Inadmissibility of mislabelled appeal against interim child protection measures

101 2018 209Tribunal Cantonal21 de ago. de 2018Dismissed

Abrir fonte

Extraído pela Omnilex

Resumo Omnilex

In divorce-related interim proceedings concerning the placement of two children, the first-instance president confirmed a superprovisional measure removing custody and residence determination from both parents for three months. The father filed a remedy labelled as a complaint under the Civil Code, arguing inter alia that the measure was inappropriate and that the order on suspensive effect was insufficiently reasoned. The appellate court held that Art. 450 CC did not apply, since the decision was not one of the adult protection authority, and that the filing could not be converted into an appeal because the appellant relied on complaint-specific review grounds. The court therefore refused entry, denied legal aid, imposed CHF 200 costs, and awarded no party compensation.

Sumário Omnilex

Art. 450 CC; Art. 308 ff. CPC; wrong designation of a remedy against an interim family-court order: a filing incorrectly styled as a complaint is not admissible where the challenged decision is only appealable under the CPC and conversion into the correct remedy is excluded because the submission, viewed as a whole, does not satisfy the admissibility requirements of that remedy. A false appeal instruction does not alter the statutory remedy regime. Legal aid is refused if the remedy lacks prospects of success; costs follow the outcome, and no party compensation is due where the opposite party was not heard.

Texto completo

101 2018 209 101 2018 210 101 2018 212

Urteil vom 21. August 2018 I. Zivilappellationshof

Besetzung

Präsident: Jérôme Delabays Richter: Hubert Bugnon, Sandra Wohlhauser Gerichtsschreiberin- Berichterstatterin: Cornelia Thalmann El Bachary

Parteien

A.________, ** Berufungskläger,**vertreten durch Rechtsanwalt Patrik Gruber gegen B.________, Berufungsbeklagte, vertreten durch Rechtsanwalt Yannick Sollberger

Gegenstand

Berufung/Beschwerde gegen vorsorgliche Massnahmen Beschwerde vom 9. August 2018 gegen den Entscheid des Präsidenten des Zivilgerichts des Seebezirks vom 20. Juli 2018

in Anbetracht dessen,

dass sich die Parteien in einem Scheidungsverfahren befinden und beide vorsorglich die Zuteilung der faktischen Obhut über die beiden 11 und 13 Jahre alten Kinder beantragt haben;

dass im Rahmen von superprovisorischen Massnahmen der Präsident des Zivilgerichts des Seebezirks (hiernach: der Gerichtspräsident) den Eltern die Obhut und das Aufenthaltsbestimmungsrecht entzogen und die Kinder zwecks Abklärung für die Dauer von drei Monaten im Transit fremdplatziert hat;

dass der Gerichtspräsident nach Anhörung der Eltern die superprovisorische Massnahme mit Entscheid vom 20. Juli 2018 bestätigt hat

dass der Vater, vertreten durch seinen Anwalt, am 9. August 2018 gegen diesen Entscheid Beschwerde gemäss Art. 450 ff. ZGB eingereicht hat;

dass allerdings gemäss Art. 450 ZGB diese Beschwerde nur gegen Entscheide der Erwachsenenschutzbehörde offen steht und dieses Rechtsmittel vorliegend unzulässig ist;

dass der Entscheid vom 20. Juli 2018 ausschliesslich mit Berufung gemäss Art. 308 ff. ZPO angefochten werden kann und in diesem Rahmen nur die unrichtige Rechtsanwendung und Feststellung des Sachverhalts geltend gemacht werden können;

dass daran auch die falsche Rechtsmittelbelehrung im Entscheid nichts ändert;

dass der hiesige Gerichtshof bei falschen Rechtsmitteln die Praxis des Bundesgerichts anwendet (vgl. z.B. Urteil KG 101 2016 135 und 101 2018 56), nach welcher eine falsche Bezeichnung des Rechtsmittels nicht schadet, wenn die Eintretensvoraussetzungen desjenigen Rechtsmittels, das hätte eingereicht werden sollen, erfüllt sind und das Rechtsmittel in seiner Gesamtheit umgewandelt werden kann (vgl. Urteil BGer 5A_221/2018 vom 4. Juni 2018 E. 3.3.1);

dass der Rechtsvertreter ausführt: „Der angefochtene Entscheid erging im Rahmen des Scheidungsverfahrens, weshalb dagegen grundsätzlich die Berufung offen steht (Art. 308 Abs. 1 ZPO). Inhaltlich geht es jedoch um eine Kindesschutzmassnahme (Art. 307 ff. ZGB) […]. Dagegen steht gemäss Art. 450 Abs. 1 ZGB die Beschwerde offen. Der angefochtene Entscheid gibt als Rechtsmittel die Beschwerde an. Inhaltlich spielt dies kaum eine Rolle, da die Kognition unabhängig von der Bezeichnung des Rechtsmittels nahezu identisch, nämlich umfassend ist (vgl. Art. 450a ZGB und Art. 310 ZPO). Vorliegend wird der Entscheid als Beschwerde angefochten, weil gemäss Art. 450a Abs. 1 Ziff. 3 ZGB auch die Unangemessenheit gerügt werden kann, was im Hinblick auf Art. 307 Abs. 1 ZGB vorliegend wichtig ist“;

dass in der Eingabe geltend gemacht wird, die aufschiebende Wirkung des Rechtsmittels müsse nach Art. 450c ZGB die Ausnahme bleiben, die explizit begründet werden müsse und dass der Gerichtspräsident dies unterlassen habe;

dass eine Berufung gegen vorsorgliche Massnahmen grundsätzlich keine aufschiebende Wirkung hat und der Gesuchsteller für deren Gewährung einen nicht leicht wiedergutzumachenden Nachteil aufzuzeigen hat (Art. 315 Abs. 5 ZPO);

dass in der Hauptsache geltend gemacht wird, der angefochtene Entscheid sei unangemessen, was zu dessen Aufhebung führe;

dass daraus folgt, dass die Beschwerde nicht in ihrer Gesamtheit in eine Berufung umgewandelt werden kann und eine Konversion ausgeschlossen ist;

dass somit auf das Rechtsmittel nicht eingetreten werden kann;

dass aufgrund der Aussichtslosigkeit des Rechtsmittels das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege kostenlos abzuweisen ist;

dass damit die pauschal auf CHF 200.- festgesetzten Kosten des Rechtsmittelverfahrens dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 106 Abs. 1 ZPO);

dass den Gegenparteien, welchen die Beschwerde nicht zur Stellungnahme zugestellt wurde, keine Parteientschädigung zugesprochen wird;

Der Hof erkennt:

I. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

II. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen.

III. Die Kosten werden auf CHF 200.- festgesetzt und A.________ auferlegt.

IV. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.

V. Zustellung.

Dieses Urteil kann innert 30 Tagen nach seiner Eröffnung mit Beschwerde in Zivilsachen beim Bundesgericht angefochten werden. Das Beschwerderecht und die übrigen Zulässigkeitsvoraussetzungen sind in den Art. 72–77 und 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht vom 17. Juni 2005 (BGG) geregelt. Die begründete Beschwerdeschrift ist beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen.

Freiburg, 21. August 2018/cth

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin-Berichterstatterin:

Palavras-chave

family lawinterim measureschild custodyadmissibilitywrong remedyconversion of remedylegal aidcourt costssuspensive effect

Extraído pela Omnilex

Questão jurídica principal

Whether the remedy filed against the confirmation of interim child protection measures was admissible despite being labelled as a complaint under the Civil Code.

Decisão extraída

The remedy was inadmissible because the challenged decision could only be attacked by appeal under the Code of Civil Procedure, and the misdesignation could not be converted into a valid appeal in its entirety.

Fundamentação extraída

Article 450 CC applies only to decisions of the adult protection authority, not to this family-court interim measure. Although a wrong designation may sometimes be disregarded, conversion requires that the admissibility requirements of the correct remedy are met and that the filing can be treated as a whole as that remedy. Here, the appellant argued substantively on grounds specific to complaint review, especially appropriateness, so conversion to an appeal was excluded.

Questão jurídica principal

Whether the request for legal aid should be granted.

Decisão extraída

Denied because the remedy had no prospects of success.

Fundamentação extraída

An obviously inadmissible remedy is unsuccessful, so the conditions for legal aid were not met.

Questão jurídica principal

Allocation of appellate costs and party compensation.

Decisão extraída

Court costs of CHF 200 were charged to the appellant; no party compensation was awarded.

Fundamentação extraída

The losing appellant had to bear the flat costs under the procedural cost rule, while the respondents had not been invited to file observations and therefore received no compensation.

Continue sua pesquisa no ChatGPT ou Claude

Conecte o Omnilex para pesquisar o corpus jurídico pelo seu assistente de IA.