Asylum non-entry decision annulled for incomplete fact-finding

e-2282-2013Tribunal Administrativo Federal / Divisão 57 de mar. de 2014Granted

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A Sri Lankan Tamil asylum seeker challenged a BFM decision refusing to enter into his asylum application and ordering removal. The Federal Administrative Court found the appeal admissible and held that the BFM’s factual basis was incomplete in light of the authority’s broader reassessment of Tamil returnees from Sri Lanka. Because the missing investigations were extensive, the court annulled the decision and remanded the case to the BFM for full fact-finding and a new decision. As the appellant fully prevailed through remand, no court costs were imposed, and the BFM was ordered to pay CHF 1,600 in party compensation.

Sumário Omnilex

Art. 61 Abs. 1 VwVG; remand for incomplete fact-finding in asylum matters: where the first-instance authority bases a non-entry and removal decision on an incomplete factual record and the omitted investigations require a substantial evidentiary inquiry, the appellate court may annul the decision and remit the matter instead of completing the evidence itself. In asylum proceedings, a remand counts as full success for the purposes of costs and party compensation. Court costs are then not levied, and the successful represented party is entitled to compensation under Art. 64 VwVG and the VGKE; the amount may be reduced if the claimed effort appears excessive (consid. 2–4).

Texto completo

BVGer E-2282/2013

Entscheiddatum: 07.03.2014Publikationsdatum: 20.03.2014

BundesverwaltungsgerichtTribunal administratif fédéralTribunale amministrativo federaleTribunal administrativ federal Abteilung VE-2282/2013

Urteil vom 7. März 2014 Besetzung Einzelrichter Walter Stöckli,mit Zustimmung von Richter Daniele Cattaneo; Gerichtsschreiber Tobias Grasdorf. Parteien A._______, geboren am (...), Sri Lanka, vertreten durch Stefan Hery, HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende SG/AI/AR ,Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz . Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 12. April 2013 / N (...).

Sachverhalt:

A. Der Beschwerdeführer, ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie, suchte am 20. Juni 2012 in der Schweiz um Asyl nach. Am 2. Juli 2012 wurde er zu seiner Person befragt und am 14. Februar 2013 zu seien Asylgründen angehört.

B. Mit Verfügung vom 12. April 2013 trat das BFM nicht auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers ein, wies ihn aus der Schweiz weg und ordnete den Wegweisungsvollzug an.

C. Mit Eingabe vom 23. April 2013 reichte der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragte, die Verfügung sei aufzuheben und die Sache zur materiellen Prüfung der Asylgründe respektive der Flüchtlingseigenschaft und der Wegweisungshindernisse an das BFM zurückzuweisen.

In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.

D. Am 24. April 2013 reichte der Beschwerdeführer eine Fürsorgebestätigung zu den Akten.

E. Mit Zwischenverfügung vom 30. April 2013 hiess das Bundesverwaltungsgericht das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gut und lud das BFM zur Vernehmlassung ein. Am 16. Mai 2013 nahm das BFM zur Beschwerde Stellung und am 3. Juni 2013 replizierte der Beschwerdeführer.

F. Mit Eingaben vom 26. April 2013 und vom 24. September 2013 reichte der Beschwerdeführer weitere Beweismittel, teilweise mit Übersetzung, ein und korrigierte mit Schreiben vom 30. September 2013 einen Übersetzungsfehler.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme i.S. von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel - wie auch vorliegend - endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]; Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]).

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer­deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).

1.4 Die Beschwerde ist im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters zu behandeln, weil sie sich im Ergebnis als offensichtlich begründet erweist (Art. 111 Bst. e AsylG).

2.1 Die Vorinstanz ist in Verfahren, die Staatsangehörige Sri Lankas tamilischer Ethnie betreffen, systematisch dazu übergegangen, keine Ausreisefristen mehr zu verhängen und bereits angeordnete Ausreisefristen aufzuheben. Faktisch zieht sie damit sämtliche Verfahren (auch solche im Vollzugsstadium) in Wiedererwägung, und zwar unbesehen der konkreten Umstände im Einzelfall. Das vorinstanzliche Vorgehen geht auf zwei im August 2013 bekannt gewordene Vorfälle sri-lankischer Rückkehrer zurück, welche in der Schweiz jeweils erfolglos ein Asylverfahren durchlaufen haben und weggewiesen wurden. Die sri-lankischen Behörden haben die tamilischen Rückkehrer bei der Wiedereinreise in Haft genommen. Daraufhin stellte die Vorinstanz in Aussicht, die beiden Vorfälle und eine allfällige Veränderung der allgemeinen Situation und insbesondere die Lage der Rückkehrenden in Sri Lanka vertieft abzuklären. Hierfür ersuchte sie das Uno-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR), die beiden Fälle einer Qualitätsprüfung zu unterziehen sowie anschliessend die Dossiers jener Personen zu überprüfen, deren Gesuche rechtskräftig abgelehnt worden sind und die mit der Rückführung nach Sri Lanka hätten rechnen müssen.

Die Vorinstanz geht damit davon aus, dass der Sachverhalt, wie er der Verfügung vom 12. April 2013 zugrunde liegt, offensichtlich nicht vollständig festgestellt ist. Denn es besteht kein Zweifel, dass eine neue Lagebeurteilung vor Ort sich im Wegweisungsvollzugspunkt auf die konkrete Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts auswirken kann.

2.2 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsachen festgestellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzuführen ist. Die Beschwerdeinstanz kann die in diesen Fällen fehlende Entscheidungsreife zwar grundsätzlich selbst herstellen, wenn dies im Einzelfall aus prozessökonomischen Gründen angebracht erscheint; sie muss dies aber nicht (vgl. BVGE 2012/21 E. 5). Vorliegend liegt der Mangel in einer unvollständigen Sachverhaltsfeststellung, wobei die unterbliebenen notwendigen Abklärungen eine relativ aufwändige und umfangreiche Beweiserhebung darstellen, weshalb sich eine Kassation der angefochtenen Verfügung rechtfertigt. Im Übrigen bleibt auf diese Weise der Instanzenzug erhalten, was umso wichtiger ist, als das Bundesverwaltungsgericht letztinstanzlich entscheidet.

  1. Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen. Die angefochtene Verfügung ist aufzuheben und die Sache zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung sowie zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die vor­instanzlichen Akten sowie das Beschwerdedossier, das ebenfalls Prozessstoff des vorinstanzlichen Verfahrens bilden wird, werden dem BFM zugestellt. Auf die weiteren Vorbringen in der Rechtsmitteleingabe ist aufgrund der vorliegenden Kassation zum heutigen Zeitpunkt nicht näher einzugehen.

4.1 Die Rückweisung gilt praxisgemäss für die Frage der Auferlegung der Gerichtskosten und die Ausrichtung einer Parteientschädigung als vollständiges Obsiegen, unabhängig davon, ob sie überhaupt beantragt oder ob das entsprechende Begehren im Haupt- oder im Eventualantrag gestellt wird (vgl. BGE 137 V 210 E. 7.1, BGE 133 V 450 E. 13, je m.w.H.; Urteile des Bundesverwaltungsgericht E-1209/2011 vom 8. November 2011, D-4751/2009 vom 22. September 2010 und D-62/2010 vom 14. Januar 2010).

4.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).

4.3 Dem obsiegenden und vertretenen Beschwerdeführer ist zulasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung für die ihm erwachsenen notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten zuzusprechen (Art. 64 Abs.1 VwVG i.V.m. Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos­ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers reichte am 3. Juni 2013 eine Kostennote in der Höhe von Fr. 2000.- ein (10 Stunden Arbeitsaufwand bei einem Stundenansatz von Fr. 200.- sowie Fr. 30.- Spesenpauschale). Der ausgewiesene Zeitaufwand erscheint im Vergleich zu ähnlichen Beschwerdeverfahren als etwas hoch. Die vom BFM auszurichtende Parteientschädigung wird in Anwendung der einschlägigen Bestimmungen (Art. 9 ff. VGKE) auf insgesamt Fr. 1600.- festgesetzt.

(Dispositiv nächste Seite)

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

  1. Die Beschwerde wird gutgeheissen.

  2. Die Verfügung des BFM 12. April 2013 wird aufgehoben und die Sache im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen.

  3. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

  4. Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 1600.- (inkl. Auslagen) auszurichten.

  5. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale Migrationsbehörde.

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Walter Stöckli Tobias Grasdorf

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Palavras-chave

asylumnon-entry decisionremandincomplete fact-findingTamil returneesparty compensationcourt costsappeal admissibility

Extraído pela Omnilex

Questão jurídica principal

Whether the appeal against the BFM non-entry asylum decision and removal order was admissible and within jurisdiction.

Decisão extraída

The appeal was admissible and the Federal Administrative Court had jurisdiction.

Fundamentação extraída

The decision was a reviewable federal administrative act in the asylum field; the appeal met time and form requirements and the appellant had standing.

Questão jurídica principal

Whether the BFM decision had to be annulled and the case remanded because the factual findings were incomplete.

Decisão extraída

Yes. The decision had to be set aside and sent back for full fact-finding and a new decision.

Fundamentação extraída

The BFM had effectively reopened many Sri Lankan Tamil returnee cases after new events and a broader situation reassessment. This meant the original factual basis was no longer complete; further factual investigations were extensive and should be carried out by the first instance.

Questão jurídica principal

Whether court costs should be charged.

Decisão extraída

No court costs were imposed.

Fundamentação extraída

Because the appellant fully prevailed through remand, no procedural costs were to be levied.

Questão jurídica principal

Whether the appellant was entitled to party compensation.

Decisão extraída

Yes, a reduced party compensation of CHF 1,600 was awarded against the BFM.

Fundamentação extraída

The represented and successful appellant was entitled to necessary costs, but the claimed amount was reduced as somewhat excessive compared with similar cases.

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