Oberlandesgericht Hamm, 2025-01-21, 7 U 3/25

7 U 3/25Tribunal Superior21 de jan. de 2025

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Regest

1. Die Darlegungs- und Beweislast für eine Verkehrssicherungspflichtverletzung trifft im rein deliktischen Bereich – anders im vertraglichen Bereich – allein den Geschädigten (in Fortschreibung zu BGH, Urteil vom 25.10.2022 – VI ZR 1283/20, r+s 2023, 42 Rn. 15 ff. m. w. N.; OLG Hamm, Beschluss vom 11.10.2023 – 7 U 57/23, r+s 2024, 571 = juris Rn. 5; OLG Hamm, Beschluss vom 19.1.2023 – 7 U 119/22, BeckRS 2023, 9515 = juris Rn. 6). 2. Die Zumutbarkeit von Sicherungsvorkehrungen bestimmt sich unter Abwägung der Wahrscheinlichkeit der Gefahrverwirklichung, der Gewichtigkeit möglicher Schadensfolgen und der Höhe des Kostenaufwands, der mit etwaigen Sicherungsvorkehrungen einhergeht (im Anschluss an BGH, Urteil vom 19.07.2018 – VII ZR 251/17, r+s 2018, 557 Rn. 18). 3. Insoweit ist anerkannt, dass Verkehrsflächen nicht permanent auf drohende Gefahren überprüft werden müssen (im Anschluss an BGH, Urteil vom 25.10.2022 – VI ZR 1283/20, r+s 2023, 42 Rn. 13 f.; BGH, Beschluss vom 11.08.2009 – VI ZR 163/08, BeckRS 2009, 23927 Rn. 5; BGH, Urteil vom 05.10.2004 – VI ZR 294/03, NJW-RR 2005, 251 = juris Rn. 20; BGH, Urteil vom 04.10.1983 – VI ZR 98/82, r+s 1984, 12 = juris Rn. 15), so dass auch Absperrpfosten auf öffentlich zugänglichen Wegen grundsätzlich – wie hier – nicht ständig auf ordnungsgemäße Arretierung / fehlerhaften Verschluss / Beschädigungen überprüft werden müssen (in Fortschreibung zu OLG Hamm, Beschluss vom 04.05.2022 – 7 U 20/22, NJW-RR 2022, 1615 = juris Rn. 12). 4. Eine vollständige Überbürdung des Schadens auf den Geschädigten unter dem Gesichtspunkt des Mitverschuldens ist nur ausnahmsweise in Betracht zu ziehen, wenn – wie hier nicht – das Handeln des Geschädigten von einer ganz besonderen, schlechthin unverständlichen Sorglosigkeit gekennzeichnet ist (im Anschluss an BGH, Urteil vom 28.04.2015 – VI ZR 206/14, r+s 2015, 418 Ls. 1; BGH, Urteil vom 20.06.2013 – III ZR 326/12, NZV 2013, 534 Rn. 27; OLG Hamm, Urteil vom 17.01.2025 – 7 U 114/23, Ls. 2).

Texto completo

Oberlandesgericht Hamm — 7 U 3/25 — Beschluss

Entscheidungsdatum: 2025-01-21

Aktenzeichen: 7 U 3/25

ECLI: ECLI:DE:OLGHAM:2025:0121.7U3.25.00

Dokumenttyp: Beschluss

Spruchkörper: 7. Zivilsenat

Normen: BGB § 823, § 831, § 254

Leitsätze

    1. Die Darlegungs- und Beweislast für eine Verkehrssicherungspflichtverletzung trifft im rein deliktischen Bereich – anders im vertraglichen Bereich – allein den Geschädigten (in Fortschreibung zu BGH, Urteil vom 25.10.2022 – VI ZR 1283/20, r+s 2023, 42 Rn. 15 ff. m. w. N.; OLG Hamm, Beschluss vom 11.10.2023 – 7 U 57/23, r+s 2024, 571 = juris Rn. 5; OLG Hamm, Beschluss vom 19.1.2023 – 7 U 119/22, BeckRS 2023, 9515 = juris Rn. 6).
    1. Die Zumutbarkeit von Sicherungsvorkehrungen bestimmt sich unter Abwägung der Wahrscheinlichkeit der Gefahrverwirklichung, der Gewichtigkeit möglicher Schadensfolgen und der Höhe des Kostenaufwands, der mit etwaigen Sicherungsvorkehrungen einhergeht (im Anschluss an BGH, Urteil vom 19.07.2018 – VII ZR 251/17, r+s 2018, 557 Rn. 18).
    1. Insoweit ist anerkannt, dass Verkehrsflächen nicht permanent auf drohende Gefahren überprüft werden müssen (im Anschluss an BGH, Urteil vom 25.10.2022 – VI ZR 1283/20, r+s 2023, 42 Rn. 13 f.; BGH, Beschluss vom 11.08.2009 – VI ZR 163/08, BeckRS 2009, 23927 Rn. 5; BGH, Urteil vom 05.10.2004 – VI ZR 294/03, NJW-RR 2005, 251 = juris Rn. 20; BGH, Urteil vom 04.10.1983 – VI ZR 98/82, r+s 1984, 12 = juris Rn. 15), so dass auch Absperrpfosten auf öffentlich zugänglichen Wegen grundsätzlich – wie hier – nicht ständig auf ordnungsgemäße Arretierung / fehlerhaften Verschluss / Beschädigungen überprüft werden müssen (in Fortschreibung zu OLG Hamm, Beschluss vom 04.05.2022 – 7 U 20/22, NJW-RR 2022, 1615 = juris Rn. 12).
    1. Eine vollständige Überbürdung des Schadens auf den Geschädigten unter dem Gesichtspunkt des Mitverschuldens ist nur ausnahmsweise in Betracht zu ziehen, wenn – wie hier nicht – das Handeln des Geschädigten von einer ganz besonderen, schlechthin unverständlichen Sorglosigkeit gekennzeichnet ist (im Anschluss an BGH, Urteil vom 28.04.2015 – VI ZR 206/14, r+s 2015, 418 Ls. 1; BGH, Urteil vom 20.06.2013 – III ZR 326/12, NZV 2013, 534 Rn. 27; OLG Hamm, Urteil vom 17.01.2025 – 7 U 114/23, Ls. 2).

Tenor

Der Senat beabsichtigt, die Berufung des Klägers auf seine Kosten gemäß § 522 Abs. 2 Satz 1 ZPO zurückzuweisen.

Es wird dem Kläger Gelegenheit gegeben, binnen drei Wochen nach Zugang dieses Beschlusses Stellung zu nehmen.

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