Restoration request rejected for missing proof of obstacle removal

BGH 3 StR 269/10Bgh / Câmara Penal III5 de ago. de 2010Dismissed

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The Federal Court rejected the convicted defendant's request for reinstatement after the revision grounds deadline had been missed. It held that the application was inadmissible because it failed to state when the obstacle to filing ended and did not sufficiently make that fact credible. The defendant's own general assertion that he learned of the missed deadline only in 2010 was insufficient. The court also noted that the named trial lawyers could not supply information about the defendant's personal knowledge, and that a complaint against the probation order was outside the senate's competence.

Sumário Omnilex

Art. 44 S. 1, Art. 45 S. 1 and 2 StPO; reinstatement after lapse of a procedural time limit requires that the application be filed within one week after the obstacle ceases and that the applicant state and credibly establish the exact time of cessation of the obstacle. A mere general allegation as to later knowledge does not suffice. Credibility may not be based on evidence incapable of addressing the applicant’s own awareness; the simple naming of witnesses is insufficient unless special circumstances justify it (e.g. unavailable written confirmation or immediate unreachability).

Texto completo

BGH — 3 StR 269/10, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-08-05

Aktenzeichen: 3 StR 269/10

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 44 S 1 StPO, § 45 S 1 StPO

Vorinstanz: vorgehend LG Aurich, 11. August 2009, Az: 11 KLs 410 Js 6308/09 (11/09), Urteil

Spruchkörper: 3. Strafsenat

Titelzeile

Antrag auf Wiedereinsetzung in die versäumte Revisionsbegründungsfrist im Strafverfahren: Anforderungen an die Glaubhaftmachung des Zeitpunkt des Wegfalls des Hindernisses

Tenor

Der Antrag des Verurteilten, ihm nach Versäumung der Frist zur Begründung der Revision gegen das Urteil des Landgerichts Aurich vom 11. August 2009 Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu gewähren, wird auf seine Kosten verworfen.

Gründe

1 Der Wiedereinsetzungsantrag ist unzulässig.

2 Wiedereinsetzung in den vorigen Stand ist auf Antrag demjenigen zu gewähren, der ohne Verschulden verhindert war, eine Frist einzuhalten (§ 44 Satz 1 StPO). Der Antrag auf Wiedereinsetzung ist binnen einer Woche nach Wegfall des Hindernisses zu stellen (§ 45 Satz 1 StPO) und muss daher auch Angaben über den Zeitpunkt des Wegfalls des Hindernisses enthalten (vgl. Meyer-Goßner, StPO, 53. Aufl., § 45 Rn. 5). Ferner hat der Gesuchsteller alle Tatsachen glaubhaft zu machen, die für die Entscheidung über die Zulässigkeit und Begründetheit seines Gesuchs von Bedeutung sind (§ 45 Abs. 2 StPO; Meyer-Goßner aaO, Rn. 6). An diesen Zulässigkeitsvoraussetzungen fehlt es.

3 Der Generalbundesanwalt hat in seiner Antragsschrift hierzu ausgeführt:

"Der Antrag enthält keine Angaben dazu, wann das Hindernis, das der Fristwahrung entgegenstand, wegfiel (Senat, Beschluss vom 8. April 2003 - 3 StR 30/03; BGH NStZ 2006, 54, 55; BGHR StPO § 45 Abs. 2 Tatsachenvortrag 2, 7; Meyer-Goßner StPO 52. Aufl. § 45 Rn. 5). Zwar hat der Verteidiger vorgetragen, die Verwerfung seiner Revision sei dem Verurteilten erstmals durch die im Jahr 2010 zugestellten Verfahrenskostenrechnungen zur Kenntnis gelangt. Wann genau dem Verurteilten die Versäumung der Revisionsbegründungsfrist bekannt wurde, teilt der Wiedereinsetzungsantrag jedoch nicht mit. Die Wahrung der Frist des § 45 Abs. 1 StPO ist nach Aktenlage auch nicht offensichtlich. Vielmehr ist dem Angeklagten der Beschluss des Landgerichts Aurich, mit dem seine Revision als unzulässig verworfen worden ist, bereits am 16. November 2009 formlos übersandt worden (Bl. 2 - 4 Band V d.A.). Seinen damaligen Verteidigern, Rechtsanwalt J. und Rechtsanwalt B., wurde der Beschluss am 18. und 23. November 2009 gegen Empfangsbekenntnis mit Rechtsmittelbelehrung zugestellt (Bl. 4, 6, 7 Band V d.A.).

Darüber hinaus fehlt es an einer ausreichenden Glaubhaftmachung gemäß § 45 Abs. 2 Satz 1 StPO. Die eigene Erklärung des Angeklagten, er habe erst 2010 mit Zustellung der Verfahrenskostenrechnungen Kenntnis erlangt, reicht hierfür nicht aus (BGHR StPO § 45 Abs. 2 Glaubhaftmachung 3; BGH NStZ 2006, 54; Meyer-Goßner aa0 § 45 Rn. 9 f. m.w.N.). Erklärungen der Rechtsanwälte J. und B. hat der Angeklagten nicht vorgelegt."

4 Dem schließt sich der Senat an. Soweit der Antragsteller zur Glaubhaftmachung des Zeitpunktes des Hinderniswegfalls "im Jahre 2010" ("abzufordernde") Erklärungen seiner Instanzverteidiger benennt, ist dies schon deshalb nicht ausreichend, weil diese Verteidiger zu dem bei dem Verurteilten eingetretenen Ereignis ersichtlich nichts mitteilen könnten. Deshalb kann auch dahinstehen, ob - wie der Antragsteller in seiner Erwiderung zum Antrag des Generalbundesanwalts vorträgt - in der Benennung der Erklärungen der Instanzverteidiger als Mittel der Glaubhaftmachung die Erklärung gelegen hat, die benannten Personen zu vernehmen. Im Übrigen hat der Antragsteller zwar seinen damaligen Pflichtverteidiger, nicht aber seinen früheren Wahlverteidiger, der nach dem Wiedereinsetzungsgesuch entgegen der Beauftragung durch den Verurteilten die Begründung der Revision versäumt haben soll, von der Verschwiegenheitspflicht entbunden (vgl. BGH, Beschluss vom 17. Juli 2003 - 3 StR 142/03, NStZ 2004, 166). Schließlich reicht die bloße Benennung eines Zeugen zur Glaubhaftmachung nur dann, wenn gleichzeitig dargetan wird, dieser habe eine schriftliche Bestätigung verweigert, er sei nicht unverzüglich erreichbar oder es handele sich um einen für die Säumnis verantwortlichen Beamten (vgl. KK-Maul, 6. Aufl., § 45 Rn. 11). Solches ist vorliegend nicht der Fall.

5 Für die Entscheidung über die mit dem Wiedereinsetzungsgesuch erhobene, gegen den Bewährungsbeschluss des Landgerichts gerichtete Beschwerde des Antragstellers ist der Senat nicht zuständig (§ 305a Abs. 2 StPO; vgl. KK-Engelhardt, aaO, § 305a Rn. 17 f.).

Becker von Lienen Sost-Scheible

Hubert Mayer

Palavras-chave

reinstatementrevision deadlineadmissibilitycredibilityobstacle removalcriminal procedurecosts

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Questão jurídica principal

Whether the request for reinstatement into the previous state was admissible under §§ 44, 45 StPO.

Decisão extraída

The request was inadmissible because it did not state and make credible when the obstacle to compliance ended.

Fundamentação extraída

A reinstatement request must be filed within one week after the obstacle ceases and must contain facts on that date and supporting credibility evidence. The defendant only alleged knowledge in 2010, without specifying the exact date or furnishing sufficient corroboration.

Questão jurídica principal

Whether the defendant sufficiently made credible the time when the obstacle was removed.

Decisão extraída

No. The defendant's own statement and vague reference to expected declarations from trial counsel did not satisfy the credibility requirement.

Fundamentação extraída

The lawyers named could not speak to the defendant's personal knowledge event; no waiver of confidentiality for one prior lawyer was shown, and merely naming witnesses is insufficient absent special circumstances.

Questão jurídica principal

Whether the senate was competent to decide the complaint against the probation order.

Decisão extraída

No jurisdiction existed in the senate for that complaint.

Fundamentação extraída

Competence for the complaint lay elsewhere under § 305a Abs. 2 StPO.

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