Anklagekammer decides on opening investigations against officials in defamation cases

TB060038Tribunal Superior10 de abr. de 2006Confirmed

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The Anklagekammer held that § 22 Abs. 6 StPO also applies to defamation offences prosecuted by private complaint against officials and public officers. The purpose of the rule is to shield such persons from frivolous or abusive complaints at the stage of opening the investigation. Accordingly, the justice of the peace was required to transmit the file to the Anklagekammer before any conciliation procedure, and the referral was proper.

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§ 22 Abs. 6 StPO; opening of criminal investigation against officials and public officers in defamation matters pursued by private criminal complaint; applicability notwithstanding § 287 StPO. The provision applies according to its wording and systematics also to offences against honour. In the Zurich two-stage criminal procedure, the formal opening of the investigation precedes indictment authorization under §§ 161 and 165 StPO; the latter does not decide whether an investigation is to be opened. The protective purpose of § 22 Abs. 6 StPO is to shield officials from abusive and frivolous complaints, which equally includes the initial conciliation contact before the justice of the peace. The justice of the peace must therefore transmit the file to the Anklagekammer before conducting the conciliation procedure (consid. 1).

Texto completo

StPO 22 Abs. 6, Eröffnung der Strafuntersuchung gegen Beamte und Behördenmitglieder. § 22 Abs. 6 StPO ist auch anwendbar, wenn der Tatver- dacht Ehrverletzungen betrifft, die auf dem Weg des Privatstrafklageverfahrens zu verfolgen sind (§ 287 StPO). Das Friedensrichteramt hat die Akten vor Durchfüh- rung des Sühnverfahrens an die Anklagekammer zu überweisen. Aus den Erwägungen: 1. Mit Verfügung vom 15. März 2006 überwies das Friedensrichteramt ... das Geschäft an die Anklagekammer. Darin wird auf einen entsprechenden Antrag der Anzeigeerstatterin Bezug genommen, der Anklagekammer das Geschäft zur Eröffnung der Strafuntersuchung im Sinne von § 22 Abs. 6 StPO zu unterbreiten. Gemäss § 286 StPO seien die Bestimmungen des I., II. und III. Abschnitts der StPO auch auf Ehrverletzungen anwendbar, sofern in den §§ 287 ff. StPO keine abweichenden Vorschriften enthalten seien, was für Privatstrafklagen gegen Behördenmitglieder und Beamten nicht der Fall sei. Im Zusammenhang mit § 22 Abs. 6 StPO weist Niklaus Schmid (Strafprozessrecht, 4. Auflage 2004, Rz 785a) darauf hin, dass nach dem Wortlaut der Bestimmung davon auszugehen sei, dass § 22 Abs. 6 StPO auch auf Ehrverletzungssachen Anwendung finde. Hingegen würden die Materialien in eine andere Richtung weisen. In der Weisung des Regierungsrates (Amtsblatt des Kantons Zürich 2001, Textteil, S. 597) werde zu den Ehrverletzungsverfahren angeführt, dass diese auf den Weg des (prinzipalen) Privatstrafklageverfahrens verwiesen seien. Beamte und Behördenmitglieder seien in diesem Fall durch die Anklagezulassung gemäss § 313 StPO, über die auf Grund der Weisung des Friedensrichters nach durchgeführtem Sühnverfahren zu entscheiden sei, vor leichtfertigen, mutwilligen Ehrverletzungsklagen geschützt. Diese Ansicht ist nicht überzeugend. Im Kanton Zürich ist das Strafverfahren generell zweistufig ausgestaltet. Gemäss § 22 StPO hat ganz allgemein eine formelle Eröffnung der Strafuntersuchung zu erfolgen. Nach Durchführung derselben ist gegebenenfalls die Anklageschrift einzureichen (§ 161 StPO), auf

Grund derselben die Anklage durch den Präsidenten des Bezirksgerichts bzw. in Sachen des Geschworenengerichts und des Obergerichts durch die Anklagekammer formell zuzulassen bzw. nicht zuzulassen ist (§ 165 StPO). Wie in Ehrverletzungssachen erfolgt somit auch hier eine formelle Anklagezulassung. Die Anklagezulassung betrifft somit offensichtlich nicht die Frage, ob überhaupt eine Strafuntersuchung einzuleiten ist. Anzumerken ist, dass in Ehrverletzungssachen keine förmliche polizeiliche bzw. untersuchungsrichterliche Untersuchung durchgeführt wird, sondern zu Beginn das Sühnverfahren vor Friedensrichter. Dies macht den Schutz von § 22 Abs. 6 StPO allerdings nicht überflüssig, weil es der Sinn der Vorschrift ist, Behördenmitglieder und Beamte ganz grundsätzlich von der Konfrontation mit missbräuchlichen und mutwilligen Anzeigen zu schützen. Aus dieser Sicht beinhaltet auch das friedensrichterliche Sühnverfahren eine solche Konfrontation, die es abzuwenden gilt, wenn das Verfahren ohne zureichende Gründe eingeleitet werden will. Entgegen der in der Weisung geäusserten Ansicht und in Übereinstimmung mit dem Wortlaut von § 22 Abs. 6 StPO sowie der Gesetzessystematik ist daher davon auszugehen, dass die Anklagekammer auch bei Ehrverletzungsdelikten über die Zulassung von Strafuntersuchungen gegen Behördemitglieder und Beamte zu entscheiden hat. Das Friedensrichteramt hat die Sache damit zu Recht an die Anklagekammer überwiesen. Obergericht, Anklagekammer Beschluss vom 10. April 2006 TB060038

Palavras-chave

criminal investigationdefamationofficialsconciliationprivate complaintauthorizationprocedural protection

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Questão jurídica principal

Whether § 22 Abs. 6 StPO applies to defamation cases pursued by private criminal complaint against officials and public officers.

Decisão extraída

Yes. The Anklagekammer must decide on the opening of criminal investigations even in defamation matters against officials and public officers.

Fundamentação extraída

The general two-stage Zurich criminal procedure requires a formal opening of the investigation under § 22 StPO before indictment authorization under §§ 161 and 165 StPO. The purpose of § 22 Abs. 6 StPO is to protect officials and public officers from missbräuchliche or mutwillige complaints. That protection would be undermined if defamation cases were excluded merely because they begin with conciliation before the justice of the peace.

Questão jurídica principal

Whether the Friedensrichteramt had to forward the file to the Anklagekammer before conducting conciliation.

Decisão extraída

Yes. The file was correctly transferred to the Anklagekammer for decision on opening the investigation.

Fundamentação extraída

Because § 22 Abs. 6 StPO is applicable, the justice of the peace could not proceed with conciliation without first obtaining the Anklagekammer's decision on whether to open the investigation.

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