Erlass of criminal procedural costs under Art. 425 StPO

SB.2017.60Tribunal Superior / Juiz Singular4 de fev. de 2019Granted

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A convicted person requested remission of outstanding procedural costs and conversion of a fine into community service. The Appellationsgericht Basel-Stadt held that its single judge was competent to decide the cost remission request under Art. 425 StPO, while the conversion request had to be handled by the correctional authority. On the merits, the court found the applicant to be severely indebted, dependent on social welfare, and unable to repay for a long time. It therefore granted full remission of the first-instance costs of CHF 12,209.70 and also remitted the separately invoiced appellate fee of CHF 800. The remission proceeding itself was free of charge.

Sumário Omnilex

Art. 425 StPO; remission of procedural costs; financial hardship; competence of the appellate court's single judge. Procedural-cost claims may be suspended, reduced or remitted where the debtor's financial situation renders the burden unreasonable, in particular where debt levels and lack of prospects endanger rehabilitation or future economic recovery. The competent authority may grant remission ex officio; a formal request is not indispensable. In Canton Basel-Stadt, absent delegation, the court that last fixed the costs decides the request, and the appellate court's single judge is functionally competent for subsequent remission (consid. 1–2). The remission proceeding may be ordered free of charge (consid. 3).

Texto completo

Appellationsgericht

des Kantons Basel-Stadt

Einzelgericht

SB.2017.60

ENTSCHEID

vom 31. Januar 2019

Mitwirkende

lic. iur. Christian Hoenen

und Gerichtsschreiber lic. iur. Christian Lindner

Beteiligte

A____, geb. [...] Gesuchsteller

[...]

Gegenstand

Gesuch um Erlass der erstinstanzlichen Verfahrenskosten

Sachverhalt

Mit Schreiben vom 13. Dezember 2018 wandte sich A____ (nachfolgend Gesuchsteller) an das Inkasso des Justiz- und Sicherheitsdepartements und stellte „Antrag auf Erlass oder Teilerlass mit Umwandlung zur Gemeinnützigen Arbeit“ betreffend die Urteile SB.2017.60 des Appellationsgerichts sowie SG.2013.00348 des Strafgerichts. Hintergrund des Gesuchs ist die Forderung der Inkassostelle vom 8. Dezember 2018 (2. Mahnung) über CHF 12‘439.70, die sich aus Verfahrenskosten des Strafgerichts (CHF 11‘609.70), CHF 300.‒ Busse und CHF 600.‒ Gebühren abzüglich verrechnetem Guthaben von CHF 70.‒ zusammensetzt. Die Bewährungshilfe des Amts für Justizvollzug unterstützt die Anträge mit Schreiben vom 24. Januar 2019.

Erwägungen

1.1 Gemäss Art. 425 der Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO, SR 312.0) können Forderungen aus Verfahrenskosten unter bestimmten Voraussetzungen gestundet, herabgesetzt oder erlassen werden. Zuständig für den Entscheid ist nach der genannten Bestimmung die Strafbehörde. Die Kantone sind indessen befugt, neben den Strafbehörden auch anderen Behörden wie beispielsweise Gerichtsverwaltungen oder Inkassostellen der Strafbehörden die Befugnis der Stundung oder des Erlasses von Kosten einzuräumen (Domeisen, in: Basler Kommentar zur Strafprozessordnung, 2. Auflage 2014, Art. 425 N 2). Im Kanton Basel-Stadt besteht keine solche Delegation (vgl. § 44 Gesetz über die Einführung der StPO, EG StPO, SG 257.100), so dass das Gesuch um Erlass der Verfahrenskosten von dem Gericht zu entscheiden ist, welches als letzte kantonale Instanz die Tragung der Verfahrenskosten festgelegt hat. Die funktionelle Zuständigkeit innerhalb des Gerichts ist seit dem 1. Juli 2016 im revidierten Gerichtsorganisationsgesetz (GOG, SG 154.100) geregelt, welches in § 43 Abs. 3 die Einzelrichterin oder den Einzelrichter zum nachträglichen Erlass der Verfahrenskosten für zuständig erklärt (statt vieler: AGE SB.2013.96 vom 9. September 2016, SB.2014.107 vom 25. August 2016). Das Berufungsurteil vom 27. August 2016 wurde durch das Appellationsgericht erlassen, weshalb zur Behandlung des Kostenerlassgesuchs dessen Einzelrichter zuständig ist.

1.2 Nicht zuständig ist das Appellationsgericht für eine allfällige Umwandlung der Busse in gemeinnützige Arbeit. Dies ist durch Amt für Justizvollzug, Abteilung Straf- und Massnahmenvollzug, zu bewilligen.

2.1 Art. 425 StPO schafft die Möglichkeit, Forderungen aus Verfahrenskosten zu stunden oder, unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Verhältnisse der kostenpflichtigen Person, herabzusetzen oder zu erlassen. Für eine Herabsetzung oder einen Erlass müssen die wirtschaftlichen Verhältnisse der kostenpflichtigen Person derart angespannt sein, dass eine (ganze oder teilweise) Kostenauflage unbillig erscheint. Das ist dann der Fall, wenn der Betroffene mittellos ist oder die Höhe der Kosten zusammen mit seinen übrigen Schulden seine Resozialisierung beziehungsweise sein finanzielles Weiterkommen ernsthaft gefährden kann (Domeisen, in: Basler Kommentar, 2. Auflage 2014, Art. 425 StPO N 4; vgl. statt vieler AGE SB.2013.96 vom 9. September 2016).

2.2 Der Antragsteller hat in der Begründung seines Gesuchs dargetan, dass er hoch verschuldet ist und nach seiner bedingten Entlassung aus dem Strafvollzug auf Unterstützung durch die Sozialhilfe angewiesen und nicht in der Lage sein wird, seine Schulden zu bedienen. Bezüglich seiner Schulden werden die Angaben durch den Betreibungsregisterauszug gestützt, in welchem Betreibungen im Betrag von CHF 21‘357.20 und offene Verlustscheine im Betrag von CHF 44‘697.75 vermerkt sind. Zudem wird von Seiten der Bewährungshilfe bestätigt, dass eine Rückzahlung für lange Zeit unmöglich sein wird. Unter diesen Umständen ist dem Gesuch zu entsprechen, und die erstinstanzlichen Kosten von CHF 12‘209.70 (inkl. Urteilsgebühr) sind zu erlassen.

Die anwendbare Bestimmung von Art. 425 StPO setzt für den Erlass einer Forderung nicht zwingend ein entsprechendes Gesuch voraus, weshalb aus den genannten Gründen auch die mit gleichem Urteil auferlegte reduzierte Urteilsgebühr des Appellationsgerichts von CHF 800.‒, welche A____ separat in Rechnung gestellt worden ist (Rechnung […]), erlassen wird.

Das Gesuchsverfahren ist kostenlos.

Demgemäss erkennt das Appellationsgericht (Einzelgericht):

://: Das Gesuch um Erlass der Verfahrenskosten von CHF 12‘209.70 wird gutgeheissen. Zusätzlich wird die zweitinstanzliche Urteilsgebühr von CHF 800.‒ erlassen.

Für das Erlassverfahren werden keine Kosten erhoben.

Mitteilung an:

Gesuchsteller

Zentrales Rechnungswesen Gerichte Basel-Stadt

Justiz und Sicherheitsdepartement, Finanzen und Controlling

APPELLATIONSGERICHT BASEL-STADT

Der Präsident Der Gerichtsschreiber

lic. iur. Christian Hoenen lic. iur. Christian Lindner

Rechtsmittelbelehrung

Gegen diesen Entscheid kann unter den Voraussetzungen von Art. 78 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG) innert 30 Tagen seit schriftlicher Eröffnung Beschwerde in Strafsachen erhoben werden. Die Beschwerdeschrift muss spätestens am letzten Tag der Frist beim Bundesgericht (1000 Lausanne 14) eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen Post oder einer diplomatischen oder konsularischen Vertretung der Schweiz im Ausland übergeben werden (Art. 48 Abs. 1 BGG). Für die Anforderungen an den Inhalt der Beschwerdeschrift wird auf Art. 42 BGG verwiesen. Über die Zulässigkeit des Rechtsmittels entscheidet das Bundesgericht.

Palavras-chave

procedural costsremissionfinancial hardshipindebtednesscompetencefree of chargecriminal procedure

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Questão jurídica principal

Whether the Appellationsgericht was competent to decide the request for remission of procedural costs.

Decisão extraída

The single judge of the Appellationsgericht was competent to decide the remission request because the appellate judgment had been issued by that court and no delegation to another body existed in Basel-Stadt.

Fundamentação extraída

Art. 425 StPO allows the criminal authority to grant relief; under the cantonal rules, the single judge is competent for later remission of procedural costs decided by the appellate court.

Questão jurídica principal

Whether the procedural costs should be remitted due to the applicant's financial situation.

Decisão extraída

The first-instance procedural costs were remitted in full because the applicant was heavily indebted and repayment would seriously jeopardize his financial rehabilitation.

Fundamentação extraída

The applicant substantiated severe indebtedness with debt-enforcement records and the probation service confirmed that repayment would be impossible for a long time; under Art. 425 StPO this made the cost burden unreasonable.

Questão jurídica principal

Whether the reduced appellate court fee should also be remitted without a separate request.

Decisão extraída

The reduced appellate court fee was also remitted even though no separate request was required.

Fundamentação extraída

Art. 425 StPO does not require a formal request for remission; the same financial grounds justified remission of the separately invoiced appellate fee.

Questão jurídica principal

Whether any costs should be charged for the remission proceedings.

Decisão extraída

No costs were charged for the remission proceedings.

Fundamentação extraída

The remission proceeding itself was declared free of charge.

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