Set-off of business fee against procedural fee in old cases

BGH XII ZB 227/09Bgh / Civil Chamber 1224 de mar. de 2010Modified

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The defendant challenged a costs-fixation order in which the lower courts had reduced the recoverable 1.3 procedural fee by half of a prior business fee. The Federal Court of Justice held that § 15a RVG is only a clarification of the pre-existing legal position and applies even to mandates issued before 5 August 2009. Because none of the exceptions in § 15a(2) RVG applied, the procedural fee had to be recognized in full. The court therefore set aside the appellate order, amended the costs decision, and fixed reimbursable costs at EUR 1,179.34 plus interest.

Sumário Omnilex

§ 15a RVG; Anrechnung der Geschäftsgebühr auf die Verfahrensgebühr in Altfällen; die Norm stellt nach der Rechtsprechung lediglich eine Klarstellung der bereits zuvor geltenden Rechtslage dar und ist auch auf vor dem 5. August 2009 erteilte Mandate anwendbar (consid. 6). Eine Kürzung der Verfahrensgebühr unterbleibt nur, wenn die Voraussetzungen des § 15a Abs. 2 RVG vorliegen; fehlt es daran, ist die Verfahrensgebühr im Kostenfestsetzungsverfahren in voller Höhe zu berücksichtigen. Kann der Rechtsstreit ohne weitere Feststellungen entschieden werden, hat das Rechtsbeschwerdegericht nach § 577 Abs. 5 ZPO in der Sache selbst zu befinden und die Kosten nach § 106 ZPO neu festzusetzen.

Texto completo

BGH — XII ZB 227/09, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-03-24

Aktenzeichen: XII ZB 227/09

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 15a RVG vom 30.07.2009

Vorinstanz: vorgehend Schleswig-Holsteinisches Oberlandesgericht, 6. November 2009, Az: 9 W 126/09, Beschlussvorgehend LG Itzehoe, 21. Juli 2009, Az: 3 O 359/08, Beschlussvorgehend LG Itzehoe, 29. Mai 2009, Az: 3 O 359/08, Urteil

Spruchkörper: 12. Zivilsenat

Titelzeile

Rechtsanwaltsgebühr: Anrechnung der Geschäftsgebühr auf die Verfahrensgebühr in Altfällen

Tenor

  1. Auf die Rechtsbeschwerde des Beklagten wird der Beschluss des 9. Zivilsenats des Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgerichts in Schleswig vom 6. November 2009 aufgehoben.

Auf die sofortige Beschwerde des Beklagten wird der Kostenfestsetzungsbeschluss des Rechtspflegers des Landgerichts Itzehoe vom 21. Juli 2009 teilweise abgeändert und insgesamt wie folgt neu gefasst:

Die auf Grund des Urteils des Landgerichts Itzehoe vom 29. Mai 2009 - 3 O 359/08 - von der Klägerin an den Beklagten zu erstattenden Kosten werden festgesetzt auf 1.179,34 € nebst Zinsen in Höhe von fünf Prozentpunkten über dem Basiszinssatz nach § 247 BGB seit dem 4. Juni 2009.

  1. Die Klägerin hat die Kosten der Rechtsmittelverfahren zu tragen.

  2. Beschwerdewert: bis 600 €

Gründe

I.

1 Der Beklagte begehrt im Kostenfestsetzungsverfahren gegen die Klägerin den Ansatz der ungeminderten Verfahrensgebühr.

2 Rechtspfleger und Oberlandesgericht haben die von dem Beklagten für seine erstinstanzlichen Prozessbevollmächtigten geltend gemachte 1,3-Verfah-rensgebühr (Nr. 3100 VV RVG) nicht in voller Höhe berücksichtigt. Denn gemäß Anlage 1, Teil 3, Vorbemerkung 3 Abs. 4 VV RVG sei hier auf die Verfahrensgebühr die halbe vorgerichtlich entstandene 1,3-Geschäftsgebühr (Nr. 2300 VV RVG) anzurechnen. Mangels Anwendbarkeit auf Altfälle habe an dieser Rechtslage auch die zwischenzeitlich erfolgte Einführung des § 15 a RVG nichts geändert.

3 Hiergegen wendet sich der Beklagte mit der vom Oberlandesgericht zugelassenen Rechtsbeschwerde.

II.

4 Die Rechtsbeschwerde ist gemäß § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ZPO statthaft und auch sonst zulässig. Das Oberlandesgericht hat sie zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechungzugelassen. Daran ist der Senat gebunden (§ 574 Abs. 3 Satz 2 ZPO).

III.

5 Die Rechtsbeschwerde ist auch begründet, denn das Oberlandesgericht hat die geltend gemachte 1,3-Verfahrensgebühr (Nr. 3100 VV RVG) zu Unrecht nicht in voller Höhe berücksichtigt.

6 1. Der erkennende Senat hat nach Erlass der angefochtenen Entscheidung in Übereinstimmung mit dem II. Zivilsenat (vgl. BGH Beschluss vom 2. September 2009 - II ZB 35/07 - ZIP 2009, 1927, 1928) wiederholt entschieden, dass die Vorschrift des § 15a RVG eine bloße Klarstellung der bestehenden Gesetzeslage darstellt. Folglich findet diese - gemäß Art. 10 des am 4. August 2009 verkündeten Gesetzes zur Modernisierung von Verfahren im anwaltlichen und notariellen Berufsrecht, zur Errichtung einer Schlichtungsstelle der Rechtsanwaltschaft sowie zur Änderung sonstiger Vorschriften vom 30. Juli 2009 (BGBl. I S. 2449) am Tag nach der Verkündung in Kraft getretene - Bestimmung auch Anwendung, wenn die Auftragserteilung des Erstattungsberechtigten an seinen Prozess- bzw. Verfahrensbevollmächtigten vor dem 5. August 2009 erfolgt war (vgl. Senatsbeschlüsse vom9. Dezember 2009 - XII ZB 175/07 - FamRZ 2010, 456 Tz. 15 ff. m.w.N. und vom 3. Februar 2010 - XII ZB 177/09 - zur Veröffentlichung bestimmt) .

7 2. Der vorliegende Sachverhalt gibt dem Senat keine Veranlassung, hiervon abzuweichen. Mit den vom Oberlandesgericht für seine gegenteilige Rechtsauffassung angeführten Argumenten hat sich der Senat bereits in seinen vorstehend genannten Beschlüssen ausführlich befasst.

8 Da weitere Feststellungen nicht zu erwarten sind, hat der Senat gemäß § 577 Abs. 5 ZPO in der Sache selbst zu entscheiden.Nachdem keiner der Ausnahmefälle des § 15a Abs. 2 RVG ersichtlich ist, ist die Verfahrensgebühr antragsgemäß in voller Höhe zu berücksichtigen. Die von der Klägerin dem Beklagten zu erstattenden Kosten sind daher im Wege des Kostenausgleichs nach § 106 ZPO auf insgesamt 1.179,34 € nebst Zinsen festzusetzen.

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Palavras-chave

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Questão jurídica principal

Whether the half business fee must be offset against the procedural fee in old cases despite the later introduction of § 15a RVG.

Decisão extraída

§ 15a RVG is merely a clarification of existing law and applies even where the mandate was given before 5 August 2009; no exception under § 15a(2) RVG was present, so the procedural fee had to be counted in full.

Fundamentação extraída

The Senate relied on its own later case law and the II Civil Senate: the clarification in § 15a RVG confirms the prior legal situation and is therefore relevant to pre-entry-into-force mandates as well.

Questão jurídica principal

Whether the costs-fixation order had to be amended to reflect the full amount of recoverable costs and interest.

Decisão extraída

Yes. The cost award was recalculated on the basis of the full procedural fee, resulting in recoverable costs of EUR 1,179.34 plus default interest from 4 June 2009.

Fundamentação extraída

Because the offset was inapplicable, the cost calculation had to be adjusted accordingly; no further findings were necessary, so the court decided the matter itself.

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