Supplementary indictment: joinder order in trial composition

BGH 5 StR 327/11Bgh / Criminal Chamber 529 de ago. de 2011Dismissed

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Resumo

The defendant’s revision against the LG Hamburg judgment was dismissed by the BGH, with a limited correction to the total sentence. The court held that only the conviction of 11 December 2009 had cutting-effect; the earlier total-sentence order of 8 October 2010 did not. The 15-day fine imposed by the Pinneberg criminal order of 10 February 2010 had to be included in the first total sentence, and its completion did not block inclusion after finality. The court also noted that a supplementary indictment joined in the main hearing under § 266(1) StPO can validly be incorporated by an order issued in the proper trial composition. The defendant was ordered to pay the costs of the revision.

Regest

§ 55 StGB, § 51 Abs. 2 StGB; § 266 Abs. 1 StPO: A not yet fully executed total-sentence order does not itself create cutting-effect for earlier offences; only the conviction that first separates the aggregate has such effect. A fine already served may still be included in a later total sentence if the prior total-sentence order has become final, because completion of execution does not by itself preclude inclusion under § 55 StGB once no execution-status obstacle remains. A supplementary indictment joined in the main hearing may be validly incorporated by an order under § 266(1) StPO in the composition of the main hearing; this order constitutes the procedural basis of a valid opening decision.

Texto completo

BGH — 5 StR 327/11, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2011-08-29

Aktenzeichen: 5 StR 327/11

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 266 Abs 1 StPO

Vorinstanz: vorgehend LG Hamburg, 11. April 2011, Az: 628 KLs 16/10

Spruchkörper: 5. Strafsenat

Titelzeile

Nachtragsanklage: Einbeziehungsbeschluss in der Besetzung der Hauptverhandlung

Tenor

Die Revision der Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Hamburg vom 11. April 2011 wird nach § 349 Abs. 2 StPO als unbegründet verworfen, jedoch mit der Maßgabe (§ 349 Abs. 4 StPO), dass in die Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten auch die Strafe aus dem Strafbefehl des Amtsgerichts Pinneberg vom 10. Februar 2010 (Az.: 31 Cs 14/10) einbezogen ist.

Die Angeklagte trägt die Kosten ihrer Revision.

Zutreffend hat das Landgericht allein der Verurteilung vom 11. Dezember 2009 Zäsurwirkung zuerkannt; der nicht vollständig vollstreckte Gesamtstrafbeschluss vom 8. Oktober 2010, der sämtlich vor jener Zäsur begangene Straftaten betrifft, entfaltet seinerseits keine Zäsurwirkung. Die hiervon miterfasste Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu je 10 € aus dem Strafbefehl des Amtsgerichts Pinneberg vom 10. Februar 2010 ist indes ebenfalls in die erste Gesamtstrafe einzubeziehen. Ihre vollständige – nach § 51 Abs. 2 StGB anzurechnende – Vollstreckung vermochte, anders als das Landgericht annimmt (UA S. 29), nach Rechtskraft des genannten, Geld- und Freiheitsstrafen zusammenfassenden Gesamtstrafbeschlusses eine die Einbeziehung hindernde Erledigung nach § 55 Abs. 1 Satz 1 StGB nicht mehr zu begründen (vgl. BGH, Beschluss vom 29. Juni 2006 – 5 StR 229/06, NStZ-RR 2006, 337; Fischer, StGB, 58. Aufl., § 55 Rn. 6a). Schon im Blick auf § 39 StGB schließt der Senat eine Erhöhung der ersten Gesamtstrafe durch die Einbeziehung einer weiteren geringen Geldstrafe sicher aus; höher als die aufgelöste Gesamtstrafe aus dem Beschluss vom 8. Oktober 2010 muss sie nicht ausfallen (vgl. Fischer, aaO, § 55 Rn. 16).

Der Senat merkt ferner an: Die letzte, zur Einsatzstrafe für die zweite Gesamtstrafe führende Straftat der Angeklagten ist im Wege der Nachtragsanklage in der Hauptverhandlung einbezogen worden. Der zutreffend in der Besetzung der Hauptverhandlung (mit je zwei Berufsrichtern und Schöffen) ergangene Einbeziehungsbeschluss nach § 266 Abs. 1 StPO begründet die Verfahrensvoraussetzung eines wirksamen Eröffnungsbeschlusses (vgl. Meyer-Goßner, StPO, 54. Aufl., § 266 Rn. 15). Der nur wegen des missverständlich gebrauchten Begriffs „Nachtragsanklage“ scheinbar abweichende Beschluss des 2. Strafsenats des Bundesgerichtshofs vom 2. Februar 2011 – 2 StR 511/10 (StV 2011, 365, 366, Rn. 6), in dem die nach § 76 Abs. 2 Satz 1 GVG reduzierte Berufsrichterbesetzung beanstandet wird, betrifft, wie die zusammenhängenden Rechtsprechungszitate erweisen, keine nach § 266 Abs. 1 StPO einbezogene Nachtragsanklage.

Basdorf Brause Schaal

Schneider König

Palavras-chave

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