Revision granted due to overlooked indigence in legal aid ruling

6F_10/2014Tribunal Federal / Divisão Penal20 de mai. de 2014Granted

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Resumo Omnilex

The Federal Supreme Court allowed a revision request against its judgment 6B_836/2013. It held that it had inadvertently overlooked facts in the file showing the respondent's indigence and the uncollectibility of the awarded party compensation. As a result, the dispositive section of the earlier judgment was reformulated: the criminal appeal remained inadmissible, the appellant's legal-aid request stayed rejected, the respondent was granted legal aid, Advokatin Evelyne Alder was appointed as official counsel, and compensation was ordered from the Federal Supreme Court treasury. No costs were charged for the revision proceedings; counsel received CHF 500 for the revision case.

Sumário Omnilex

Art. 121 lit. d BGG; revision for inadvertent failure to consider material facts in the record. Revision is available where the Federal Supreme Court overlooked an erhebliche Tatsache already contained in the file; it is not required that the party merely dispute the legal assessment. If the overlooked fact concerns the enforceability of a compensation claim and thus the mootness or merits of a legal-aid request, the dispositive section of the prior judgment must be amended accordingly (consid. 1-2). Where revision is granted, no court costs are levied for the revision proceedings, and appropriate compensation may be awarded from the Federal Supreme Court treasury (consid. 3).

Texto completo

{T 0/2}

6F_10/2014

Urteil vom 20. Mai 2014

Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Mathys, Präsident,
Bundesrichter Denys, Oberholzer,
Gerichtsschreiberin Siegenthaler.

Verfahrensbeteiligte
Y.________,
vertreten durch Advokatin Evelyne Alder,
Gesuchstellerin,

gegen

  1. X.________,
    vertreten durch Advokat Dr. Nicolas Roulet,

Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Stadt,
Gesuchsgegner.

Gegenstand
Revisionsgesuch gegen das Urteil des Schweizerischen Bundesgerichts 6B_836/2013 vom 24. Januar 2014.

Sachverhalt:

A.

Das Bundesgericht trat am 24. Januar 2014 auf eine von X.________ eingereichte Beschwerde in Strafsachen nicht ein (6B_836/2013). Sein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wies es infolge Aussichtslosigkeit der Beschwerde ab. Jenes von Y.________ (Beschwerdegegnerin 2) schrieb es als gegenstandslos ab, da X.________ zur Bezahlung einer Parteientschädigung verurteilt wurde.

B.

Mit Eingabe vom 4. April 2014 ersucht Advokatin Evelyne Alder sinngemäss um Revision des Urteils vom 24. Januar 2014 und Ausrichtung der ihr zugesprochenen Entschädigung aus der Gerichtskasse.

Da das Gesuch, wie sich aus den nachfolgenden Erwägungen ergibt, gutgeheissen werden kann und dies die Rechtsposition der übrigen Verfahrensbeteiligten nicht schmälert, wird auf die Einholung von Vernehmlassungen verzichtet.

Erwägungen:

1.

Nach Art. 121 lit. d BGG kann die Revision verlangt werden, wenn das Gericht in den Akten liegende erhebliche Tatsachen aus Versehen nicht berücksichtigt hat.

Advokatin Evelyne Alder führt zur Begründung des Gesuchs aus, dem Beschwerdeführer im Verfahren 6B_836/2013 sei vor Vorinstanz die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt worden. Er sei seit langem sozialhilfeabhängig, und Belege für seine Mittellosigkeit fänden sich in den Strafakten. Die Uneinbringlichkeit ihrer Forderung beim Beschwerdeführer sei demnach erwiesen. Aus diesem Grund sei ihr die zugesprochene Entschädigung aus der Gerichtskasse auszurichten.

Es trifft zu, dass die Mittellosigkeit des Beschwerdeführers im Verfahren 6B_836/2013 aus den entsprechenden Akten ersichtlich war. Sein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wurde im bundesgerichtlichen Verfahren wegen Aussichtslosigkeit der Beschwerde abgewiesen und nicht, weil die finanziellen Voraussetzungen nicht erfüllt gewesen wären. Die Uneinbringlichkeit der ihm zur Zahlung auferlegten Parteientschädigung hat das Gericht nicht berücksichtigt, als es das Gesuch der Beschwerdegegnerin 2 um unentgeltliche Rechtspflege als gegenstandslos abschrieb. Das Revisionsgesuch ist begründet.

2.

Der Beschwerdegegnerin 2 im Verfahren 6B_836/2013 ist die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen und Advokatin Evelyne Alder als amtliche Anwältin beizuordnen. Die dieser im Urteil 6B_836/2013 vom 24. Januar 2014 zugesprochene Entschädigung ist aus der Gerichtskasse zu bezahlen.

3.

Für das Revisionsverfahren sind keine Kosten zu erheben. Advokatin Evelyne Alder ist aus der Bundesgerichtskasse angemessen zu entschädigen.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.

Das Revisionsgesuch wird gutgeheissen.

2.

Das Dispositiv im Verfahren 6B_836/2013 wird wie folgt neu gefasst:

"1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

  1. Das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen.

  2. Die Gerichtskosten von Fr. 800.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

  3. Advokatin Evelyne Alder wird als unentgeltliche Anwältin der Beschwerdegegnerin 2 bestellt und für das bundesgerichtliche Verfahren mit Fr. 1'500.-- aus der Bundesgerichtskasse entschädigt.

  4. Dieses Urteil wird den Parteien und dem Appellationsgericht des Kantons Basel-Stadt, Appellationsgerichtspräsidentin, schriftlich mitgeteilt."

3.

Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

4.

Advokatin Evelyne Alder wird für das Revisionsverfahren mit Fr. 500.-- aus der Bundesgerichtskasse entschädigt.

5.

Dieses Urteil wird den Parteien und dem Appellationsgericht des Kantons Basel-Stadt, Appellationsgerichtspräsidentin, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 20. Mai 2014

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Mathys

Die Gerichtsschreiberin: Siegenthaler

Palavras-chave

revisionlegal aidindigenceoverlooked factsparty compensationcourt treasurycriminal procedure

Extraído pela Omnilex

Questão jurídica principal

Whether revision was warranted because the Court overlooked decisive facts in the file regarding the respondent's indigence and uncollectible party compensation.

Decisão extraída

Yes. The file showed the respondent's indigence, and the Court had failed to consider the uncollectibility of the compensation when declaring the legal-aid request moot.

Fundamentação extraída

Art. 121 lit. d BGG allows revision where the Court inadvertently fails to consider material facts in the record. The applicant's indigence was apparent from the criminal file, and the earlier refusal of legal aid was based on lack of prospects, not on financial means.

Questão jurídica principal

Whether the prior dispositive section in case 6B_836/2013 had to be revised regarding legal aid and counsel compensation.

Decisão extraída

Yes. The dispositive section was rewritten to grant legal aid to the respondent, appoint counsel, and order payment from the Federal Supreme Court treasury.

Fundamentação extraída

Because the overlooked fact affected the treatment of the legal-aid request, the dispositive section had to be reformulated accordingly.

Questão jurídica principal

Whether costs should be charged for the revision proceedings.

Decisão extraída

No court costs were imposed.

Fundamentação extraída

The revision was granted, so no costs were levied for the revision proceedings.

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