Late change of charge and erroneous aggregate sentencing

BGH 5 StR 299/10Bgh / Criminal Chamber 514 de out. de 2010Partially Granted

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Resumo Omnilex

The Federal Court partly upheld the accused’s revision against a Dresden Regional Court drug conviction. The late change from simple to armed drug trafficking did not justify reversal because the procedural complaint was insufficiently substantiated and, in substance, no absolute duty to adjourn was recognized. However, the Regional Court had misapplied § 55 StGB when forming two aggregate prison sentences: the true interruption was the earlier Kamenz District Court judgment, so all eligible sentences had to be merged into one new aggregate sentence. The pre-execution order before the § 64 StGB measure also had to be recalculated. The case was remitted for a new decision on the annulled parts and costs.

Sumário Omnilex

§ 265 Abs. 3 StPO; late legal reclassification from § 29a BtMG to § 30a BtMG and entitlement to adjournment; the right of the defense does not necessarily require a suspension of the main hearing, but may be satisfied by an appropriate interruption or severance where the change affects only a limited part of a multi-count trial (consid. 3). § 55 StGB; for aggregate sentencing, the decisive Zäsur is the judgment that was rendered after the earlier offenses and before the later sentence-connected offenses; intermediate enforcement of fines does not remove the Zäsur effect so long as the linked sanctions remain as a unit. Where later fines are already extinguished, all eligible individual sentences must be combined into one new aggregate sentence (consid. 4). The pre-execution order under § 64 StGB must be recalculated accordingly (consid. 5).

Texto completo

BGH — 5 StR 299/10, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-10-14

Aktenzeichen: 5 StR 299/10

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 265 Abs 3 StPO, § 29a BtMG, § 30a BtMG

Vorinstanz: vorgehend LG Dresden, 11. Januar 2010, Az: 424 Js 64337/05 - 3 KLs, Urteil

Spruchkörper: 5. Strafsenat

Titelzeile

Aussetzung der Hauptverhandlung wegen ungenügender Vorbereitung der Verteidigung: Übergang von unerlaubtem Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge auf bewaffnetes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge

Tenor

Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Dresden vom 11. Januar 2010 nach § 349 Abs. 4 StPO in den Gesamtstrafaussprüchen und im Ausspruch über den Teilvorwegvollzug der Freiheitsstrafe vor der Maßregel aufgehoben.

Die weitergehende Revision wird nach § 349 Abs. 2 StPO als unbegründet verworfen.

Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten der Revision, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

Gründe

1 Das Landgericht hat gegen den Angeklagten – unter rechtskräftiger Teilfreisprechung – wegen bewaffneten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge, unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in acht Fällen und unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln zwei Gesamtfreiheitsstrafen (zwei Jahre – unter Einbeziehung von Einzelstrafen aus einem Berufungsurteil des Landgerichts Dresden vom 11. April 2006 – sowie fünf Jahre) verhängt. Das Landgericht hat ferner zwei Monate der ersten Gesamtfreiheitsstrafe wegen rechtsstaatswidriger Verfahrensverzögerung für vollstreckt erklärt und die Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt angeordnet, wobei insgesamt ein Jahr und sechs Monate aus den Gesamtfreiheitsstrafen vorab zu vollstrecken seien. Die Revision des Angeklagten hat lediglich zur (mehrfachen) Gesamtstrafbildung Erfolg. Im Übrigen ist das Rechtmittel unbegründet gemäß § 349 Abs. 2 StPO.

2 1. Zu den Verfahrensrügen bemerkt der Senat ergänzend, insoweit abweichend von der Begründung im Verwerfungsantrag des Generalbundesanwalts:

3 Die auf Verletzung des § 265 Abs. 3 StPO gestützte Verfahrensrüge scheitert an § 344 Abs. 2 Satz 2 StPO. Der Beschwerdeführer hat eine vollständige Mitteilung der zwei Monate vor dem rechtlichen Hinweis erfolgten Verfahrensvorgänge aus der Hauptverhandlung unterlassen (Protokollband Bl. 89), aus denen die Strafkammer bei der Ablehnung des Aussetzungsantrags die genügende Vorbereitung der Verteidigung abgeleitet hat. In der Sache würde der Senat aus § 265 Abs. 3 StPO hier keinen unbedingten Anspruch auf Aussetzung der Hauptverhandlung herleiten, die im Übrigen nahe liegend mit Abtrennung des Verfahrens in dem allein betroffenen Einzelfall zu verbinden gewesen wäre. Anders als in dem weitaus gewichtigeren Fall des 2. Strafsenats in BGHSt 48, 183 dürfte bei dem hier in Frage stehenden Übergang von § 29a BtMG auf die Qualifikation des § 30a BtMG in einem von mehr als zehn angeklagten Fällen eine angemessene Unterbrechung der Hauptverhandlung in sachgerechter erweiterter Auslegung der Verfahrensvorschrift als ausreichend anzusehen sein (vgl. Meyer-Goßner, StPO, 53. Aufl. § 265 Rdn. 37).

4 2. Sachlichrechtlich sind Schuldsprüche, Einzelstrafaussprüche, Strafabschlag und Maßregelausspruch rechtsfehlerfrei. Indes hat die Strafkammer § 55 StGB rechtsfehlerhaft angewendet. Nicht das genannte Berufungsurteil bildete eine Zäsur, sondern das nach Begehung der darin abgeurteilten Taten ergangene Urteil des Amtsgerichts Kamenz vom 25. Mai 2004, hinsichtlich dessen Geldstrafe die Berufungsstrafkammer aber nach § 53 Abs. 2 Satz 2 StGB von einer Gesamtstrafbildung abgesehen hatte (UA S. 10; vgl. Fischer, StGB, 57. Aufl. § 55 Rdn. 9a mit Rspr.-Nachw.). An dieser Zäsurwirkung ändern zwischenzeitliche Geldstrafenvollstreckungen mangels Erledigung der Freiheitsstrafe nichts, weil die untereinander gesamtstraffähigen Sanktionen als Einheit zu betrachten sind (BGH, Beschluss vom 15. September 2010 – 5 StR 325/10). Da später vor Beendigung der gesamten Tatserie gegen den Angeklagten verhängte Geldstrafen nach den Feststellungen erledigt sind (UA S. 12 f.), hätte aus allen Einzelstrafen eine einzige Gesamtfreiheitsstrafe gebildet werden müssen. Es liegt zwar eher fern, dass diese milder ausfallen könnte als die nach § 358 Abs. 2 Satz 1 StPO nun maßgebliche Obergrenze von sechs Jahren und sieben Monaten (Summe der beiden bislang verhängten Gesamtfreiheitsstrafen abzüglich der Strafe aus dem Berufungsurteil, hinsichtlich dessen rechtsfehlerhaft eine Einbeziehung erfolgt ist und nunmehr ein Widerruf der Strafaussetzung droht, vgl. UA S. 11). Der Senat kann dies indes, entgegen der Ansicht des Generalbundesanwalts, nicht im Sinne fehlender Beschwer sicher ausschließen. Der Aufhebung von Feststellungen bedarf es bei dem bloßen Subsumtionsfehler nicht.

5 Die Anrechnung von zwei Monaten wegen überlanger Verfahrensdauer bleibt aufrecht erhalten, nunmehr bezogen auf die neu zu bildende einheitliche Gesamtfreiheitsstrafe. Ein Vorwegvollzug vor der Maßregel nach § 64 StGB, der hinsichtlich der bisherigen Gesamtstrafen zutreffend angeordnet war (UA S. 105), wäre gemessen an der Höhe der neuen Gesamtfreiheitsstrafe neu zu bestimmen, wird sich indes aufgrund der zwischenzeitlich weiter vollzogenen Untersuchungshaft wohl erübrigen (vgl. Fischer aaO § 67 Rdn. 9a).

Basdorf Brause Schaal

König Bellay

Palavras-chave

drug traffickingdefense preparationadjournmentaggregate sentencingzäsurpre-execution detentionpreventive detentionrevision

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Questão jurídica principal

Whether the refusal to adjourn the main hearing after a late legal reclassification violated the defense rights under § 265(3) StPO.

Decisão extraída

The procedural complaint failed because the appeal did not fully set out the relevant hearing events; in substance, the court saw no absolute entitlement to adjournment, only a need for an adequate interruption or case severance in the affected part.

Fundamentação extraída

The appellant did not fully reproduce the hearing developments before the legal notice. On the merits, the court distinguished the case from more serious precedents and held that, for the transition from § 29a BtMG to the qualified offense under § 30a BtMG in a case with many counts, an appropriate interruption could suffice.

Questão jurídica principal

Whether the regional court wrongly applied § 55 StGB when forming aggregate sentences.

Decisão extraída

Yes. The relevant interruption of the series was not the cited appellate judgment, but the later District Court judgment of 25 May 2004. Therefore all eligible individual sentences had to be combined into one aggregate prison sentence.

Fundamentação extraída

The court treated the later judgment as the true Zäsur. Intermediate enforcement of fines did not alter that effect. Because later fines were already extinguished, the previous separate aggregate sentences could not stand.

Questão jurídica principal

Whether the pre-execution order before the measure under § 64 StGB had to remain unchanged.

Decisão extraída

The pre-execution time could not remain in its previous form; it had to be recalculated in light of the newly formed aggregate prison sentence.

Fundamentação extraída

The earlier calculation was tied to the now-set-aside aggregate sentences. The court noted that the issue might become moot because of the time already served in detention.

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