New bankruptcy-preventing facts in appeal

RBOG 1996 Nr. 22Outro Tribunal25 de out. de 1996Not Examined

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Resumo Omnilex

The court held that, in second-instance bankruptcy proceedings, the debtor may invoke new facts to prevent bankruptcy. Under the new Art. 174 SchKG, the decisive requirements are that the debtor credibly shows solvency and proves by documents that the debt, including interest and costs, has been paid. The previous cantonal practice with additional cumulative requirements no longer governs under federal law. The lifting of a bankruptcy decree remains justified only where this is economically meaningful, especially where the debtor's business is viable and there is a realistic prospect of covering liabilities from incoming receivables and earnings.

Sumário Omnilex

Art. 174 SchKG; noven in appeal against bankruptcy decree; requirements for lifting bankruptcy. In second-instance review, the debtor may invoke new facts preventing bankruptcy. Under the revised federal rule, no excusing reason for late submission is required; instead, the debtor must, upon lodging the appeal, make solvency credible and prove by documents that the debt, including interest and costs, has been paid. The former cantonal practice imposing additional cumulative conditions is superseded to that extent. Lifting the bankruptcy decree is warranted only if it is economically sensible, in particular where the debtor's business remains viable and there is a concrete prospect that receivables will be collected and liabilities satisfied; a merely temporary illiquidity does not suffice if the overall financial situation is persistently hopeless.

Texto completo

Konkurshindernde Tatsachen nach neuem Recht


Art. 174 SchKG, § 230 aZPO (TG) (§ 231 aaZPO (TG)) § 240 aZPO (TG)


1. Der Schuldner hat gestützt auf § 231 i.V.m. § 240 ZPO im zweitinstanzlichen Verfahren die Möglichkeit, neue konkurshindernde Tatsachen geltend zu machen. Gemäss bisheriger steter Praxis der Rekurskommission können diese indessen nur dann zur Aufhebung des Konkursdekrets führen, wenn die Schuld zwischenzeitlich getilgt wurde, der Schuldner nur momentan illiquid, nicht für grössere Summen betrieben und die verspätete Zahlung auf ein Versehen zurückzuführen ist. Diese Bedingungen mussten bislang kumulativ erfüllt sein; fehlte auch nur eine der vier Voraussetzungen, konnte auf die Konkurseröffnung nicht verzichtet werden (RBOG 1993 Nr. 22 mit Hinweisen).

2. Gemäss Art. 174 Abs. 2 Ziff. 1 SchKG in seiner Fassung vom 16. Dezember 1994, welche am 1. Januar 1997 in Kraft treten wird, kann das obere Gericht die Konkurseröffnung aufheben, wenn der Schuldner mit der Einlegung des Rechtsmittels seine Zahlungsfähigkeit glaubhaft macht und durch Urkunden beweist, dass er inzwischen die Schuld einschliesslich der Zinsen und Kosten getilgt hat. Damit gebietet der Bundesgesetzgeber der in diesem Bereich bestehenden Uneinheitlichkeit der kantonalen Rechtsprechungen zumindest teilweise Einhalt, indem er die Geltendmachung von Noven ausdrücklich vorsieht (Brönnimann, Novenrecht und Weiterziehung des Entscheids des Konkursgerichts gemäss Art. 174 ESchKG, in: Festschrift für Hans Ulrich Walder zum 65. Geburtstag, Zürich 1994, S. 436 f.). Umgekehrt sieht die Neuregelung davon ab, als Voraussetzung für die Zulassung von Noven einen Entschuldigungsgrund zu verlangen (Brönnimann, S. 442). Dagegen setzt die Novelle für die oberinstanzliche Aufhebung der Konkurseröffnung voraus, dass der Schuldner "seine Zahlungsfähigkeit glaubhaft macht". Dies bedeutet eine sachlich gerechtfertigte Erschwerung der Stellung des Schuldners im Gegensatz zum Vorentwurf der Expertenkommission vom Dezember 1981, welcher noch umgekehrt und schuldnerfreundlicher formuliert hatte, das Konkurserkenntnis könne aufgehoben werden, "ausser wenn der Schuldner offensichtlich zahlungsunfähig sei". Damit soll die Zahlungsfähigkeit nunmehr zur Beweislast des Schuldners gehören, der sich allerdings auf die blosse Glaubhaftmachung beschränken darf. Ratio legis dieser Regelung soll in erster Linie die Verhinderung einer Konkurseröffnung infolge eines blossen Versehens oder Missgeschicks sein. Die Aufhebung des Konkursdekrets muss aber in jedem Fall wirtschaftlich sinnvoll sein. Dies ist nur dann der Fall, wenn der schuldnerische Betrieb lebensfähig ist. Die Aufhebung des Konkurserkenntnisses im Falle eines ohnehin illiquiden Schuldners ist dagegen nicht gerechtfertigt (Brönnimann, S. 446).

3. Damit hat es, zumindest vorderhand, bei der bisherigen Rechtsprechung der Rekurskommission sein Bewenden. Eine sofortige Konkurseröffnung liegt im allgemeinen weder im öffentlichen Interesse noch in demjenigen der Beteiligten, wenn dem Schuldner keine Verantwortung für seinen pekuniären Engpass angelastet werden kann. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn der primäre Grund für seine Zahlungsunfähigkeit nicht in seinerseits stets wachsenden Schulden, sondern vielmehr in Guthaben liegt, welche er rezessionsbedingt nicht einzutreiben vermag. Voraussetzung ist jedoch selbstverständlich, dass seine allgemeine finanzielle Situation nicht seit längerem und ohne Hoffnung auf Besserung als desolat bezeichnet werden muss. Vielmehr muss begründete Aussicht darauf bestehen, dass sich seine Verhältnisse nicht mehr und mehr zu seinen Ungunsten zuspitzen. Es muss deshalb Indizien dafür geben, dass sich seine Lage dann, wenn die ihm zustehenden Zahlungen eintreffen, stabilisiert. Seine Debitoren müssen folglich seine Kreditoren übersteigen. Er muss, gehen seine Guthaben innert nützlicher Frist ein, alsdann zusammen mit seinem sonstigen Verdienst in der Lage sein, seine Schulden zu decken und den laufenden Verbindlichkeiten nachzukommen (RBOG 1993 Nr. 22).

Rekurskommission, 25. Oktober 1996, BR 96 84

Palavras-chave

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Questão jurídica principal

Whether the debtor may invoke new bankruptcy-preventing facts in the second instance under § 231 in conjunction with § 240 ZPO / Art. 174 SchKG.

Decisão extraída

Yes. In second-instance proceedings the debtor may raise new facts that prevent bankruptcy.

Fundamentação extraída

The new federal rule expressly allows noven in the appellate review of bankruptcy decrees and does not require a excusing reason for the late submission.

Questão jurídica principal

Which conditions must be met for the appellate court to lift a bankruptcy decree based on later payment of the debt.

Decisão extraída

Under the new federal rule, the debtor must make his solvency credible and prove by documents that the debt, including interest and costs, has been paid; the former strict cumulative practice is no longer the federal standard.

Fundamentação extraída

Art. 174 Abs. 2 Ziff. 1 SchKG aims to reduce cantonal inconsistency and shifts the focus to credible solvency plus documentary proof of full payment, rather than to the previous additional requirements developed in practice.

Questão jurídica principal

Whether a bankruptcy decree should be lifted when the debtor is only temporarily illiquid and the business remains economically viable.

Decisão extraída

A lifting is justified only if it is economically sensible, in particular if the debtor's business is viable and there is a realistic prospect that receivables will be collected and liabilities covered; a persistently desolate financial situation does not justify lifting the decree.

Fundamentação extraída

The purpose of the new rule is mainly to prevent bankruptcy caused by mistake or mishap, not to rescue a structurally hopelessly illiquid debtor. The debtor's assets must realistically exceed liabilities within a useful time.

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