, 105; Beschluss vom 22. März 2012 – 4 StR 651/11, StV 2012, 710); das Beruhen der Verurteilung in diesen sechs Fällen auf dem Rechtsfehler lässt sich nicht ausschließen. Dies führt zur Aufhebung in diesen Fällen und im Ausspruch über die Gesamtstrafe.

2 2. Die Verfahrensvoraussetzung einer wirksamen Anklage ist entgegen dem Revisionsvorbringen gegeben. Die Verurteilung wegen Raubs in Fall II. 1. der Urteilsgründe ist rechtsfehlerfrei und kann bestehen bleiben.

3 3. Für die neue Verhandlung weist der Senat darauf hin, dass die bisherigen Feststellungen zu den Taten II. 2.-7. die Verurteilung wegen Erpressung nicht tragen. Es fehlt durchweg bereits an hinreichend genauen Feststellungen der Nötigungsmittel. Soweit das Landgericht Drohungen angenommen hat, bleibt deren genauer Inhalt unklar; auch die Kausalität der Drohung für die jeweilige Übergabe gewünschter Mengen von Marihuana ist nicht hinreichend dargetan.

4 Selbst wenn eine Nötigung festgestellt würde, wäre im Übrigen das Merkmal des Vermögensschadens genauer zu prüfen. Dass der Verlust des illegalen Besitzes an Betäubungsmitteln ein vom Recht anerkannter Vermögensschaden ist, ist jedenfalls nicht unbestritten (vgl. etwa Hillenkamp in Festschrift für Achenbach, 2011, S. 1989 ff.; Fischer, StGB 60. Aufl. § 253 Rn. 13a mwN).

5 Schließlich hat der Generalbundesanwalt zu Recht darauf hingewiesen, dass das Urteil die Anklageschrift vom 2. November 2011 nicht erschöpft. Von den zehn angeklagten Erpressungstaten sind drei Fälle eingestellt (Ziffer 1., 9. und 10.) und sechs abgeurteilt worden; ein Fall ist daher beim Landgericht anhängig geblieben.

Fischer Schmitt Eschelbach

Ott Zeng

Palavras-chave

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