Dual Swiss-Hungarian citizen may run in Hungary

150001211Prática Administrativa Federal (VPB)26 de out. de 1989Other

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Resumo Omnilex

The Federal Chancellery considered whether a Swiss-Hungarian dual citizen domiciled in Switzerland could run for the Hungarian National Assembly. It held that Swiss federal law does not prohibit such a candidacy. Article 43 BV restricts multiple exercise of political rights only within Swiss cantons, and the existence of Swiss rules for expatriate voting does not justify a ban on foreign political participation. The Chancellery also noted that a Hungarian election would not, by itself, deprive the person of Swiss voting rights or eligibility for the National Council.

Sumário Omnilex

Art. 43 BV; dual nationality and exercise of political rights abroad; the prohibition of multiple political rights is limited to Swiss cantons. Swiss federal law contains no general rule barring a Swiss citizen with foreign nationality and domicile in Switzerland from candidacy in a foreign election. The introduction of expatriate voting did not alter this conclusion; it merely modified the domestic residence principle for Swiss political rights. A foreign election does not, absent renunciation of Swiss citizenship, entail loss of Swiss political rights. Foreign-law admissibility remains a matter of the foreign legal order.

Texto completo

JAAC 54.38

Bundeskanzlei, 26. Oktober 1989

Droits politiques de doubles-nationaux helvético-étrangers domiciliés en Suisse.

Le droit fédéral ne fait pas obstacle à l'exercice de droits politiques à l'étranger.

Politische Rechte von schweizerisch-ausländischen Doppelbürgern mit Wohnsitz in der Schweiz.

Das Bundesrecht steht der Ausübung von politischen Rechten im Ausland nicht entgegen.

Diritti politici di cittadini svizzeri con doppia cittadinanza domiciliati in Svizzera.

Il diritto federale non si oppone all'esercizio di diritti politici all'estero.

Es fragt sich, ob ein schweizerisch-ungarischer Doppelbürger mit Wohnsitz in der Schweiz aus schweizerischer Sicht in Ungarn als Nationalrat kandidieren dürfe.

Aus der Sicht des geltenden schweizerischen Bundesstaatsrechts kann keine Norm der Absicht eines schweizerisch-ungarischen Doppelbürgers mit Wohnsitz in der Schweiz entgegenstehen, bei der nächsten Wahl zum ungarischen Nationalrat zu kandidieren.

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Zwar verpönt Art. 43 BV offensichtlich die Ausübung politischer Rechte an mehreren Orten, weil dies letztlich dem demokratischen Prinzip entgegenliefe; doch ist das Verbot der Mehrfachausübung ausdrücklich auf die schweizerischen Kantone beschränkt (Art. 43 Abs. 3 BV). Dieser Sachverhalt erklärt sich aus der Situation zur Zeit der Gründung des Bundesstaats (Art. 43 Abs. 3 der geltenden BV stammt wörtlich aus Art. 42 Abs. 3 der BV von 1848, vgl. BS 1 18): Kantonsintern blieben die Kantone zuständig; aber zufolge des bundesstaatlichen Zusammenschlusses musste neu verhindert werden, dass das demokratische Prinzip verletzt werden konnte. Zu diesem Zweck wurde einheitlich der Kanton der ordentlichen Niederlassung zum Ort bestimmt, an welchem der Schweizer Bürger stimmberechtigt sein sollte (Art. 43 Abs. 2 BV von 1874, Art. 42 Abs. 2 BV von 1848).

Internationale Doppelbürgerschaft hingegen beschäftigte die Verfassungsväter im Hinblick auf das Stimmrecht weder 1848 noch 1874, und dies aus zwei Gründen:

a. Erste Zielsetzung der Bürgerrechtsregelungen war von jeher, jeder Person möglichst ein einziges Bürgerrecht zuzuerkennen, also einerseits Doppelbürger und anderseits Staatenlose zu vermeiden. Nach dieser Zielsetzung hätte das aufgeworfene Problem eigentlich gar nicht erst entstehen sollen.

b. Ein Auslandschweizerstimmrecht wurde erst mit der Schaffung einer Verfassungsgrundlage (Art. 45bis Abs. 2 BV) im Jahre 1966 sowie der nötigen Gesetzesgrundlagen (BG vom 19. Dezember 1975 über die politischen Rechte der Auslandschweizer, SR 161.5) im Jahre 1975 eingeführt.

Demnach reichte die Verfassungsregelung von Art. 43 Abs. 2 bis zum Inkrafttreten des Bundesgesetzes über die politischen Rechte der Auslandschweizer aus, um auch internationale Doppelbürger im selben Sinne zu erfassen wie alle Schweizer: Stimmberechtigt war bis dahin unter jedem Gesichtspunkt einzig, wer in einem Schweizer Kanton Wohnsitz hatte. Und die Schweiz konnte davon ausgehen, dass diese Regelung, wenn sie auch im Ausland galt, korrekt und konsequent angewandt werden konnte.

Die Einführung eines wenn auch beschränkten Auslandschweizerstimmrechts hat dieses Wohnortsprinzip in gewisser Hinsicht durchbrochen. Würde der Ungar-Schweizer seinen Wohnsitz nach Ungarn verlegen, so könnte dies seinen Anspruch also nicht hindern, in der Schweiz stimmberechtigt zu bleiben und mithin auch für den schweizerischen Nationalrat zu kandidieren. Eine Kandidatur zum Ständerat hingegen würde sich nach dem Recht des betreffenden Kantons richten.

Demnach kann es der Schweiz also schon aus Gegenrechtsgründen nicht zustehen, den in der Schweiz wohnhaften Ungarn-Schweizer an einer Kandidatur zum ungarischen Nationalrat zu hindern.

Ob indessen das neue ungarische Wahlgesetz dies zulasse, entzieht sich der Kenntnis der Bundeskanzlei, da der eben erst kürzlich erneut geänderte Erlass ihr bisher nicht zugänglich ist. Nach Art. 2 des ungarischen Gesetzes Nº III/1983 dürfte eine Kandidatur eines Auslandsungarn für die Nationalversammlung bereits zulässig gewesen sein, da jeder Stimmberechtigte wahlberechtigt und wählbar erklärt wurde (Art. 2 Abs. 3) und da die Stimmberechtigung jedem erwachsenen Bürger der (damals

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noch) Volksrepublik Ungarn zuerkannt wurde (Art. 2 Abs. 1), der nicht wegen Psychopathie oder Geisteskrankheit bevormundet (Art. 2 Abs. 2 Bst. a) oder von einem Gericht seiner bürgerlichen Ehrenfähigkeit verlustig erklärt worden war (Art. 2 Abs. 2 Bst. b) oder aber eine Freiheitsstrafe verbüsste oder in Sicherheitshaft war (Art. 2 Abs. 2 Bst. c des Gesetzes Nº III/1983); dabei sollte nach demselben Gesetz jeder Bürger nur eine Stimme haben (Art. 2 Abs. 4, vgl. den Erlass, in: Revue de droit hongrois 1-2 [1984] 41-63).

Selbst wenn der Ungar-Schweizer in den ungarischen Nationalrat gewählt werden sollte, würde er ohne eigenen Verzicht auf das Schweizer Bürgerrecht weder seine Stimmberechtigung noch seine Wählbarkeit zum schweizerischen Nationalrat verlieren: Die heutige schweizerische Rechtsordnung überlässt es ebenso wie bei Kandidaturen in wohnsitzfremden Kantonen (Beispiel: 1983 Valentin Oehen, Wohnsitz Tessin, als Nationalrat gewählt im Kanton Bern, vgl. BBl 1983 IV 331) den politischen Gegnern eines Kandidaten, auf derlei Umstände aufmerksam zu machen, damit die Wähler ihren Entscheid in Kenntnis solcher Fakten treffen können.

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Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 54.38 - Bundeskanzlei, 26. Oktober 1989

In

Verwaltungspraxis der Bundesbehörden

Dans

In

Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr

Année

1990

Anno

Band Volume

54

Volume

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--

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Ref. No 150 001 211

Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv und die Bundeskanzlei konvertiert. Le document a été digitalisé par les Archives Fédérales Suisses et la Chancellerie fédérale. Il documento è stato convertito dall'Archivio federale svizzero e della Cancelleria federale.

Palavras-chave

political rightsdual nationalityforeign candidacyresidence principleexpatriate voting

Extraído pela Omnilex

Questão jurídica principal

Whether Swiss federal law bars a Swiss-Hungarian dual citizen domiciled in Switzerland from candidacy in Hungary.

Decisão extraída

No Swiss federal rule prevented him from standing for election to the Hungarian National Assembly.

Fundamentação extraída

Article 43 BV prohibits multiple exercise of political rights only within Swiss cantons. Dual nationality and foreign candidacy were not addressed by the framers, and the Swiss residence principle does not justify blocking political participation abroad. The federal order therefore did not oppose the intended Hungarian candidacy.

Questão jurídica principal

Whether a successful Hungarian candidacy would affect his Swiss political rights.

Decisão extraída

A Hungarian election would not, without renunciation of Swiss nationality, extinguish his Swiss voting rights or eligibility for the Swiss National Council.

Fundamentação extraída

The Swiss legal order leaves such matters to political opponents and voters, as with candidacies in a non-resident canton.

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