Pre-trial detention request inadmissible without prior interrogation

350 15 183Tribunal Penal / Câmara Penal19 de jun. de 2015Inadmissible

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Resumo Omnilex

The Basel-Landschaft coercive measures court held that a request to replace substitute measures with pre-trial detention is premature if the accused has not yet been questioned in proceedings under Art. 224 StPO. The court rejected the prosecutor's request to order police presentation of the accused for the detention hearing, reasoning that such presentation is not the task of the coercive measures court. It therefore did not enter into the detention request and indicated that the prosecutor must first initiate the proper procedure.

Sumário Omnilex

Art. 237 Abs. 5 StPO; Art. 224 StPO; replacement of substitute measures by pre-trial detention; procedural requirements. When substitute measures are to be revoked and detention ordered instead, the prosecutor must initiate detention proceedings in the manner provided by the Code and first question the accused. The coercive measures court is not competent to procure police presentation of the accused for a detention hearing. In the absence of prior questioning, the detention request is premature and not capable of entering into consideration; an analogy to Art. 228 Abs. 4 StPO is permissible for the handling of such requests (consid. 3 ff.).

Texto completo

Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts vom 19. Juni 2015 2015 (350 15 401)

Zwangsmassnahmengericht Basel-Landschaft www.bl.ch/zmg

19. Juni 2015

Anordnung U-Haft

Verfahren bei Verletzung von Ersatzmassnahmen

Soll Anstelle von Ersatzmassnahmen Untersuchungshaft angeordnet werden, so hat die Staatsanwaltschaft ein Verfahren gem. Art. 224 StPO einzuleiten.

In Erwägung, dass:

• die Staatsanwaltschaft, Hauptabteilung WK, gegen den Beschuldigten ein Verfahren wegen gewerbsmässigen Betrugs, Urkundenfälschung, Geldwäscherei und Widerhandlung gegen das UWG führt;

• das Zwangsmassnahmengericht am 27. März 2015 einen Antrag auf Anordnung von Untersuchungshaft abgewiesen und bis zum 27. Juni 2015 Ersatzmassnahmen („Berufsverbot“) angeordnet hat (350 15 183);

• das Kantonsgericht mit Beschluss vom 21. April 2015 eine Beschwerde der Staatsanwaltschaft abgewiesen hat;

• die Staatsanwaltschaft gegen den Entscheid des Kantonsgerichts eine Beschwerde an das Bundesgericht erhoben hat;

• die Staatsanwaltschaft am 18. Juni 2015 einen Antrag auf Anordnung von Untersuchungshaft und die polizeiliche Vorführungen des Beschuldigten, eventualiter die Verlängerung der Ersatzmassnahmen beantragt hat, da der Beschuldigte die Ersatzmassnahmen verletzt habe;

• gemäss Art. 237 Abs. 5 StPO das Gericht Ersatzmassnahmen jederzeit widerrufen, andere Ersatzmassnahmen oder die Untersuchungs- oder die Sicherheitshaft anordnen kann, wenn neue Umstände dies erfordern oder sich die beschuldigte Person die ihr gemachten Auflagen nicht erfüllt;

• das Verfahren gemäss Art. 237 Abs. 5 StPO nicht in der Strafprozessordnung geregelt ist und sich deshalb eine sinngemässe Anwendung von Art. 228 Abs. 4 StPO empfiehlt (NiklausSchmid, Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 2. Aufl., Zürich 2013, Art. 237 N 21);

• laut Art. 228 Abs. 4 StPO das Zwangsmassnahmengericht spätestens innert 5 Tagen nach Eingang der Replik bzw. nach Ablauf der in Abs. 3 genannten Frist in einer nicht öffentlichen Verhandlung entscheidet, ausser die beschuldigte Person verzichtet ausdrücklich auf eine mündliche Verhandlung;

• die Staatsanwaltschaft allerdings die polizeiliche Vorführung des Beschuldigten und die Gewährung des rechtlichen Gehörs erst zu diesem Zeitpunkt beantragt hat;

• gemäss Art. 207 Abs. 1 lit. c und d StPO Personen polizeilich vorgeführt werden können, wenn bei Verfahren wegen Verbrechen oder Vergehen ihr sofortiges Erscheinen im Interesse des Verfahrens unerlässlich oder sie eines Verbrechens oder Vergehens dringend verdächtigt wird und die Haftgründe zu vermuten sind;

• ein unverzügliches Erscheinen im Interesse des Verfahrens vor allem gegeben ist, wenn Flucht- der Kollusionsgefahr vorliegt, wobei beim Beschuldigten Art. 207 Abs. 1 lit. d StPO anzuwenden ist (UlrichWeder, in: Andreas Donatsch / Thomas Hansjakob / Viktor Lieber [Herausgeber], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl., Zürich 2014, Art. 207 N 23; PeterRüegger, in: Marcel Alexander Niggli / Marianne Heer / Hans Wiprächtiger [Herausgeber], Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, Jugendstrafprozessordnung, 2. Aufl., Basel 2014, Art. 207 N 6);

• gemäss Art. 207 Abs. 1 lit. d StPO Personen, die eines Verbrechens oder Vergehens dringend verdächtigt werden und die Haftgründe zu vermuten sind, ebenfalls polizeilich vorgeführt werden können;

• es sich dabei häufig um die Vorstufe zur Einleitung eines Haftverfahrens vor der Staatsanwaltschaft handelt (Rüegger, a.a.O., Art. 207 N 24 ff.);

• es demnach nicht die Aufgabe des Zwangsmassnahmengerichts ist, den Beschuldigten polizeilich zu einer Haftverhandlung vorführen zu lassen;

• die Staatsanwaltschaft, falls sie am Antrag auf Anordnung von Untersuchungshaft festhalten will, ein Verfahren gemäss Art. 224 StPO einzuleiten hat;

• somit auf den Antrag der Staatsanwaltschaft auf Anordnung von Untersuchungshaft nicht eingetreten werden kann, da sie bisher den Beschuldigten nicht befragt hat (Art. 224 Abs. 1 StPO);

Gegen diesen Entscheid hat die Staatsanwaltschaft eine Beschwerde an das Kantonsgericht, Abteilung Strafrecht, erhoben. Diese Beschwerde ist mit Beschluss vom 4. August 2015 abgewiesen worden. Mit Urteil vom 21. Oktober 2015 ist das Schweizerische Bundesgericht auf eine Beschwerde der Staatsanwaltschaft nicht eingetreten ( 1B_312/2015  ).

Palavras-chave

pre-trial detentionsubstitute measuresnon-entryquestioning of accusedpolice presentationcoercive measures court

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Questão jurídica principal

Whether the request for pre-trial detention could be entered into without the prosecutor first following the procedure under Art. 224 StPO and questioning the accused.

Decisão extraída

The court could not enter into the detention request; if the prosecutor wished to pursue detention, it had to initiate proceedings under Art. 224 StPO first.

Fundamentação extraída

When substitute measures are to be revoked and detention ordered instead, the Code does not regulate the procedure expressly. The court held that a by analogy application of Art. 228 Abs. 4 StPO is appropriate and that it is not the court's task to have the accused brought by police for a detention hearing. Because the accused had not yet been questioned, the detention request was premature.

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