Cured organizational defect renders dissolution moot

Z2 2022 51Tribunal Superior / Câmara Civil II28 de out. de 2022Partially Granted

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Resumo Omnilex

The Zug cantonal commercial register office reported that the company had no registered domicile, constituting an organizational defect under Art. 939 OR. After the company failed to remedy the defect, the first-instance judge dissolved it and ordered liquidation. On appeal, the company showed that a new domicile had since been entered in the commercial register. The appellate court treated this as a true nova, held that the defect had been cured, annulled the dissolution order, and struck the matter as moot. Nevertheless, it charged the company with the costs because the proceedings were avoidable had the defect been cured in time.

Sumário Omnilex

Art. 939 OR, Art. 317 Abs. 1 ZPO, Art. 108 ZPO; organisational defect and true nova on appeal. If a company cures the organisational defect after the first-instance dissolution judgment, the basis for dissolution and liquidation falls away ex post, and the appeal must be upheld to that extent. Facts arising only after the lower-court judgment qualify as true nova and may be invoked on appeal until the start of deliberations. However, where the proceedings were caused by the party’s failure to remedy the defect within the prescribed time, the litigation costs may be charged to that party under Art. 108 ZPO, notwithstanding the partial success on appeal.

Texto completo

II. ZivilabteilungZ2 2022 51

Oberrichter Dr.iur. A. Staub, Abteilungspräsident

Oberrichter lic.iur. P. Huber

Oberrichter lic.iur. St. Scherer

Gerichtsschreiber MLaw I. Cathry

Urteil vom 28. Oktober 2022*[rechtskräftig]*

in Sachen

A.________ AG,

Berufungsklägerin,

betreffend

Massnahmen gemäss Art. 939 OR (Berufung gegen den Entscheid des Einzelrichters am Kantonsgericht Zug vom 21. September 2022)

Rechtsbegehren

Berufungsklägerin

Das Urteil [des Einzelrichters am Kantonsgericht Zug vom 21. September 2022 im Verfahren ES 2022 434] sei zu widerrufen.

Sachverhalt und Erwägungen 1. Gemäss den Informationen des Handelsregisteramtes des Kantons Zug verfügte die A.________ AG (nachfolgend: Berufungsklägerin) über kein Rechtsdomizil mehr und wies demnach einen Organisationsmangel im Sinne von Art. 939 OR auf. Am 3. März 2022 forderte das Handelsregisteramt die Berufungsklägerin auf, diesen Mangel innert 30 Tagen zu beheben. Das Einschreiben konnte nicht zugestellt und trotz Nachforschungen konnte kein neues Rechtsdomizil ermittelt werden. Die Aufforderung wurde daraufhin im Schweizerischen Handelsamtsblatt publiziert. Der Organisationsmangel wurde innerhalb der angesetzten Frist nicht behoben. In der Folge überwies das Handelsregisteramt Zug die Angelegenheit mit Eingabe vom 7. Juni 2022 androhungsgemäss dem Kantonsgericht Zug zur Ergreifung der erforderlichen Massnahmen (Vi act. 1; Vi act. 1/1-6).

2. Der Einzelrichter am Kantonsgericht Zug forderte die Berufungsklägerin am 9. Juni 2022 zur Stellungnahme innert 10 Tagen auf (Vi act. 3). Die Aufforderung wurde auch an die Privatadresse von B.________, dem einzigen Verwaltungsrat der Berufungsklägerin, gesandt und ihm am 6. Juli 2022 zugestellt (Vi act. 3/1-2). Nachdem die Berufungsklägerin sich auch innert angesetzter Nachfrist nicht hatte vernehmen lassen, löste der Einzelrichter die Gesellschaft mit Entscheid vom 21. September 2022 androhungsgemäss auf und ordnete deren konkursamtliche Liquidation an (Vi act. 5).

3. Mit Eingabe vom 28. September 2022 (Postaufgabe: 29. September 2022) reichte die Berufungsklägerin (fristgerecht) Berufung gegen den Entscheid des Einzelrichters am Kantonsgericht Zug vom 21. September 2022 mit eingangs genanntem Rechtsbegehren ein (act. 1).

4. Zu Recht macht die Berufungsklägerin nicht geltend, dass sie den beanstandeten Organisationsmangel (fehlendes Rechtsdomizil) innert der ihr vom Handelsregisteramt angesetzten Frist behoben habe. Ebenso wenig hat sie im vorinstanzlichen Verfahren die Behebung des Organisationsmangels mittels eines entsprechenden Handelsregisterauszugs nachgewiesen. Mittlerweile hat die Berufungsklägerin jedoch eine neue Domiziladresse im Handelsregister eintragen lassen, womit sie über ein Rechtsdomizil verfügt. Der ursprünglich vorliegende Mangel ist damit beseitigt und die Grundlage für die Auflösung und konkursamtliche Liquidation der Berufungsklägerin ist nachträglich dahingefallen. Bei dieser Tatsache (Eintrag ins Tagesregister vom tt. Oktober 2022) handelt es sich um ein sogenanntes echtes Novum, d.h. um eine Tatsache, die sich erst nach dem vorinstanzlichen Entscheid verwirklicht hat. Solche Tatsachen können im Berufungsverfahren gestützt auf Art. 317 Abs. 1 ZPO bis zum Beginn der Beratungsphase vorgebracht werden (BGE 142 III 413 E. 2.2.5 f.). Damit erweist sich die Berufung als begründet. Der angefochtene Entscheid ist im Hauptpunkt aufzuheben und das Verfahren ist in diesem Punkt als gegenstandslos geworden abzuschreiben.

5. Trotz dieses Ausgangs hat die Berufungsklägerin die Kosten sowohl des erst- als auch des zweitinstanzlichen Verfahrens zu tragen, da beide Verfahren hätten vermieden werden können, wenn die Berufungsklägerin den bei ihr festgestellten Organisationsmangel innert der ihr angesetzten Frist behoben hätte (vgl. Urteil des Bundesgerichts 4A_411/2012 vom 22. November 2012 E. 3). Gemäss Art. 108 ZPO hat unnötige Prozesskosten derjenige zu bezahlen, der sie verursacht hat. Dementsprechend hat die Berufungsklägerin für die Kosten beider Verfahren einzustehen.

Urteilsspruch 1. In teilweiser Gutheissung der Berufung wird Dispositiv-Ziffer 1 des Entscheids des Einzelrichters am Kantonsgericht Zug vom 21. September 2022 aufgehoben und das Verfahren wird infolge Gegenstandslosigkeit abgeschrieben. Im Übrigen wird der angefochtene Entscheid bestätigt.

2. Die Entscheidgebühr für das vorliegende Verfahren von CHF 800.00 wird der Berufungsklägerin auferlegt und mit dem von ihr geleisteten Kostenvorschuss verrechnet.

3. Gegen diesen Entscheid mit einem Streitwert von über CHF 30'000.00 ist die Beschwerde in Zivilsachen nach den Art. 72 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG) zulässig; die Beschwerdegründe richten sich nach den Art. 95 ff. BGG. Eine allfällige Beschwerde ist innert 30 Tagen seit Zustellung des Entscheids schriftlich, begründet und mit bestimmten Anträgen sowie unter Beilage des Entscheids und der Beweismittel (vgl. Art. 42 BGG) beim Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen. Die Beschwerde hat nach Art. 103 Abs. 1 BGG in der Regel keine aufschiebende Wirkung.

4. Mitteilung an:

- Berufungsklägerin - Kantonsgericht Zug, Einzelrichter (ES 2022 434) - Handelsregisteramt Zug (zur Kenntnisnahme) - Betreibungsamt ________ (zur Kenntnisnahme) - Gerichtskasse (im Dispositiv)

Obergericht des Kantons Zug

II. Zivilabteilung

Dr.iur. A. StaubMLaw I. Cathry
AbteilungspräsidentGerichtsschreiber

versandt am:

Palavras-chave

organizational defectregistered domicilecompany dissolutiontrue novamootnessappeal costscommercial register

Extraído pela Omnilex

Questão jurídica principal

Whether the dissolution and liquidation order should be set aside because the organizational defect was cured after the first-instance judgment.

Decisão extraída

Yes. A new registered domicile had been entered after the first-instance decision, so the basis for dissolution and liquidation had subsequently fallen away; the appeal succeeded in this respect.

Fundamentação extraída

The new domicile entry was a true nova under Art. 317(1) CPC and could be invoked on appeal before the start of deliberations. Because the defect no longer existed, the lower court's dissolution basis had become moot.

Questão jurídica principal

Who bears the court costs despite the partial success on appeal?

Decisão extraída

The appellant bears the costs of both instances because the proceedings could have been avoided if it had timely cured the defect.

Fundamentação extraída

Under Art. 108 CPC, unnecessary litigation costs are charged to the party that caused them; the company's failure to remedy the defect in time caused both proceedings.

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