Tenant-made heating upgrade counts in hardship review

BGH VIII ZR 56/12Bgh / Civil Chamber 810 de out. de 2012Annulled

Abrir fonte

Extraído pela Omnilex

Resumo Omnilex

The Federal Court set aside the Berlin Regional Court's judgment in a tenancy dispute about a landlord's right to connect a flat to central heating and central hot water. The tenant had previously installed a gas heating system with the landlord's consent. The court held that, for § 554 Abs. 2 BGB and the hardship exception in sentence 4, the current condition of the flat must be assessed, including lawful tenant improvements. Because the appellate court had ignored that standard and had not made findings on energy savings or tenant hardship, the case was remanded.

Sumário Omnilex

§ 554 Abs. 2 BGB; § 554 Abs. 2 Satz 4 BGB; assessment of modernization and hardship in tenancy law: For the question whether planned landlord works constitute a modernization and whether the hardship exception is excluded because only an ordinary housing standard is reached, the decisive point is the current condition of the leased premises. Lawful improvements made by the tenant are to be included; only contractually unauthorized alterations are disregarded. The exception in sentence 4 cannot be denied merely by reference to the landlord's original letting condition if the tenant has lawfully created a condition already corresponding to the usual standard. Where the lower court applied an incorrect benchmark, the judgment must be set aside and the matter remanded if necessary findings are lacking (consid. 8-11).

Texto completo

BGH — VIII ZR 56/12, Versäumnisurteil

Entscheidungsdatum: 2012-10-10

Aktenzeichen: VIII ZR 56/12

Dokumenttyp: Versäumnisurteil

Normen: § 554 Abs 2 S 4 BGB

Vorinstanz: vorgehend LG Berlin, 10. Januar 2012, Az: 63 S 136/11vorgehend AG Berlin-Mitte, 15. Februar 2011, Az: 5 C 75/09

Spruchkörper: 8. Zivilsenat

Titelzeile

Wohnraummietvertrag: Duldungsanspruch des Mieters bei Anschluss der Wohnung an die Zentralheizung bei mieterseits eingebauter Gasetagenheizung

Tenor

Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil der Zivilkammer 63 des Landgerichts Berlin vom 10. Januar 2012 aufgehoben.

Die Sache wird zur neuen Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Revisionsverfahrens, an das Berufungsgericht zurückverwiesen.

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar.

Von Rechts wegen

Tatbestand

1 Der Beklagte mietete im Jahr 1997 vom Rechtsvorgänger der Klägerin eine mit Einzelofenheizung ausgestattete Wohnung in Berlin Mitte an und baute mit dessen Einverständnis auf eigene Kosten eine Gasetagenheizung ein.

2 Mit Schreiben vom 16. Oktober 2008 kündigte die Klägerin dem Beklagten umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen an, unter anderem den Anschluss der Wohnung an die im Gebäude inzwischen vorhandene Zentralheizung und die zentrale Wasserversorgung. Der Beklagte stimmte der Durchführung der angekündigten baulichen Maßnahmen nicht zu. Die daraufhin von der Klägerin erhobene Duldungsklage haben die Parteien für erledigt erklärt, soweit sie sich nicht auf den Anschluss der Wohnung an die Zentralheizung und die zentrale Warmwasserversorgung bezog; insoweit hat das Amtsgericht die Klage abgewiesen. Das Landgericht hat das Urteil des Amtsgerichts abgeändert und der Klage stattgegeben. Mit der vom Berufungsgericht zugelassenen Revision erstrebt der Beklagte die Wiederherstellung des erstinstanzlichen Urteils.

Entscheidungsgründe

3 Die Revision hat Erfolg. Über das Rechtsmittel ist antragsgemäß durch Versäumnisurteil zu entscheiden, da die Klägerin in der mündlichen Revisionsverhandlung trotz ordnungsgemäßer Ladung nicht vertreten war. Inhaltlich beruht das Urteil indessen nicht auf der Säumnis der Klägerin, sondern auf einer Sachprüfung (vgl. BGH, Urteil vom 4. April 1962 - V ZR 110/60, BGHZ 37, 79, 81 ff.).

I.

4 Das Berufungsgericht hat zur Begründung seiner Entscheidung, soweit für das Revisionsverfahren noch von Interesse, im Wesentlichen ausgeführt:

5 Die Klägerin habe gegen den Beklagten einen Anspruch darauf, den Anschluss ihrer Wohnung an die Zentralheizung und an die zentrale Warmwasserversorgung zu dulden. Es handele sich dabei um eine Modernisierung im Sinne des § 554 Abs. 2 BGB, weil die Wohnung des Beklagten seitens des Vermieters nur mit Einzelöfen ausgestattet sei. Dass der Beklagte aufgrund einer Modernisierungsvereinbarung mit der Klägerin eine Gasetagenheizung eingebaut habe, bleibe außer Betracht, weil vom Mieter geschaffene Modernisierungen im Rahmen des § 554 Abs. 2 BGB nicht berücksichtigt werden dürften; anderenfalls hätte es der Mieter in der Hand, eine Modernisierung des Vermieters durch eigene Investitionen zu blockieren.

6 Der Beklagte könne auch nicht geltend machen, dass die Modernisierung für ihn mit Rücksicht auf die zu erwartende Mieterhöhung eine unzumutbare Härte darstelle, denn die Wohnung werde durch den Anschluss an die Zentralheizung und die zentrale Warmwasserversorgung lediglich in einen allgemein üblichen Zustand versetzt (§ 554 Abs. 2 Satz 4 BGB). Ausgangspunkt für die Beurteilung sei auch insoweit der für die Bemessung der Miete maßgebliche Zustand, mithin der vom Vermieter zur Verfügung gestellte Zustand mit Einzelöfen.

II.

7 Diese Beurteilung hält rechtlicher Nachprüfung nicht stand. Mit der vom Berufungsgericht gegebenen Begründung kann ein Anspruch der Klägerin gegen den Beklagten, den Anschluss seiner Wohnung an die Zentralheizung und die zentrale Warmwasserversorgung zu dulden, nicht bejaht werden.

8 Wie der Senat nach Erlass des Berufungsurteils entschieden hat, kommt es für die Beurteilung der Frage, ob vom Vermieter geplante bauliche Maßnahmen des Vermieters als Verbesserung der Mietsache im Sinne des § 554 Abs. 2 BGB anzusehen sind, auf den gegenwärtigen Zustand der Mietsache einschließlich der vom Mieter rechtmäßig vorgenommenen Verbesserungen an; lediglich vertragswidrig vorgenommene bauliche Maßnahmen des Mieters bleiben außer Betracht (Senatsurteil vom 20. Juni 2012 - VIII ZR 110/11, WuM 2012, 448 Rn. 13).

9 Dieser Maßstab gilt auch für die Beurteilung der Frage, ob eine Härtefallprüfung nach § 554 Abs. 2 Satz 4 BGB unterbleibt, weil die Mietsache durch die vom Vermieter beabsichtigte Maßnahme lediglich in einen Zustand versetzt wird, wie er allgemein üblich ist; auch insoweit ist der gegenwärtige Zustand einschließlich vom Mieter rechtmäßig vorgenommener Veränderungen zugrunde zu legen.

10 Die in § 554 Abs. 2 Satz 4 BGB vorgesehene Ausnahme von der Härtefallprüfung soll im Interesse der Verbesserung der allgemeinen Wohnverhältnisse verhindern, dass eine Modernisierung, mit der lediglich ein allgemein üblicher Standard erreicht wird, im Hinblick auf persönliche Härtegründe des Mieters unterbleibt. Diese Zielsetzung verbietet es, einen vom Mieter rechtmäßig geschaffenen Zustand, der diesem Standard bereits entspricht, außer Acht zu lassen. Ein Ausschluss der Härtefallprüfung nach § 554 Abs. 2 BGB kann deshalb nicht damit begründet werden, dass die früher vorhandenen Einzelöfen dem heutigen allgemein üblichen Zustand nicht entsprechen. Gegenüber der bereits vorhandenen Gasetagenheizung stellt die inzwischen eingebaute Zentralheizung keine Wohnwertverbesserung dar, denn in der Regel ist eine Gasetagenheizung, deren Einstellung der Mieter allein regeln kann, zumindest ebenso komfortabel wie eine Zentralheizung. Es kann daher nicht angenommen werden, dass erst mit dem Anschluss der Wohnung der Beklagten an die Zentralheizung ein allgemein üblicher Wohnstandard erreicht würde.

III.

11 Nach alledem kann das Urteil des Berufungsgerichts keinen Bestand haben; es ist daher aufzuheben (§ 562 Abs. 2 ZPO). Die Sache ist nicht zur Endentscheidung reif, weil das Berufungsgericht - vor dem Hintergrund der von ihm vertretenen Rechtsauffassung folgerichtig - keine Feststellungen dazu getroffen hat, ob der Anschluss der Wohnung des Beklagten an die Zentralheizung zu einer Einsparung von Energie führt und ob in der Person des Beklagten ein Härtegrund im Sinne des § 554 Abs. 2 Satz 2 BGB vorliegt. Die Sache ist daher zur neuen Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zurückzuverweisen (§ 563 Abs. 1 Satz 1 ZPO).

Ball Dr. Milger Dr. Achilles

Dr. Schneider Dr. Bünger

Palavras-chave

tenancymodernizationheating systemhardship reviewtenant improvementsremandcentral heatinghousing standard

Extraído pela Omnilex

Questão jurídica principal

Whether tenant-installed, lawful heating improvements must be considered when assessing a landlord's modernization claim under § 554 Abs. 2 BGB.

Decisão extraída

Yes. The current state of the premises, including lawful improvements made by the tenant, must be taken into account; only unlawful alterations are disregarded.

Fundamentação extraída

The modernity assessment is based on the existing condition of the rented premises. A tenant may not be ignored where he lawfully created an already-standard heating situation.

Questão jurídica principal

Whether the hardship exception in § 554 Abs. 2 Satz 4 BGB is excluded because the landlord's measure would only create an ordinary standard of housing.

Decisão extraída

No. The exception is not excluded when the premises already meet that standard because of a lawful tenant improvement.

Fundamentação extraída

The purpose of the exception is to avoid blocking general housing improvements, but it does not justify disregarding a lawful tenant-created condition that already provides the usual standard; a gas etagenheizung is generally at least as comfortable as central heating.

Questão jurídica principal

Whether the appellate judgment could stand without findings on energy savings and tenant hardship.

Decisão extraída

No. Further findings were required on possible energy savings and any personal hardship of the tenant.

Fundamentação extraída

Because the appellate court applied the wrong legal standard, it had made no findings necessary for final decision.

Continue sua pesquisa no ChatGPT ou Claude

Conecte o Omnilex para pesquisar o corpus jurídico pelo seu assistente de IA.