Legal aid granted for child-support modification conciliation

VO150071Tribunal Superior12 de mai. de 2015Granted

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A._____ applied for legal aid in conciliation proceedings concerning a child-support modification claim against B._____. The Obergericht president found him indigent on the basis of his income, modest assets, and monthly budget, and held that the modification action was not hopeless because his income had fallen substantially since the 2006 support agreement and a prior reduction had been temporary. Legal aid was granted for the conciliation stage, but no appointed counsel was ordered because none had been requested. The costs of legal aid for the conciliation proceedings were allocated to the City of Zurich, subject to the later cost decision in the main case.

Sumário Omnilex

Art. 117, 119 Abs. 2, 3, 5 und 6 ZPO; § 128 GOG; unentgeltliche Rechtspflege im vorprozessualen Schlichtungsverfahren: Zuständig ist der Obergerichtspräsident im summarischen Verfahren. Bedürftigkeit ist nach Einkommen, Vermögen und zumutbarem Einsatz liquider Mittel zu beurteilen; im Schlichtungsverfahren sind wegen der geringen Kosten strenge Massstäbe anzulegen. Der Gesuchsteller hat die wirtschaftlichen Verhältnisse vollständig darzulegen; ungenügende Mitwirkung führt zur Verweigerung. Aussichtslosigkeit ist nach einer summarischen Prozessprognose im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung zu prüfen. Wird nur um unentgeltliche Prozessführung ersucht, nicht aber um Bestellung eines Rechtsbeistands, ist über letztere nicht zu entscheiden (consid. 2.9).

Texto completo

Obergericht des Kantons Zürich Präsident

Geschäfts-Nr.: VO150071-O/U

Mitwirkend: Der Obergerichtspräsident lic. iur. R. Naef sowie die Gerichtsschreiberin lic. iur. A. Leu

Urteil vom 12. Mai 2015

i n Sachen

A._____, Gesuchsteller

vertreten durch Rechtsanwälti n li c. i ur. X._____

betreffend Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege

Erwägungen: 1. Ausgangslage 1.1. Am 2. April 2015 liess A._____ (nachfolgend: Gesuchsteller) durch seine Rechtsvertreterin beim Friedensrichteramt Zürich, Kreise 6 & 10, ein Schli chtungsgesuch gegen B._____ betreffend Unterhalt ei nrei chen (act. 4/1). Mit Eingabe vom 20. April 2015 liess er sodann beim Obergericht des Kantons Züri ch ei n Gesuch um Gewährung der unentgeltli chen Pro- zessführung stellen (act. 1). 1.2. Mit Verfügung vom 27. April 2015 (act. 6) wurde dem Gesuchsteller Frist zur Nachreichung weiterer Unterlagen angesetzt. Dieser Aufforderung kam der Gesuchsteller am 6. Mai 2015 nach (act. 7-9/2-4). 1.3. Im Schlichtungsverfahren werden gemäss Art. 113 Abs. 1 ZPO keine Partei- entschädigungen gesprochen, weshalb auch eine Sicherheit für die Partei- entschädigung i.S.v. Art. 99 ZPO nicht zur Frage steht. Die Gegenpartei ist daher gemäss Art. 119 Abs. 3 ZPO e contrario nicht zwingend anzuhören. 2. Beurteilung des Gesuchs 2.1. Für die Beurteilung von Gesuchen um unentgeltliche Rechtspflege vor der Einreichung der Klage bei Gericht ist gemäss § 128 GOG der Obergerichts- präsident im summarischen Verfahren (Art. 119 Abs. 3 ZPO) zuständig. Die unentgeltliche Rechtspflege ist gemäss Art. 119 Abs. 5 ZPO vor jeder In- stanz neu zu beantragen, weshalb der Obergerichtspräsident diese bei Vor- liegen der Anspruchsvoraussetzungen nur bis zum Abschluss des Schlich- tungsverfahrens bewilligen kann. 2.2. Eine Person hat Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege, wenn sie einer- seits nicht über die erforderlichen Mittel verfügt (sog. "Mittellosigkeit" oder "Bedürftigkeit") und andererseits ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos er- schei nt (Art. 117 ZPO).

Die Mittellosigkeit wird gemeinhin dann bejaht, wenn der Aufwand des not- wendigen Lebensunterhalts (sog. "zivilprozessualer Notbedarf") das mass- gebliche Einkommen übersteigt bzw. aus der Differenz nur ei n klei ner Über- schuss resultiert, welcher es der gesuchstellenden Person nicht erlauben würde, die Prozesskosten innert nützlicher Frist zu bezahlen. Nebst dem Einkommen ist auch das Vermögen zur Bestreitung des Prozessaufwands ei nzusetzen. Zu berücksichtigen ist vorhandenes Vermögen jeglicher Art, soweit es effektiv verfügbar, realisierbar und sein Verbrauch zumutbar ist. Sind ausreichend liquide Mittel wie bspw. Bankkonten oder Wertpapiere vorhanden, sind diese zur Bezahlung des Prozesses zu verwenden, es sei denn, sie werden mangels ausreichenden Einkommens für den laufenden Lebensunterhalt benötigt (BSK ZPO-Rüegg, Art. 117 N 15). Als Lebensauf- wandkosten sind grundsätzlich zu berücksichtigen der Grundbetrag, recht- lich geschuldete Unterhaltsbeiträge, Wohnkosten, obligatorische Versiche- rungen, Transportkosten zum Arbeitsplatz, Steuern sowie Verpflichtungen gegenüber Dritten, wenn sie tatsächlich erfüllt werden (Emmel in: Kommen- tar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, Sutter-Somm/Hasenböhl- er/Leuenberger [Hrsg.], Zürich/Basel/Genf 2013, Art. 117 N 9). Massgebend sind die wirtschaftlichen Verhältnisse im Zeitpunkt der Gesuchstellung (Em- mel, a.a.O., Art. 117 N 4). 2.3. Bei der Beurteilung der Bedürftigkeit bei Gesuchen um unentgeltliche Rechtspflege für das Schlichtungsverfahren sind sehr strenge Massstäbe anzulegen. Die in einem Schlichtungsverfahren entstehenden Kosten si nd – anders als vor einer Gerichtsinstanz – sehr beschränkt und können deshalb bereits bei einem relativ geringen Überschuss des Ei nkommens und Vermö- gens über den zivilprozessualen Notbedarf bestritten werden. 2.4. Die gesuchstellende Person hat gemäss Art. 119 Abs. 2 ZPO die zur Beur- teilung ihres Gesuchs relevanten Einkommens- und Vermögensverhältnisse umfassend darzulegen - es trifft sie bei der Abklärung der wirtschaftlichen Verhältnisse eine umfassende Mitwirkungspflicht. Kommt sie dieser Mitwir- kungspflicht nicht oder nur ungenügend nach und kann als Folge davon ihre

Bedürftigkeit nicht hinreichend beurteilt werden, ist der Anspruch um unent- geltliche Rechtspflege zu verweigern (BGE 120 Ia 179). 2.5. Der Gesuchsteller lässt geltend machen, seit Oktober 2013 arbeite er in ei- ner Temporäranstellung für die C._____ AG. Dabei erziele er ein monatli- ches Nettoeinkommen von rund Fr. 3'200.- (act. 1 Rz 3 f.). Als Belege liess er die Lohnabrechnungen Februar bis April 2015 (act. 4/5) sowie den Lohn- ausweis 2014 (act. 4/3) und die Leistungsabrechnung der Arbeitslosenversi- cherung 2014 (act. 4/4) einreichen. Seine Vermögensverhältnisse belegt er mittels Auszugs seines Kontos bei der Postfinance, woraus sich per 31. März 2015 ein Saldo von Fr. 437.85 ergibt (act. 4/6). Die notwendigen Lebenshaltungskosten beziffert und belegt der Gesuchstel- ler wie folgt: Mietkosten Fr. 1'341.- pro Monat (act. 4/7), Krankenkassenprä- mien KVG Fr. 198.30 pro Monat (inkl. IPV, vgl. act. 4/9) sowie Abzahlung Schulden Fr. 500.- pro Monat (act. 4/10). Die Kosten für Telefon, Internet und Billag sind bereits im Grundbetrag enthalten und können ni cht zusätzli ch berücksichtigt werden (DIKE-Kommentar ZPO, Huber, Art. 117 N 49). Eben- so wenig finden die Mietkosten für den Parkplatz von Fr. 50.- Eingang in die Bedarfsrechnung (BSK SchKG I-Vonder Mühll, Art. 93 N 26). Die Aufwen- dungen für di e Arbeitswegkosten, die auswärtige Verpflegung sowie die Steuern wurden nicht belegt und sind daher ebenfalls nicht zu berücksichti- gen. Grundsätzlich wäre dem Gesuchsteller eine Frist zur Nachreichung der massgeblichen Belege anzusetzen. Da er aber selbst ohne Berücksi chti- gung dieser Positionen einen über dem Einkommen liegenden Bedarf auf- weist (mtl. Einkommen Fr. 3'200.-, mtl. Notbedarf Fr. 3'239.30 i nkl. Grundbe- trag von Fr. 1'200.-) und di e Mittellosigkeit des Gesuchstellers ohnehin aus- gewiesen ist, kann darauf verzichtet werden. 2.6. Für die Beurteilung der fehlenden Aussichtslosigkeit als zweite Vorausset- zung der Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist eine gewisse Pro- zessprognose notwendig, wobei auf den Zeitpunkt der Gesuchseinreichung

abzustellen ist. Als aussichtslos sind dabei nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung Prozessbegehren anzusehen, bei denen die Gewinnaus- sichten beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können (vgl. z.B. BGE 69 I 160). Zur Vornahme der Prüfung ist auf die vorhandenen Akten abzustellen (vgl. auch BSK ZPO-Rüegg, Art. 117 N 20). 2.7. Der Gesuchsteller bringt zum Begehren in der Hauptsache vor, er beantrage die Reduktion der Unterhaltsbeiträge, welche zurzeit Fr. 1'000.- pro Monat betrügen. Bei einem Nettoeinkommen von Fr. 3'200.- sei es i hm unmögli ch, Unterhaltszahlungen in der betreffenden Höhe zu leisten (act. 1 Rz 7 f.). Gemäss Art. 286 Abs. 2 ZGB und Art. 287 Abs. 2 ZGB setzt das Gericht den Unterhaltsbeitrag bei erheblicher Veränderung der Verhältnisse auf Antrag eines Elternteils oder des Kindes neu fest oder hebt ihn auf. Die rechtshän- gig gemachte Abänderungsklage des Gesuchstellers gegen seinen Sohn kann aus heutiger Perspektive nicht als aussichtslos bezeichnet werden, zumal sich sein monatliches Einkommen seit dem Abschluss der Unterhalts- vereinbarung vom 5. Dezember 2006 von monatlich brutto Fr. 5'200.- (act. 9/2) auf Fr. 3'200.- reduziert hat und die vom Bezirksgericht Zürich ge- nehmi gte Reduktion der Unterhaltszahlungen nur vorübergehender Natur war (act. 9/4). 2.8. Folglich kann dem Antrag des Gesuchstellers entsprochen werden und ist ihm für das Schlichtungsverfahren vor dem Friedensrichteramt Zürich, Krei- se 6 & 10, betreffend oberwähnte Abänderungsklage die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren. 2.9. Der Gesuchsteller lässt um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ersuchen (act. 1), lässt aber keinen Antrag auf Bestellung einer unentgeltli- chen Rechtsbeiständin stellen. Damit ist darüber ni cht zu entschei den bzw. ein solcher nicht zu bestellen.

  1. Kosten der unentgeltlichen Rechtspflege Gemäss den einschlägigen Bestimmungen der Zivilprozessordnung werden die Kosten der unentgeltlichen Rechtspflege vom "Kanton" getragen bzw. wird der unentgeltliche Rechtsbeistand vom "Kanton" entschädigt (Art. 113 Abs. 1 und Art. 122 ZPO). Der ständigen Praxis des Obergerichts des Kan- tons Zürich zur Schweizerischen Zivilprozessordnung folgend sowie ent- sprechend der bisherigen zürcherischen Praxis sind die Kosten der unent- geltlichen Rechtspflege für das Verfahren vor der Schlichtungsbehörde von der zuständigen Gemeinde zu tragen, vorliegend somit von der Stadt Zürich. Zu beachten ist indes, dass die Kosten des Schlichtungsverfahrens gemäss Art. 207 Abs. 2 ZPO bei der Einreichung der Klage zur Hauptsache geschla- gen werden und das erkennende Gericht somit in der Folge über diese zu- sammen mit den übrigen Prozesskosten gemäss Art. 104 ff. ZPO zu ent- scheiden hat. Die Kostenauflage an die Gemeinde erfolgt deshalb unter die- sem Vorbehalt. 4. Kosten und Rechtsmittel 4.1. Gemäss Art. 119 Abs. 6 ZPO ist das Verfahren um unentgeltliche Rechts- pflege kostenlos. 4.2. Die Gegenpartei in der Hauptsache verfügt im vorliegenden Verfahren nicht über Parteistellung. Ihr steht aber gegen den Entscheid betreffend unentgelt- liche Rechtspflege die Beschwerde gemäss Art. 319 lit. b Ziff. 2 ZPO offen, sofern ihr ein nicht leicht wieder gutzumachender Nachteil droht.

Es wird erkannt: 1. D em Gesuchsteller wi rd für das Schli chtungsverfa hre n vor dem Friedens- richteramt der Stadt Zürich, Kreise 6 & 10, betreffend die Klage auf Abände- rung Unterhalt gegen B._____ die unentgeltliche Rechtspflege gewährt. Ei ne unentgeltliche Rechtsverbeiständung wird nicht bestellt.

  1. Die Kosten der unentgeltlichen Rechtspflege des Schlichtungsverfahrens trägt unter Vorbehalt von Art. 207 Abs. 2 ZPO die Stadt Zürich. 3. Das obergerichtliche Verfahren ist kostenlos. 4. Schri ftli che Mi ttei lung an: − die Rechtsvertreterin des Gesuchstellers, zweifach, für si ch und zuhan- den des Gesuchstellers (gegen Empfangsschein), − das Friedensrichteramt der Stadt Zürich, Kreise 6 & 10 (gegen Emp- fangsschei n), − die Gegenpartei in der Hauptsache, B., vertreten durch die gesetz- liche Vertreterin D., ... [Adresse], zweifach (gegen Empfangs- schei n). 5. Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid kann innert 10 Tagen von der Zustellung an im Doppel und unter Beilage dieses Entscheids beim Oberge- richt des Kantons Zürich, Zivilkammern, Postfach 2401, 8021 Zürich, einge- reicht werden. In der Beschwerdeschrift sind die Anträge zu stellen und zu begründen. Allfällige Urkunden sind mit zweifachem Verzeichnis beizulegen. Die gesetzlichen Fristenstillstände gelten nicht (Art. 145 Abs. 2 ZPO).

Züri ch, 12. Mai 2015 __________________________________ OBERGERICHT DES KANTONS ZÜRICH Die Gerichtsschreiberin:

lic. iur. A. Leu versandt am:

Palavras-chave

legal aidindigencehopelessnessconciliation proceedingschild supportcost allocationpartial representationburden of proof

Extraído pela Omnilex

Questão jurídica principal

Whether the applicant was entitled to legal aid for the conciliation proceedings

Decisão extraída

Yes. The applicant proved indigence and the modification claim was not hopeless.

Fundamentação extraída

His monthly income was below his budget even on a strict calculation, and his child-support modification action was plausible given the reduction in income since the prior agreement.

Questão jurídica principal

Whether an appointed legal representative should be granted

Decisão extraída

No. No request for appointment of counsel was made.

Fundamentação extraída

The applicant applied only for legal aid and did not seek appointment of legal assistance, so there was nothing to decide on that point.

Questão jurídica principal

Who bears the costs of the legal aid for the conciliation stage

Decisão extraída

The City of Zurich bears the costs, subject to the later allocation rules for the main action.

Fundamentação extraída

Under the court’s practice, legal-aid costs for conciliation are borne by the competent municipality, here the City of Zurich, while the later merits court decides the final cost allocation.

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