No private complainant status for mere reporting party

BEK 2018 185Outro Tribunal4 de abr. de 2019Dismissed

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The Schwyz Cantonal Court dismissed a complaint against a prosecutor’s refusal to admit the reporting party as a private complainant in criminal proceedings concerning alleged disobedience of an official order. The court held that the offense protects state authority directly and that the appellant’s asserted property interests were only indirectly affected; she was therefore not an injured person within the meaning of the StPO and had no right to participate in procedural acts such as a witness examination. The related withdrawal of the hearing notice was also upheld. Appeal costs and party compensation were imposed on the appellant.

Sumário Omnilex

Art. 115 Abs. 1, Art. 118 Abs. 1, Art. 104 Abs. 1 lit. b, Art. 105 Abs. 1 lit. a and Art. 107 Abs. 1 lit. b StPO; standing of a reporting party as private complainant in proceedings for disobedience to official orders. The offense of disobedience protects directly only the authority of the state and not individual legal interests. A person whose interests are merely indirectly affected by the non-compliance, including asserted property interests touched by the underlying administrative order, is not an injured person and thus lacks private-complainant status. As a mere reporting party, she is limited to the rights expressly granted by statute and has no entitlement to participate in investigative acts. If the appellant lacks standing, the prosecutor’s refusal of party status and related procedural measures remain unobjectionable.

Texto completo

Kantonsgericht Schwyz

1

Beschluss vom 4. April 2019

BEK 2018 185

Mitwirkend

Kantonsgerichtsvizepräsident Dr. Reto Heizmann, Kantonsrichter Clara Betschart und Josef Reichlin, Gerichtsschreiber lic. iur. Mathis Bösch.

In Sachen

A.________, Strafanzeigeerstatterin und Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwältin B.________,

gegen

**1.**Staatsanwaltschaft Höfe Einsiedeln, Postfach 128, 8832 Wollerau, Anklagebehörde und Berufungsgegnerin, vertreten durch Staatsanwalt C.________, **2.**D.________, Beschuldigter und Beschwerdegegner, **3.**E.________, Beschuldigte und Beschwerdegegnerin, beide Beschuldigten erbeten verteidigt durch Rechtsanwalt F.________

betreffend

Nichtzulassung als Privatklägerin

(Beschwerde gegen die Verfügung der Staatsanwaltschaft Höfe Einsiedeln vom 19. November 2018, SUH 2017 1683 und 1684);-

hat die Beschwerdekammer,

nachdem sich ergeben und in Erwägung:

1. Mit Verfügung vom 19. November 2018 liess die Staatsanwaltschaft Höfe Einsiedeln in den Strafverfahren gegen die Beschuldigten (SUH 2017 1683 und 1684) die Strafanzeigeerstatterin nicht als Privatklägerschaft zu, obwohl sie sich als Strafklägerin im Sinne von Art. 119 Abs. 2 lit. a StPO erklärt hatte (vgl. U-act. 1, insbes. Ziff. II/4.). Die Strafanzeigeerstatterin beschwerte sich dagegen rechtzeitig beim Kantonsgericht. Sie verlangt, die Verfügungen über ihre Nichtzulassung als Privatklägerin und den Widerruf einer Terminanzeige aufzuheben und sie als Privatklägerin insbesondere an der anberaumten Zeugenbefragung zuzulassen.

2. Die Staatsanwaltschaft sprach der Beschwerdeführerin in der angefochtenen Verfügung Parteirechte gestützt auf die hiesige Rechtsprechung ab (BEK 2016 194 vom 20. Februar 2017 E. 3 mit Hinweisen), weil der Ungehorsamstatbestand das mit der entsprechenden Strafandrohung verbundene Verbot, mithin die behördliche Autorität, schütze und nur mittelbar den Interessen der Anzeigeerstatterin diene.

Soweit die Beschwerdeführerin festhält, in ihren Rechten, nämlich ihren verfassungsmässig geschützten Eigentumsrechten unmittelbar verletzt zu sein, macht sie Rechtspositionen geltend, welche nicht im direkten Bereich des Tatbestands liegen. Der Ungehorsamstatbestand schützt direkt einzig die Autorität des Staates. Er enthält, was die von der Beschwerdeführerin zitierte Kommentarstelle ausser Acht lässt (vgl. Mazzucchelli/Postizzi, BSK, 2. A. 2014, Art. 115 StPO N 79 und gestützt auf deren Vorauflage auch CAN online 2013 Nr. 17), im Unterschied zu ebenfalls nicht primär Individualrechtsgüter schützenden Strafnormen (dazu etwa BGE 141 IV 454 E. 2.3.1 mit Hinweisen; z.B. falsche Anschuldigung vgl. dazu CAN 1-12 Nr. 17 sowie EGV-SZ 2014

A 5.4 E. 3) keine Tatbestandselemente, die sich auf Rechte von Privaten beziehen. Deshalb ist der Schutzbereich des Ungehorsamtatbestands nicht nur unabhängig vom Inhalt der Verfügung, welcher trotz Hinweises auf die Strafdrohung keine Folge geleistet wird, sondern betrifft auch keine individuellen Rechtsgüter. Daher können die vorliegend von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Interessen an der Beseitigung von Eigentumsstörungen nicht direkt betroffen sein und ist die Beschwerdeführerin durch den angeblichen Ungehorsam der Beschuldigten nicht unmittelbar verletzt. Somit gilt sie nicht als geschädigte Person bzw. Privatklägerschaft im Sinne von Art. 115 Abs. 1 i.V.m. Art. 105 Abs. 1 lit. a StPO respektive Art. 118 Abs. 1 i.V.m. Art. 104 Abs. 1 lit. b StPO. Als blosse Anzeigeerstatterin hat sie keine weitergehenden Verfahrensrechte (Art. 301 Abs. 3 StPO), namentlich nicht das Recht der Teilnahme an Verfahrenshandlungen (Art. 107 Abs. 1 lit. b StPO). Ihr kommen nur Rechte zu, soweit sich Verfahrenshandlungen gegen ihre Person richten (Art. 105 Abs. 2 StPO), wie etwa das vorliegend in Anspruch genommene Beschwerderecht gegen die ihr die Parteirechte indes zutreffend absprechende staatsanwaltschaftliche Verfügung.

Abgesehen davon ist die Beschwerdeführerin nicht mehr Eigentümerin des Grundstücks, auf welchem die Beschuldigten die unter Strafandrohung behördlich befohlenen Rückbauten nicht vorgenommen haben sollen.

3. Aus diesen Gründen ist die angefochtene Verfügung und der damit verbundene Widerruf der Terminanzeige für eine Zeugenbefragung nicht zu beanstanden. Die Beschwerde ist abzuweisen. Ausgangsgemäss gehen die Kosten des Beschwerdeverfahrens zu Lasten der unterliegenden Beschwerdeführerin (Art. 428 Abs. 1 StPO), welche die Beschuldigten für die kurz begründete Beschwerdeantwort antragsgemäss zu entschädigen hat (vgl. BGE 139 IV 45 = Pra 2013 Nr. 60 E. 1; BGer 6B_273/2017 vom 17. März 2017 E. 2 mit Hinweisen; § 13 GebTRA);-

beschlossen:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens von Fr. 1‘200.00 werden der Beschwerdeführerin auferlegt und aus der geleisteten Sicherheit gedeckt.

3. Die Beschwerdeführerin wird verpflichtet, die Beschuldigten für das Beschwerdeverfahren mit Fr. 500.00 zu entschädigen.

4. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung nach Art. 78 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG) Beschwerde in Strafsachen beim Bundesgericht in Lausanne eingereicht werden. Die Beschwerdeschrift muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen.

5. Zufertigung an Rechtsanwältin B.________ (2/R), Rechtsanwalt F.________ (3/R), die Staatsanwaltschaft Höfe Einsiedeln (1/A) und die Oberstaatsanwaltschaft (1/R) sowie nach definitiver Erledigung an die Staatsanwaltschaft Höfe (1/R, mit den Akten) und die Kantonsgerichtskasse (1/ü, im Dispositiv).

Namens der Beschwerdekammer

Der Kantonsgerichtsvizepräsident Der Gerichtsschreiber

Versand

5. April 2019 kau

Palavras-chave

private complainant statusinjured persondisobedienceparty rightswitness examinationstandingcriminal procedurecosts

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Questão jurídica principal

Whether the reporting party qualified as an injured person/private complainant in disobedience proceedings

Decisão extraída

No. The offense protects state authority directly and the appellant's property interests were only indirectly affected, so she lacked standing as injured person/private complainant.

Fundamentação extraída

The protected legal interest of disobedience is the authority of the state, not private rights. The alleged failure to comply with a demolition order did not directly affect the appellant's own protected interests, and she was no longer owner of the land in question.

Questão jurídica principal

Whether the prosecutor's refusal to grant party rights and to allow participation in the witness examination had to be set aside

Decisão extraída

No. As a mere reporting party, she had no broader procedural rights, including no right to participate in procedural acts.

Fundamentação extraída

Under the StPO, only an injured person/private complainant enjoys the relevant party rights. A reporting party has only the limited rights expressly provided by law, and none that would entitle her to attend the witness examination.

Questão jurídica principal

Costs and compensation of the appeal proceedings

Decisão extraída

The appellant bears the costs and must compensate the respondents.

Fundamentação extraída

Costs follow the outcome; the respondents were awarded compensation for their concise response.

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