Recalculation of pre-execution period despite appeal limitation

BGH 3 StR 352/12Bgh / Câmara Penal III4 de set. de 2012Partially Granted

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Resumo Omnilex

The Federal Court partly allowed the defendant’s revision against the Schwerin Regional Court judgment. It upheld the conviction for hostage-taking and theft but corrected the operative part so that the theft conviction no longer refers to a particularly serious case. It also reset the pre-execution period before the placement in a treatment facility to one year and six months, because Section 67(2) StGB requires a calculation that preserves the possibility of release after half of the sentence. The remainder of the revision was dismissed. The defendant was ordered to pay the costs of the appeal.

Sumário Omnilex

§ 67 Abs. 2 StGB; revision and pre-execution period before placement in a treatment facility: the period to be served before the measure must be fixed so that, after service of that part and subsequent treatment, a decision under § 67 Abs. 5 sentence 1 StGB remains possible, i.e. release after half of the sentence. Any prior custody is not to be deducted in the revision calculation, as it is credited in enforcement. A limitation of the appeal to the measure itself does not prevent the revision court from independently redetermining the pre-execution period where the measure decision is otherwise unchallenged. The statutory example of a particularly serious case is not part of the operative part of the judgment, but belongs to the reasons only.

Texto completo

BGH — 3 StR 352/12, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2012-09-04

Aktenzeichen: 3 StR 352/12

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 67 Abs 2 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Schwerin, 12. April 2012, Az: 33 KLs 35/11

Spruchkörper: 3. Strafsenat

Titelzeile

Revision im Strafverfahren: Neufestsetzung der Dauer des Vorwegvollzugs trotz Ausnahme der Unterbringungsanordnung vom Revisionsangriff

Tenor

  1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Schwerin vom 12. April 2012, soweit es den Angeklagten V. betrifft, dahin abgeändert, dass er der Geiselnahme sowie des Diebstahls schuldig ist und die Dauer des Vorwegvollzugs der Gesamtfreiheitsstrafe vor der Maßregel auf ein Jahr und sechs Monate festgesetzt wird.

  2. Die weitergehende Revision wird verworfen.

  3. Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten - unter Freisprechung im Übrigen - wegen Geiselnahme und Diebstahls "im besonders schweren Fall" zur Gesamtfreiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt, seine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet und bestimmt, dass von der Freiheitsstrafe "neun Monate, drei Wochen und sechs Tage" vor der Maßregel zu vollziehen sind. Hiergegen richtet sich die - die Anordnung der Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt wirksam vom Revisionsangriff ausnehmende - Revision des Angeklagten, mit der er die Verletzung sachlichen Rechts rügt. Das Rechtsmittel hat den aus der Entscheidungsformel ersichtlichen Teilerfolg; im Übrigen ist es unbegründet im Sinne von § 349 Abs. 2 StPO.

2 Die Überprüfung des Urteils aufgrund der Revisionsrechtfertigung hat zum Schuld- und Strafausspruch keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten erbracht. Der Senat hat indes die Urteilsformel hinsichtlich der Verurteilung des Angeklagten wegen Diebstahls berichtigt. Wie der Generalbundesanwalt in seiner Antragsschrift zutreffend ausgeführt hat, ist das Vorliegen des gesetzlichen Regelbeispiels eines besonders schweren Falles nicht in die Urteilsformel aufzunehmen (vgl. Meyer-Goßner, StPO, 55. Aufl., § 260 Rn. 25 mwN).

3 Die Festsetzung des Teiles der Freiheitsstrafe, der vor der Maßregel zu vollziehen ist (§ 67 Abs. 2 StGB), kann nicht bestehen bleiben. Sie verstößt gegen § 67 Abs. 2 Satz 3 StGB. Danach ist, sofern bei einer Freiheitsstrafe von über drei Jahren nicht ausnahmsweise von einer Vikariierung abgesehen wird, der vorweg zu vollstreckende Teil der Freiheitsstrafe so zu bemessen, dass nach seiner Vollziehung und einer anschließenden Unterbringung eine Entscheidung nach § 67 Abs. 5 Satz 1 StGB, also eine Entlassung nach Erledigung der Hälfte der Strafe möglich ist (vgl. BGH, Beschluss vom 12. Februar 2009 - 3 StR 569/08, NStZ-RR 2009, 172 mwN). Eine vom Angeklagten erlittene Untersuchungshaft bleibt insoweit außer Ansatz, da diese im Vollstreckungsverfahren auf die Dauer des vor der Unterbringung zu vollziehenden Teils der Strafe anzurechnen ist (vgl. BGH, Beschluss vom 15. November 2007 - 3 StR 390/07, NStZ 2008, 213, 214; zu allem Fischer, StGB, 59. Aufl., § 67 Rn. 11 ff.).

4 Dem wird die vorliegende Bestimmung der Dauer des Vorwegvollzugs nicht gerecht. Da die Strafkammer - sachverständig beraten - von einer voraussichtlichen Therapiedauer von zwei Jahren ausgegangen ist, ergibt sich bei Abzug dieses Zeitraumes von der Hälfte der verhängten Gesamtfreiheitsstrafe von sieben Jahren die Dauer des Vorwegvollzugs der Strafe vor der Maßregel mit einem Jahr und sechs Monaten. Der Senat kann hier die Festsetzung in entsprechender Anwendung des § 354 Abs. 1 StPO selbst vornehmen (vgl. BGH, Beschluss vom 9. November 2011 - 2 StR 444/11, NStZ-RR 2012, 71).

5 Die vorliegende Ausnahme der Anordnung der Unterbringung in einer Entziehungsanstalt vom Revisionsangriff hindert die Neufestsetzung der Dauer des Vorwegvollzugs nicht. Die wirksame Beschränkung des Rechtsmittels betrifft nach dem Inhalt der Revisionsrechtfertigung allein die Anordnung der Unterbringung selbst und die dazu getroffenen Feststellungen; die im Revisionsverfahren - unter der Voraussetzung einer im Übrigen rechtsfehlerfreien Maßregelentscheidung - in der Regel isoliert anfechtbare Festsetzung der Dauer des Vorwegvollzugs (vgl. BGH, Beschluss vom 18. Dezember 2007 - 3 StR 516/07, NStZ-RR 2009, 48, 49; Fischer, aaO, Rn. 11 c) sollte hingegen ersichtlich nicht vom Rechtsmittelangriff ausgenommen werden.

6 Der geringe Teilerfolg der Revision gibt keinen Anlass, den Angeklagten von einem Teil der Kosten seines Rechtsmittels zu entlasten (§ 473 Abs. 4 StPO).

Schäfer Hubert Mayer

Gericke Spaniol

Palavras-chave

revisionpre-execution periodplacement in a treatment facilitythefthostage-takingcostsappeal limitation

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Questão jurídica principal

Whether the theft conviction had to be corrected because the particularly serious case should not appear in the operative part.

Decisão extraída

The operative part had to be amended so that the theft conviction is stated without the legal reference to a particularly serious case.

Fundamentação extraída

The statutory example of a particularly serious case is not to be included in the dispositive wording of the judgment.

Questão jurídica principal

Whether the duration of the pre-execution period before the measure under Section 67(2) StGB was lawful.

Decisão extraída

The pre-execution period had to be reset to one year and six months.

Fundamentação extraída

Section 67(2) sentence 3 StGB requires that the pre-execution part be set so that, after service and subsequent treatment, release after half the sentence remains possible; based on an expected therapy duration of two years, the correct pre-execution period is one year and six months.

Questão jurídica principal

Whether the appeal limitation excluding the treatment-order challenge also prevented correction of the pre-execution period.

Decisão extraída

No; the limitation concerned only the treatment order and related findings, not the separately reviewable pre-execution period.

Fundamentação extraída

The pre-execution period is generally separately challengeable in revision if the remainder of the measure decision is otherwise error-free.

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