Failure to assess insanity despite very high BAC

BGH 2 StR 447/09Bgh / Câmara Penal II13 de jan. de 2010Annulled

Abrir fonte

Extraído pela Omnilex

Resumo Omnilex

The defendant had been convicted by the Landgericht Mühlhausen of threats and dangerous bodily harm and sentenced to a total prison term of three years. On revision, the BGH held that the trial court had insufficiently examined criminal responsibility. Given a retroactively calculated BAC of 3.41‰, the implausible motive, the unusual conduct after the assault, and the absence of prior violent tendencies, an assessment under Section 20 StGB was required. The judgment, including the findings, was therefore set aside and the case remitted to another chamber for retrial, including costs of the appeal.

Sumário Omnilex

§ 20 StGB; high blood alcohol concentration and duty to examine inability to be held criminally responsible; a BAC of around 3.4‰ at the time of the act regularly requires consideration of possible exclusion of culpability. If the trial court addresses only diminished capacity under § 21 StGB but omits the question of § 20 StGB, this constitutes a material legal defect when additional circumstances such as an inexplicable motive, atypical post-offense behavior, and the absence of prior aggressive tendencies give rise to concern about complete loss of culpability (consid. 3). If the judgment is set aside on this ground, the case is remitted for a new trial and decision; any new sentencing court must also determine the number of daily rates and the amount per daily rate where individual fines are aggregated into a total sentence (consid. 4).

Texto completo

BGH — 2 StR 447/09, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-01-13

Aktenzeichen: 2 StR 447/09

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 20 StGB, § 224 StGB, § 241 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Mühlhausen, 24. Juni 2009, Az: 120 Js 58726/08 - 1 Ks, Urteil

Spruchkörper: 2. Strafsenat

Titelzeile

Strafverfahren wegen Bedrohung und gefährlicher Körperverletzung: Prüfung der Schuldunfähigkeit bei hoher Blutalkoholkonzentration und nicht nachvollziehbarem Tatmotiv

Tenor

Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Mühlhausen vom 24. Juni 2009 mit den Feststellungen aufgehoben.

Die Sache wird zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen Bedrohung und gefährlicher Körperverletzung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt. Die Revision des Angeklagten hat mit der allgemeinen Sachrüge Erfolg.

2 1. Nach den Feststellungen spielten der Angeklagte, das spätere Tatopfer und ein Dritter am Tattag seit dem frühen Morgen im Haus des Geschädigten Karten und konsumierten dabei erhebliche Mengen Alkohol. Gegen 16.30 Uhr fütterte der Angeklagte eine fremde Katze aus der Nachbarschaft, worüber der Geschädigte seinen Unmut zum Ausdruck brachte. Daraufhin verließ der Angeklagte das Haus, holte aus dem Hof eine Axt und äußerte ins Wohnzimmer zurückkehrend gegenüber seinen Mitspielern, er werde sie totschlagen. Anschließend griff er, die Axt schwingend, den Geschädigten an, dem - von zwei Schlägen nur gestreift - leicht verletzt die Flucht zu einem Nachbarhaus gelang, von wo aus er die Polizei verständigte. Währenddessen setzte sich der Angeklagte wortlos zu dem dritten im Wohnzimmer verbliebenen Spieler und wartete auf das Eintreffen der Polizei. Eine ihm um 18.00 Uhr entnommene Blutprobe ergab eine BAK von 2,91 Promille.

3 2. Das Landgericht ist sachverständig beraten davon ausgegangen, der Angeklagte sei infolge des zuvor genossenen Alkohols aufgrund eines mittelgradigen Rausches nur erheblich vermindert in der Lage gewesen, sein Verhalten zu steuern. Mit der Frage einer möglichen Schuldunfähigkeit gemäß § 20 StGB hat sich die Strafkammer nicht auseinandergesetzt. Dies begegnet durchgreifenden rechtlichen Bedenken. Rückgerechnet auf den Tatzeitpunkt wies der Angeklagte - was das Landgericht nicht bedacht hat - eine BAK von 3,41 Promille auf. Bei einer solch hohen Blutalkoholkonzentration ist regelmäßig die Prüfung einer Aufhebung der Schuldfähigkeit veranlasst (Fischer, StGB 57. Aufl. § 20 Rdn. 19 ff. m.w.N.). Zu einer solchen Prüfung bestand hier auch Veranlassung im Hinblick auf das kaum nachvollziehbare Tatmotiv, das ungewöhnliche Nachtatverhalten und angesichts des Umstandes, dass der nicht vorbestrafte Angeklagte weder generell zu Wut- und Aggressionsausbrüchen neigt noch sonst für aggressive Entgleisungen bekannt ist (UA 9).

4 3. Die aufgezeigte Lückenhaftigkeit des Urteils führt zu dessen Aufhebung und Zurückverweisung. Der neue Tatrichter wird - sollte er erneut zu einer entsprechenden Verurteilung kommen - zu bedenken haben, dass bei Verhängung von einzelnen Geldstrafen, die in einer Gesamtstrafe aufgehen, neben der Anzahl der Tagessätze auch immer die Tagessatzhöhe festzusetzen ist (BGHSt 30, 93, 96; BGHR StGB § 54 Abs. 3 Tagessatzhöhe 1).

Rissing-van Saan Fischer Appl

Cierniak Krehl

Palavras-chave

insanityblood alcohol concentrationdiminished responsibilitythreatsdangerous bodily harmrevisionremanddaily rates

Extraído pela Omnilex

Questão jurídica principal

Whether the conviction had to be set aside because the trial court did not examine possible inability to be held criminally responsible under Section 20 StGB despite a very high BAC and unusual circumstances.

Decisão extraída

Yes. A BAC of 3.41‰ at the time of the offense, together with the implausible motive and unusual post-offense conduct, required examination of possible insanity; the trial judgment was therefore defective.

Fundamentação extraída

The court held that such a high blood alcohol concentration regularly calls for assessment of whether culpability may have been excluded. The trial court only addressed diminished responsibility under Section 21 StGB and omitted the necessary inquiry under Section 20 StGB.

Continue sua pesquisa no ChatGPT ou Claude

Conecte o Omnilex para pesquisar o corpus jurídico pelo seu assistente de IA.