Tax evasion: start of limitation period on failure to file return

BGH 1 StR 209/11Bgh / Câmara Penal I18 de mai. de 2011Dismissed

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The Federal Court of Justice dismissed the defendant’s revision against the LG Essen judgment for tax evasion. It held that no limitation period had expired because, in omission cases under § 370 Abs. 1 Nr. 2 AO, the decisive completion date is not shifted by a hypothetical tax assessment date. The court also upheld the trial court’s estimation of the tax bases and found no sentencing error, including no basis for mitigation under § 46a StGB. The defendant was ordered to pay the costs of the appeal.

Sumário Omnilex

§ 370 Abs. 1 Nr. 2 AO; limitation period for tax evasion by omission and estimation of tax bases; the offense is completed upon expiry of the filing deadline, so the start of limitation is governed by the actual completion of the omission and not by a hypothetical assessment date. The benefit-of-the-doubt rule does not require assuming a fictitious priority in assessment. Where exact tax bases cannot be determined, the trial court may estimate them within the bounds of judicial discretion; it need not adopt the most favorable value in an expert range if the reasons for the chosen value are comprehensibly stated. Section 46a StGB does not apply to tax offences protecting the state tax claim; § 46 Abs. 3 StGB is not violated by weighing the defendant’s role as initiator and driving force when this does not duplicate the factual basis of guilt.

Texto completo

BGH — 1 StR 209/11, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2011-05-18

Aktenzeichen: 1 StR 209/11

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 370 Abs 1 Nr 2 AO, § 78 StGB, §§ 78ff StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Essen, 22. Dezember 2010, Az: 21 KLs 14/10, Urteil

Spruchkörper: 1. Strafsenat

Titelzeile

Steuerhinterziehung: Verjährungsbeginn bei Nichtabgabe der Steuererklärung

Tenor

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Essen vom 22. Dezember 2010 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.

Ergänzend zu den zutreffenden Ausführungen des Generalbundesanwalts bemerkt der Senat:

  1. Es kann hier dahinstehen, ob das Anfügen von aus sich heraus schwer verständlichen Tabellen, auf welche die Urteilsgründe Bezug nehmen, den Anforderungen an die Darstellung eines Urteils in Steuerstrafsachen genügen kann (hierzu vgl. BGH, Urteil vom 2. Dezember 2008 - 1 StR 375/08, wistra 2009, 68; BGH, Urteil vom 12. Mai 2009 - 1 StR 718/08, wistra 2009, 398). Aus dem Gesamtzusammenhang der Urteilsgründe kann der Senat mit noch ausreichender Klarheit die von der Strafkammer festgestellten Besteuerungsgrundlagen ersehen und hieraus den zutreffenden Betrag hinterzogener Steuern entnehmen. Soweit die von der Strafkammer errechnete Steuer von der tatsächlich geschuldeten Steuer abweicht, kann der Senat in Übereinstimmung mit dem Generalbundesanwalt ausschließen, dass sich dies auf den Strafausspruch ausgewirkt hat.

  2. Verfolgungsverjährung ist nicht eingetreten. Zu Recht ist das Landgericht davon ausgegangen, dass die Verjährung der Taten der Steuerhinterziehung, die der Angeklagte durch die Nichtabgabe von Einkommen- und Gewerbesteuererklärungen für den Veranlagungszeitraum 2002 begangen hat (§ 370 Abs. 1 Nr. 2 AO), rechtzeitig unterbrochen worden ist. Der hypothetische Zeitpunkt, zu dem das Finanzamt einen Steuerbescheid erlassen hätte, wenn der Täter fristgemäß eine Steuererklärung abgegeben hätte, ist für die Frage der für den Verjährungsbeginn maßgeblichen Tatbeendigung ohne Bedeutung. Entgegen der Auffassung der Revision gebietet auch der - ohnehin für Rechtsfragen nicht anzuwendende - Zweifelssatz nicht die Annahme, der Angeklagte wäre als erster veranlagt worden (vgl. BGH, Beschluss vom 7. November 2001 - 5 StR 395/01, BGHSt 47, 138).

  3. Die von der Revision vorgebrachten Einwände gegen die mangels konkreter Ermittlungsmöglichkeiten durchgeführte Schätzung des Ausmaßes der Besteuerungsgrundlagen greifen nicht durch. Das Landgericht war insbesondere nicht gehalten, innerhalb eines von einem Sachverständigen angegebenen Bewertungsrahmens (hier zum Bratschwund bei Dönerfleischspießen) von dem für den Angeklagten günstigsten Wert auszugehen. In den Urteilsgründen ist (u.a. anhand einer Vergleichsberechnung zu einer bekannten Menge verbrauchten Fladenbrotes) nachvollziehbar dargelegt, aus welchen Gründen das Landgericht im konkreten Fall den für den Angeklagten ungünstigsten Wert für zutreffend erachtet hat. Hiergegen ist rechtlich nichts zu erinnern.

  4. Auch die Strafzumessung ist frei von Rechtsfehlern.

a) Die Annahme der Voraussetzungen der Vorschrift des § 46a Nr. 1 StGB - die hier angesichts eines nur taktischen Teilgeständnisses ohnehin fern liegt - kommt bei Steuerdelikten, deren geschütztes Rechtsgut allein die Sicherung des staatlichen Steueranspruchs ist, nicht in Betracht (BGH, Beschluss vom 25. Oktober 2000 - 5 StR 399/00, NStZ 2001, 200). Das Vorliegen der Voraussetzungen des § 46a Nr. 2 StGB hat die Strafkammer mit zutreffender Begründung verneint.

b) Das Landgericht hat auch nicht § 46 Abs. 3 StGB verletzt. Der Umstand, dass der Angeklagte nach den rechtsfehlerfreien Urteilsfeststellungen faktischer Geschäftsführer der Y. GmbH war, begründet zwar seine Verantwortlichkeit für die Abgabe zutreffender Steuererklärungen, besagt aber nichts darüber, ob er tatsächlich Steuern hinterzogen hat oder nicht. Es stellt daher keinen Rechtsfehler dar, dass das Landgericht zu Lasten des Angeklagten gewürdigt hat, er sei „Initiator und treibende Kraft“ der abgeurteilten Straftaten gewesen.

Nack Wahl Graf

Jäger Sander

Palavras-chave

tax evasionlimitation periodomissionestimation of tax basessentencingmitigationrevisioncosts

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Questão jurídica principal

Whether the revision had any legal merit

Decisão extraída

The review of the judgment disclosed no legal error adverse to the defendant.

Fundamentação extraída

The Federal Court of Justice found the grounds for appeal unavailing and upheld the lower court judgment.

Questão jurídica principal

Whether prosecution was time-barred due to limitation

Decisão extraída

No limitation bar had occurred; limitation was validly interrupted in time.

Fundamentação extraída

For tax evasion by failure to file returns, the decisive moment is the completion of the offence, not the hypothetical date a tax assessment would have been issued had a return been filed. The benefit-of-the-doubt rule does not require assuming the defendant would have been assessed first.

Questão jurídica principal

Whether the estimation of tax bases was legally flawed

Decisão extraída

The estimation method was not objectionable.

Fundamentação extraída

Where exact determination is impossible, the trial court may estimate. It was not required to choose the most favorable value within an expert's range; the reasons for selecting the adverse value were sufficiently explained.

Questão jurídica principal

Whether sentencing was defective, including mitigation under § 46a StGB and § 46(3) StGB

Decisão extraída

The sentence was free of legal error.

Fundamentação extraída

Section 46a StGB did not apply to tax offences protecting the state tax claim, and the finding that the defendant was the initiator and driving force of the crimes did not violate § 46(3) StGB.

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