Asylum case remanded for new internal flight alternative assessment

d-3867-2010Tribunal Administrativo Federal / Divisão 430 de mai. de 2012Granted

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An Afghan asylum seeker appealed the BFM’s refusal of asylum and removal order, arguing that he had worked as an interpreter for US forces and faced danger in his home area. The Federal Administrative Court held that the first-instance authority had relied on an internal flight alternative without examining its reasonableness under the newer case law. It therefore upheld the BFM’s request to remand, annulled the decision, and sent the case back for further clarification and reassessment. No court costs were charged, and the applicant received CHF 2,800 in party compensation.

Sumário Omnilex

Art. 105 AsylG; Art. 31-33 VGG; internal flight alternative: where the asylum authority relies on an internal protection alternative, it must examine not only the factual accessibility of the place of refuge but also its reasonableness in the individual case (consid. on new case law). If this assessment is lacking, the appellate court may annul the decision and remand the matter for further factual findings and new adjudication. In summary proceedings under Art. 111 lit. e AsylG and Art. 111a Abs. 2 AsylG, the court may decide summarily when the complaint is manifestly well founded. Upon remand, no court costs are levied; party compensation is awarded according to the cost note if justified.

Texto completo

BVGer D-3867/2010

Entscheiddatum: 30.05.2012Publikationsdatum: 07.06.2012

BundesverwaltungsgerichtTribunal administratif fédéralTribunale amministrativo federaleTribunal administrativ federal Abteilung IVD-3867/2010

Urteil vom 30. Mai 2012 Besetzung Einzelrichter Bendicht Tellenbach,mit Zustimmung von Richterin Gabriela Freihofer;Gerichtsschreiber Linus Sonderegger. Parteien A._______, geboren am (...),Afghanistan, vertreten durch lic. iur. Donato Del Duca, Rechtsanwalt, (...),Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM),Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz . Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 27. April 2010 / N (...).

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,

dass der Beschwerdeführer aus Afghanistan stammt und eigenen Angaben zufolge am 8. August 2009 in die Schweiz einreiste, wo er am 10. August 2009 um Asyl nachsuchte,

dass er anlässlich der Kurzbefragung im Empfangs- und Verfahrenszentrum Basel vom 18. August 2009 sowie der direkten Anhörung vom 31. August 2009 zur Begründung des Asylgesuchs im Wesentlichen geltend machte, er habe 2008 als Dolmetscher für die US-Streitkräfte gearbeitet und dieser Umstand sei in seinem Dorf bekannt geworden, wodurch sein Leben in Gefahr sei,

dass das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers mit Verfügung vom 27. April 2010 - eröffnet am 28. April 2010 - ablehnte und die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug anordnete,

dass das BFM zur Begründung im Wesentlichen anführte, die geltend gemachten Nachteile seien lokal begrenzt und dem Beschwerdeführer stehe eine innerstaatliche Fluchtalternative in Kabul offen,

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 28. Mai 2010 gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und dabei beantragte, die Verfügung des BFM sei aufzuheben und dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren,

dass eventualiter die vorläufige Aufnahme anzuordnen sei,

dass in prozessualer Hinsicht die unentgeltliche Rechtspflege sowie die unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu gewähren sei,

dass mit Zwischenverfügung vom 10. Juni 2010 die unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) gewährt, die unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Sinne von Abs. 2 der selben Bestimmung jedoch abgelehnt wurde,

dass das BFM in der ersten Vernehmlassung vom 6. Juli 2010 vollumfänglich an seinen Anträgen und Erwägungen festhielt,

dass mit Zwischenverfügung vom 2. Mai 2012 dem BFM die Gelegenheit gegeben wurde, eine ergänzende Stellungnahme abzugeben,

dass das BFM in der zweiten Vernehmlassung beantragte, der Asylentscheid vom 27. April 2010 sei aufzuheben und zwecks weiteren Abklärungen und Neubeurteilung an das BFM zurückzuweisen,

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls - Ausnahmen vorbehalten - endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen entscheidet (Art. 5 VwVG; Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31] i.V.m. Art. 31 - 33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass über offensichtlich begründete Beschwerden in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass das BFM die individuellen Vorbringen des Beschwerdeführers nicht eingehend geprüft hat, da es von einer innerstaatlichen Fluchtalternative ausgegangen ist,

dass im Lichte der neuen Rechtsprechung (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts BVGE D-4935/2007 vom 21. Dezember 2011) bei der innerstaatlichen Fluchtalternative auch eine Zumutbarkeitsprüfung vorzunehmen ist,

dass dem BFM daher die Möglichkeit zu eröffnen ist, den vorliegenden Fall unter diesen Aspekten neu zu beurteilen und etwaige weitere Abklärungen vorzunehmen,

dass demzufolge dem Antrag der Vorinstanz auf Rückweisung des Verfahrens stattzugeben ist,

dass mithin der Asylentscheid vom 27. April 2010 aufzuheben und das Verfahren zur weiteren Abklärung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen ist,

dass keine Verfahrenskosten zu erheben sind,

dass dem Beschwerdeführer in Übereinstimmung mit der eingereichten Kostennote Fr. 2'800.- (inkl. Mehrwertsteuer) als Parteientschädigung zu bezahlen sind.

(Dispositiv nächste Seite)

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

  1. Die Verfügung des BFM vom 27. April 2010 wird aufgehoben und das Verfahren zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückgewiesen.

  2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

  3. Dem Beschwerdeführer wird eine Parteientschädigung von Fr. 2'800.- zugesprochen, die ihm durch das BFM zu entrichten ist.

  4. Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständige kantonale Behörde.

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Bendicht Tellenbach Linus Sonderegger

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Palavras-chave

asyluminternal flight alternativereasonablenessremandparty compensationcourt costs

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Questão jurídica principal

Whether the asylum refusal and removal order had to be annulled because the internal flight alternative was assessed without considering reasonableness.

Decisão extraída

Yes. In light of the new case law, the authority had to examine not only the availability but also the reasonableness of an internal flight alternative and make further factual findings if necessary.

Fundamentação extraída

The BFM did not examine the applicant's individual allegations in depth because it assumed a Kabul alternative. The court held that newer jurisprudence requires a reasonableness assessment as well, so the case must be reconsidered by the first-instance authority.

Questão jurídica principal

Who bears the costs of the appeal and whether party compensation is due.

Decisão extraída

No procedural costs were charged, and the applicant was awarded CHF 2,800 in party compensation payable by the BFM.

Fundamentação extraída

Because the appeal succeeded and the matter was remanded for new assessment, no court costs were imposed; the submitted cost note justified compensation.

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