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BGH 4 StR 157/12 ΓÇó Juvenile robbery-extortion case: dismissal instead of acquittal for missing complaint
BGH 4 StR 157/12Bgh / Criminal Chamber 421 de ago. de 2012Dismissed
The defendant's revision against a Halle juvenile judgment was rejected. The Federal Court of Justice noted that in count II.6 the trial court should have terminated the proceedings for lack of a required complaint rather than acquitting, but the error did not harm the defendant because a timely complaint by the superior of the affected prison officers made the act prosecutable. The court also held that the failure to expressly discuss a lesser case in count II.5 was not a reversible error, given the youth sentence based on harmful tendencies and serious educational deficits. Revision costs were largely not imposed, but the defendant must pay the necessary expenses of the private complainant.
§ 260 Abs. 3 StPO; where prosecution depends on a complaint and the complaint period has expired, the correct procedural consequence is termination of proceedings, not acquittal, unless it is already established that no offense can be proven; an erroneous acquittal is harmless if the accused is not prejudiced because the act remains prosecutable through a timely complaint. In juvenile sentencing, the court should regularly examine whether a lesser case exists when assessing the wrongfulness of the act, but a failure to do so is not reversible if the sentencing court’s emphasis on harmful tendencies and educational deficits excludes a different youth sentence (consid. 1-2).
Entscheidungsdatum: 2012-08-21
Aktenzeichen: 4 StR 157/12
Dokumenttyp: Beschluss
Normen: § 260 Abs 3 StPO, § 17 Abs 2 JGG, § 18 Abs 1 S 3 JGG, § 249 Abs 2 StGB, § 253 StGB, § 255 StGB
Vorinstanz: vorgehend LG Halle (Saale), 23. Januar 2012, Az: 6 KLs 15/11
Spruchkörper: 4. Strafsenat
Jugendstrafverfahren wegen schwerer räuberischer Erpressung: Einstellung statt Freispruch bei Fehlen von Strafanträgen; Nichterörterung eines minder schweren Falles in den Urteilsgründen
Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Halle vom 23. Januar 2012 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).
Es wird davon abgesehen, dem Beschwerdeführer die Kosten und Auslagen des Revisionsverfahrens aufzuerlegen (§ 74 JGG); jedoch hat er die dem Nebenkläger im Revisionsverfahren entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.
Ergänzend bemerkt der Senat:
Der ohne Erörterung des Schuldvorwurfs erfolgte Freispruch im Fall II. 6 der Urteilsgründe ist rechtsfehlerhaft. Stellt sich in der Hauptverhandlung heraus, dass erforderliche Strafanträge fehlen und ist die Antragsfrist abgelaufen, so ist das Verfahren nach § 260 Abs. 3 StPO insoweit einzustellen. Ein Freispruch kommt in diesem Fall nur dann in Betracht, wenn bereits feststeht, dass dem Angeklagten keine Straftat nachzuweisen ist (vgl. BGH, Beschluss vom 28. Oktober 1965 - KRB 3/65, BGHSt 20, 333, 335; Meyer-Goßner, StPO, 55. Aufl., § 260 Rn. 44 mwN). Eine Einstellung durch das Revisionsgericht nach § 354 Abs. 1 Satz 1 StPO konnte nicht erfolgen, weil im Fall II. 6 der Urteilsgründe ein rechtzeitig gestellter Strafantrag des Dienstvorgesetzten der beleidigten Vollzugsbeamten vorliegt und die Tat deshalb entgegen der Annahme des Landgerichts verfolgbar war (§ 194 Abs. 3 Satz 1 StGB). Indes ist der Angeklagte durch den Freispruch nicht beschwert.
Der Umstand, dass das Landgericht im Fall II. 5 der Urteilsgründe das Vorliegen eines minder schweren Falls (§§ 253, 255, 249 Abs. 2 StGB) nicht ausdrücklich erörtert hat, stellt keinen durchgreifenden Rechtsfehler dar. Zwar ist auch im Jugendstrafrecht bei der Bewertung des Tatunrechts regelmäßig in die Betrachtung einzubeziehen, ob ein minder schwerer Fall vorliegt (vgl. BGH, Beschluss vom 4. November 1987 - 3 StR 482/87, BGHR JGG § 18 Abs. 1 Satz 3 Minder schwerer Fall 3 mwN), doch vermag der Senat auszuschließen, dass das Landgericht in diesem Fall auf eine andere Jugendstrafe erkannt hätte. Das Landgericht hat Jugendstrafe wegen des Vorliegens schädlicher Neigungen (§ 17 Abs. 2 JGG) angeordnet und bei deren Bemessung maßgeblich auf die erheblichen Entwicklungs- und Erziehungsdefizite bei dem Angeklagten abgestellt.
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Quentin Reiter