Recusal of federal investigating judge denied as untimely and unfounded

BA.2010.4Tribunal Penal Federal15 de jun. de 2010Dismissed

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The Federal Criminal Court’s I. Criminal Chamber dealt with an application to recuse a federal investigating judge in an ongoing fraud investigation. The applicant relied on a newspaper article quoting the judge and on the short-notice scheduling of interrogations. The court held that the challenge based on the article was untimely because recusal must be sought immediately after learning of the ground. It also found no objective appearance of bias: the quoted remarks were not made directly by the judge, and the scheduling of hearings did not support impartiality concerns. The application was dismissed and a court fee of CHF 500 was imposed on the applicant.

Sumário Omnilex

Art. 36 Abs. 1 BGG; recusal must be invoked without delay once the party knows the ground alleged, failing which the objection is forfeited. Mere media reports do not, without more, establish bias, especially where the statements do not originate directly from the judicial officer and the officer exercises no adjudicative function in the pending proceedings. A bias appearance may not be inferred lightly; procedural scheduling measures, absent additional concrete indications, do not suffice to justify recusal (consid. 2). Costs follow the result under Art. 245 BStP and Art. 66 BGG.

Texto completo

Entscheid vom 15. Juni 2010 I. Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Tito Ponti, Vorsitz, Emanuel Hochstrasser und Joséphine Contu, Gerichtsschreiber Stefan Graf

Parteien

A., vertreten durch Rechtsanwalt Markus Raess,

Gesuchsteller

gegen

B., Eidg. Untersuchungsrichter,

Gesuchsgegner

Gegenstand Ausstand des Eidg. Untersuchungsrichters (Art. 99 Abs. 2 BStP i.V.m. Art. 34 ff. BGG und Art. 28 Abs. 1 lit. c SGG)

Bundesstrafgericht Tribunal pénal fédéral Tribunale penale federale Tribunal penal federal Geschäftsnummer: BA.2010.4

  • 2 -

Die I. Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:

  • der Gesuchsgegner mit der Führung der gegen den Gesuchsteller und ge- gen weitere Mitbeschuldigte wegen des Verdachts des gewerbsmässigen Betrugs gemäss Art. 146 Abs. 2 StGB geführten Voruntersuchung betraut ist;

  • der Gesuchsteller mit Gesuch vom 31. Mai 2010 beantragt, der Gesuchs- gegner habe in der gegen ihn geführten Voruntersuchung in den Ausstand zu treten, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates (act. 1);

  • der Gesuchsgegner am 7. Juni 2010 zum gegen ihn gerichteten Aus- standsgesuch Stellung nimmt und dessen Abweisung beantragt (act. 2);

  • das Ausstandsgesuch zusammen mit der erwähnten Stellungnahme am

  1. Juni 2010 der I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts zum Ent- scheid weitergeleitet wurde (act. 3);
  • gemäss Art. 99 Abs. 2 BStP für die Behandlung von Ausstandsbegehren gegen einen Eidgenössischen Untersuchungsrichter die Bestimmungen über den Ausstand von Gerichtspersonen (Art. 34 ff. BGG) Anwendung fin- den;

  • der Gesuchsteller unter Hinweis auf Art. 34 Abs. 1 lit. e BGG zur Begrün- dung seines Ausstandsbegehrens einerseits geltend macht, aufgrund in ei- nem Zeitungsartikel vom 15. April 2010 (act. 1.1) wiedergegebener Äusse- rungen des Gesuchsgegners seien objektive Anhaltspunkte gegeben, wo- nach dieser nicht unvoreingenommen sei bzw. wonach dieser nicht für ein faires Verfahren garantiere, zumal dieser Eindruck durch die gegen Ende des Monats Mai 2010 erfolgte, kurzfristige Ansetzung einer Reihe von Ein- vernahmeterminen (vgl. act. 1.3 bis 1.9) weiter verstärkt worden sei;

  • gemäss Art. 36 Abs. 1 BGG ein Ausstandsbegehren zu stellen ist, sobald die Partei vom Ausstandsgrund Kenntnis erhalten hat;

  • wer eine Gerichtsperson nicht unverzüglich ablehnt, sobald er vom Ableh- nungsgrund Kenntnis erlangt, seinen Ablehnungsanspruch verwirkt (vgl. hierzu den Entscheid des Bundesstrafgerichts SN.2009.3 vom 24. März 2009, E. 2.2 m.w.H.);

  • 3 -

  • die unter Bezugnahme auf den Zeitungsartikel vom 15. April 2010 vorge- brachten Ablehnungsgründe erst am 31. Mai 2010 und daher verspätet er- hoben worden sind;

  • im Übrigen die vorgebrachten Gründe auch keinen Ablehnungsgrund dar- stellen, nachdem eine Befangenheit im Interesse der beförderlichen Rechtspflege nicht leichthin angenommen werden darf (vgl. hierzu TPF 2009 84 E. 2.2 S. 87 f.), die kritisierten Äusserungen in den Medien nicht direkt vom Gesuchsgegner stammen und dem Gesuchsgegner im Rahmen des gegen den Gesuchsteller geführten Verfahrens auch keine sachrichterliche, urteilende Funktion zukommt;

  • hinsichtlich der erfolgten Ansetzungen der Einvernahmetermine keine Gründe zur Annahme einer Befangenheit des Gesuchsgegners bestehen, nachdem sich die vom Gesuchsteller hiergegen erhobene Beschwerde als sofort unzulässig bzw. unbegründet erwies (vgl. den Entscheid des Bun- desstrafgerichts BB.2010.45 vom 2. Juni 2010);

  • die vom Gesuchsteller vorgebrachten angeblichen Ausstandsgründe offen- kundig nicht gegeben sind und sich das Ausstandsgesuch damit sofort als unbegründet im Sinne von Art. 219 Abs. 1 BStP erweist;

  • der Gesuchsteller bei diesem Ausgang des Verfahrens die Gerichtskosten zu tragen hat (Art. 245 Abs. 1 BStP i.V.m. Art. 66 Abs. 1 BGG);

  • die Gerichtsgebühr auf Fr. 500.-- festgesetzt wird (Art. 245 Abs. 2 BStP und Art. 3 des Reglements vom 11. Februar 2004 über die Gerichtsgebühren vor dem Bundesstrafgericht; SR 173.711.32);

  • 4 -

und erkennt:

  1. Das Gesuch wird abgewiesen.

  2. Die Gerichtsgebühr von Fr. 500.-- wird dem Gesuchsteller zur Bezahlung auferlegt.

Bellinzona, 16. Juni 2010

Im Namen der I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Zustellung an

  • Rechtsanwalt Markus Raess
  • Eidg. Untersuchungsrichteramt

Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.

Palavras-chave

recusalbiasforfeiturecriminal investigationcoststimeliness

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Questão jurídica principal

Whether the recusal request was filed in time after learning of the alleged ground for bias.

Decisão extraída

The request based on the newspaper article of 15 April 2010 was raised only on 31 May 2010 and was therefore late.

Fundamentação extraída

Under Art. 36(1) BGG, recusal must be sought immediately after knowledge of the ground; failure to do so leads to forfeiture of the right to object.

Questão jurídica principal

Whether the cited statements and hearing schedule established a recusal ground for bias.

Decisão extraída

No recusal ground was shown.

Fundamentação extraída

Bias may not be readily presumed; the contested media statements did not come directly from the respondent, who also had no judicial decision-making function in the proceedings, and the hearing scheduling did not indicate bias.

Questão jurídica principal

Who bears the costs of the recusal proceedings.

Decisão extraída

The applicant must pay the court fee of CHF 500.

Fundamentação extraída

As the request was unsuccessful, costs were charged to the applicant.

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