Revision of land registry fees after retroactive revaluation

JK 98 335Outro Tribunal25 de out. de 1998Granted

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After a retroactive revaluation reduced the cadastral value of several industrial parcels transferred from W. AG to F. AG, F. AG requested revision of the already paid land registry fees. The land registry officer refused, arguing that the fee ordinance contained no revision mechanism and that the VRG was inapplicable. On complaint, the Obergericht held that the special rules did not exhaustively regulate the procedure and that the VRG therefore applied subsidiarily. It further held that the later cadastral revaluation was a new relevant fact under § 175(1) VRG. The revision request had to be examined on the merits.

Sumário Omnilex

§ 175 Abs. 1 VRG; subsidiäre Anwendbarkeit des allgemeinen Verwaltungsverfahrens auf Gebührenverfügungen des Grundbuchverwalters; fehlt es im Spezialrecht an einer abschliessenden Verfahrensordnung, so gelten die allgemeinen Verfahrensregeln ergänzend. Eine nachträglich eingetretene, erhebliche Änderung der für die Gebührenbemessung massgebenden Katasterschatzung stellt eine neue Tatsache dar, die ein Revisionsgesuch gegen eine rechtskräftige Gebührenfestsetzung zu tragen vermag; die entscheidende Behörde hat das Gesuch materiell zu prüfen (E. 2).

Texto completo

Am 22. Dezember 1997 stellte der Grundbuchverwalter Rechnung über Fr. 52 419.- für die Eigentumsübertragung an diversen Industriegrundstücken von der W. AG auf die F. AG. Die Gebühr für die Eigentumsübertragungen von Fr. 52 228.- wurde aufgrund der damals geltenden Katasterwerte festgesetzt und blieb unbestritten. Die Rechnung wurde bezahlt. In der Folge kam es zu einer rückwirkenden Neuschatzung per 1. Dezember 1997. Der Katasterwert der übertragenen Liegenschaften wurde von insgesamt Fr. 26 113 600.- (Schatzung 1990) auf Fr. 18 568 200.- herabgesetzt.

Die Beschwerdeführerin liess daraufhin am 21. September 1998 beim Obergericht des Kantons Luzern die Revision der Grundbuchgebührenfestsetzung beantragen. Das Obergericht stellte das Revisionsgesuch zuständigkeitshalber dem Grundbuchverwalter zur Entscheidung zu. Dieser wies das Begehren am 24. September 1998 mit der Begründung ab, eine Revision sei in der Verordnung über die Grundbuchgebühren nicht vorge-sehen und das VRG sei für rechtskräftig veranlagte Grundbuchgebühren nicht anwendbar.

Auf Beschwerde nach Art. 104 Abs. 2 GBV (SR 211.432.1) hin führte die Justizkommission des Obergerichts Folgendes aus:

Das Verwaltungsrechtspflegegesetz (VRG, SRL Nr. 40) regelt das Verfahren im Verhältnis zwischen Staat und Privatpersonen. Immer dann, wenn das Verfahren nicht durch Spezialgesetz abschliessend geregelt ist, kommt diese Verfahrensordnung zur Anwendung.

Vorliegend geht es um den Anspruch einer privaten Gesellschaft gegenüber dem Staat Luzern, handelnd durch das Grundbuchamt X. Art. 954 Abs. 1 ZGB räumt den Kantonen das Recht ein, für grundbuchliche Verrichtungen Gebühren zu erheben. In der eidgenössischen Grundbuchverordnung (SR 211.432.1) findet sich zur Gebührenfestsetzung keine Regelung, sondern es ist in Art. 102 ff. GBV lediglich der Rechtsschutz vorgeschrieben. Die vom Grundbuchverwalter angerufene Verordnung über die Grundbuchgebühren (SRL Nr. 228) stellt lediglich in § 17 GBGT das Rechtsmittel der Beschwerde gegen Gebührenfestsetzungen zur Verfügung. Weitere Verfahrensvorschriften enthält sie nicht. Vielmehr regelt sie einzig die für die verschiedenen grundbuchlichen Verrichtungen massgebenden Tarife. Auch das übergeordnete kantonale Grundbuchgesetz (SRL Nr. 225) enthält keine abschliessende Verfahrensordnung.

Eine abschliessende Regelung für das Verfahren vor dem Grundbuchverwalter im Zusammenhang mit Gebührenfestsetzungen besteht demzufolge nicht. Somit ist vorliegend jedenfalls subsidiär die Verfahrensordnung des VRG auch für die Gebührenfestsetzung durch den Grundbuchverwalter anwendbar. Gemäss § 175 Abs. 1 VRG zieht die Behörde, die den rechtskräftigen Entscheid gefällt hat, diesen auf Gesuch hin in Revision, wenn nachträglich neue erhebliche Tatsachen vorgebracht werden. Die Beschwerdeführerin machte eine nachträglich eingetretene Veränderung der Katasterschatzung geltend. Der Grundbuchverwalter hat dieses Begehren materiell zu prüfen.

Palavras-chave

land registry feesrevisioncadastral valuationsubsidiary applicationadministrative procedurenew facts

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Questão jurídica principal

Whether the cantonal administrative procedure code applies subsidiarily to revision requests against final land registry fee assessments.

Decisão extraída

Yes. Because the federal land registry rules and the cantonal fee rules did not exhaustively regulate the procedure, the VRG applied subsidiarily.

Fundamentação extraída

The special rules contained only a right of appeal, not a complete procedural regime. Where no exhaustive special procedure exists, the general administrative procedure law governs relations between the state and private persons.

Questão jurídica principal

Whether a retroactive change in cadastral valuation can justify revision of a final fee assessment.

Decisão extraída

Yes. A later and material change in the cadastral valuation is a new relevant fact that the deciding authority must examine in revision.

Fundamentação extraída

Under § 175(1) VRG, a final decision must be revised upon request when new significant facts emerge after the decision. The alleged retroactive revaluation was such a fact.

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