Youth liability for misuse of emergency numbers under municipal law

6B_741/2013Tribunal Federal / Divisão Penal19 de jun. de 2014Dismissed

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A youth appealed to the Federal Supreme Court after being convicted for repeatedly misusing emergency numbers under Winterthur's municipal police ordinance and ordered to perform one day of enforceable personal service. He argued that juvenile procedure did not apply to municipal offences, that the offence lacked a statutory basis, that the case was a bagatelle, that evidence had been wrongly refused, and that the sentence was disproportionate. The Federal Court rejected all arguments, denied free legal aid for lack of prospects, and imposed reduced court costs of CHF 200.

Sumário Omnilex

Art. 1 JStPO in conjunction with cantonal implementing law; Art. 15 Abs. 2 lit. b APV/W; Art. 21 Abs. 1 lit. b JStGB; Art. 64 and 66 BGG; competence, legality, bagatelle and anticipatory evidentiary assessment in youth proceedings. A canton may extend youth procedural law to cantonal and communal petty-offence law. A municipal provision prohibiting misuse of emergency calls satisfies the legality principle if it clearly defines the prohibited conduct. A bagatelle is excluded where repeated misuse of emergency numbers can impede urgent calls. Refusal to take evidence is permissible where anticipatory assessment shows it would not affect the outcome. Sentence review requires engagement with all relevant sentencing factors; mere comparison with a co-actor is insufficient. Legal aid is denied when the appeal lacks prospects of success.

Texto completo

{T 0/2}

6B_741/2013

Urteil vom 19. Juni 2014

Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Mathys, Präsident,
Bundesrichterin Jacquemoud-Rossari,
Bundesrichter Rüedi,
Gerichtsschreiber C. Monn.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
vertreten durch Y.________,
Beschwerdeführer,

gegen

Oberjugendanwaltschaft des Kantons Zürich, Tösstalstrasse 163, 8400 Winterthur,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Widerhandlung gegen die Allgemeine Polizeiverordnung der Stadt Winterthur,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich, II. Strafkammer, vom 14. Juni 2013.

Sachverhalt:

A.

X.________ (Jahrgang 2000) wird vorgeworfen, am 16. Juni 2012 zusammen mit einem anderen Jugendlichen von einer Telefonzelle in Oberwinterthur mehrmals missbräuchlich die Notrufnummern 117, 118 und 144 gewählt zu haben. Sobald das Telefon bedient worden sei, hätten sie ins Telefon gestöhnt und danach wieder aufgelegt. Dadurch sei der Dienstbetrieb der Einsatzzentrale Flughafen sowie der Polizei und der Sanität gestört worden.

B.

Der Jugendgerichtspräsident des Bezirksgerichts Winterthur verurteilte X.________ am 9. November 2012 wegen Missbrauchs von Notrufen (Art. 15 Abs. 2 lit. b der Allgemeinen Polizeiverordnung der Stadt Winterthur [APV/W]) zu einer vollziehbaren persönlichen Leistung von einem Tag (Art. 23 JStG).

Das Obergericht des Kantons Zürich wies die Berufung von X.________ am 14. Juni 2013 ab.

C.

X.________ erhebt Beschwerde in Strafsachen und beantragt zur Hauptsache, das Verfahren sei einzustellen.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.

Der Beschwerdeführer macht geltend, die Jugendstrafprozessordnung regle nur die Verfolgung und Beurteilung von Straftaten des Bundesrechts (Art. 1 JStPO). Die APV/W sei ein Gemeindeerlass, weshalb die Jugendstaatsanwaltschaft gar nicht hätte tätig werden dürfen.

Es trifft zwar zu, dass die JStPO Widerhandlungen Jugendlicher gegen kantonales oder kommunales Übertretungsrecht nicht erfasst ( HUG/SCHLÄFLI, Basler Kommentar, 3. Auflage, N 4 zu Art. 2 JStPO). Doch hat der Kanton Zürich die JStPO auch auf das Strafrecht des Kantons sowie auf das Übertretungsstrafrecht der Gemeinden anwendbar erklärt (§ 2 des Gesetzes über die Gerichts- und Behördenorganisation im Zivil- und Strafprozess vom 10. Mai 2010).

Der Beschwerdeführer bemüht auch den Grundsatz "nulla poena sine lege scripta". Art. 15 APV/W schützt die öffentliche Sicherheit und Ordnung und verbietet insbesondere, Notrufe zu missbrauchen (Abs. 2 lit. b). Inwiefern diese Formulierung dem angerufenen Grundsatz nicht genügen sollte, ist nicht nachvollziehbar.

2.

Die Jungen wählten während rund einer Stunde mehrfach verschiedene Notrufnummern und stöhnten dazu. Dadurch belegten sie diese unnötig, weshalb dringende Notrufe behindert werden konnten. Bei dieser Ausgangslage verneinte die Vorinstanz zu Recht einen Bagatellfall (Art. 21 Abs. 1 lit. b JStGB). Soweit der Beschwerdeführer den vorinstanzlichen Sachverhalt ergänzt oder von ihm abweicht, ohne Willkür darzutun, ist darauf nicht einzutreten.

Entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers ist die Strafverfolgung für die Öffentlichkeit nicht bloss von geringem Interesse, und die Sanktionen der Eltern hinterliessen bei ihm keinen genügenden Eindruck. Insoweit kann auf die vorinstanzlichen Ausführungen verwiesen werden (angefochtener Entscheid S. 7 f.).

3.

Der Beschwerdeführer macht geltend, sein Anspruch auf rechtliches Gehör sei verletzt, weil die Vorinstanz seinen Antrag, die Telefonprotokolle seien abzuspielen, abgewiesen habe.

Nach dem verbindlichen Sachverhalt sprachen die beiden Jungen nicht ins Telefon, sondern stöhnten nur. Deshalb durfte die Vorinstanz in willkürfreier antizipierter Beweiswürdigung festhalten, dass die Jungen nicht ohne Weiteres aufgrund ihres Stöhnens identifiziert werden könnten. Die Rüge ist unbegründet.

4.

Der Beschwerdeführer beanstandet, die Strafe sei nicht verhältnismässig, weil der um zwei Jahre ältere Mitbeteiligte dieselbe Sanktion erhalten habe.

Das Strafmass hängt nicht allein von der Tatschwere ab. Da der Beschwerdeführer die übrigen Strafzumessungsmerkmale, die beim anderen Jugendlichen zu berücksichtigen waren, nicht nennt, bleibt dem Bundesgericht eine Verhältnismässigkeitsprüfung verwehrt.

5.

Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann. Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer die bundesgerichtlichen Kosten zu tragen (Art. 66 Abs. 1 BGG). Sein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ist wegen Aussichtslosigkeit abzuweisen (Art. 64 Abs. 1 BGG). Der Beschwerdeführer ist erst 14 Jahre alt. Dessen wirtschaftlicher Lage ist analog zum angefochtenen Entscheid mit deutlich reduzierten Kosten Rechnung zu tragen.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.

Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen.

3.

Die Gerichtskosten von Fr. 200.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

4.

Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Zürich, II. Strafkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 19. Juni 2014

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Mathys

Der Gerichtsschreiber: C. Monn

Palavras-chave

emergency numbersjuvenile proceduremunicipal offencelegality principlebagatelleanticipatory evidence assessmentlegal aidsentencingproportionality

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Questão jurídica principal

Whether the youth proceedings could be applied to a municipal offence under Zurich law

Decisão extraída

Yes. Although the federal youth procedure does not itself cover cantonal or municipal petty offences, Zurich had declared it applicable to such offences by cantonal statute.

Fundamentação extraída

The cantonal provision extended the JStPO to cantonal criminal law and municipal petty-offence law, so the youth authorities were competent.

Questão jurídica principal

Whether the offence lacked a sufficiently clear statutory basis under the principle nulla poena sine lege scripta

Decisão extraída

No. The municipal rule prohibiting misuse of emergency calls was sufficiently clear.

Fundamentação extraída

Article 15 APV/W protects public safety and order and expressly forbids misuse of emergency calls; that wording satisfies legality requirements.

Questão jurídica principal

Whether the case was a bagatelle exempting prosecution

Decisão extraída

No. The repeated use of emergency numbers for about an hour could block urgent calls and was not a trivial case.

Fundamentação extraída

The conduct created a real risk of hindering genuine emergency calls, and the Federal Court was bound by the established facts.

Questão jurídica principal

Whether the refusal to play the telephone logs violated the right to be heard

Decisão extraída

No. In anticipatory evaluation of evidence, the lower court could refuse the request.

Fundamentação extraída

Since the boys merely groaned into the phone, the logs would not have materially assisted identification or proof.

Questão jurídica principal

Whether the sanction was disproportionate compared with the co-actor's sanction

Decisão extraída

The complaint could not succeed on the basis argued.

Fundamentação extraída

Sentence assessment depends on more than the seriousness of the act, and the appellant did not show how the other relevant sentencing factors differed.

Questão jurídica principal

Whether free legal aid should be granted

Decisão extraída

No, because the appeal had no prospect of success.

Fundamentação extraída

The main appeal arguments failed, so the application for legal aid was hopeless.

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