Challenge to sentence increase dismissed in driving-ban case

6B_463/2008Tribunal Federal / Divisão Penal17 de jul. de 2008Dismissed

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The Federal Supreme Court dismissed the appellant's criminal complaint against the Lucerne cantonal judgment. It held that the challenge to the earlier driver's-license revocation was insufficiently reasoned, as was the attack on the income finding. The court further held that the prosecution was entitled to file a cross-appeal and seek a higher sentence, so the appellate court did not act unlawfully by increasing the daily rate. The conviction for driving despite a revoked license, the 50 daily rates of CHF 150, and the ambulatory measure remained in force. Court costs of CHF 2,000 were charged to the appellant.

Sumário Omnilex

Art. 95 Ziff. 2 SVG; Art. 63 StGB; Art. 97 Abs. 1 BGG; Art. 109 BGG; Art. 66 Abs. 1 BGG: requirements for a federal criminal complaint and permissibility of a sentence increase following a prosecution cross-appeal. A challenge to prior administrative revocation or to factual findings is inadmissible where the complaint does not meet the federal reasoning requirements and fails to show manifest error. An appellate court may impose a heavier sentence if cantonal law expressly permits a prosecution cross-appeal; neither the Federal Constitution nor the ECHR requires the appellate court to take the first-instance sentence as the upper benchmark. If the complaint is dismissed, court costs are borne by the appellant.

Texto completo

{T 0/2}
6B_463/2008/sst

Urteil vom 17. Juli 2008
Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Schneider, Präsident,
Bundesrichter Favre, Mathys,
Gerichtsschreiber Monn.

Parteien
X.________,
Beschwerdeführer,

gegen

Staatsanwaltschaft des Kantons Luzern, Zentralstrasse 28, 6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Führen eines Motorfahrzeuges trotz entzogenem Führerausweis,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Luzern, II. Kammer, vom 22. Februar 2008.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
X.________ lenkte am 23. März 2006 in Luthern seinen Lieferwagen, obwohl ihm zuvor der Führerausweis entzogen worden war. Das Obergericht des Kantons Luzern sprach ihn mit Urteil vom 22. Februar 2008 im Appellationsverfahren des Führens eines Motorfahrzeugs trotz entzogenem Führerausweis im Sinne von Art. 95 Ziff. 2 SVG schuldig und bestrafte ihn bei Annahme einer in mittlerem Grade verminderten Schuldfähigkeit mit einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je Fr. 150.--. Das Gericht ordnete eine ambulante Massnahme nach Art. 63 StGB an (Behandlung der akzentuierten paranoiden Persönlichkeitsstörung, der leichten depressiven Verstimmungszustände und des Alkoholmissbrauchs).
X.________ wendet sich mit Beschwerde an das Bundesgericht und beantragt, das Urteil des Obergerichts sei aufzuheben, und er sei freizusprechen.

2.
Der Beschwerdeführer macht zunächst geltend, der Führerausweis sei ihm seinerzeit zu Unrecht entzogen worden. Es muss nicht geprüft werden, ob und inwieweit er heute mit dieser Rüge gehört werden kann. Er führt aus, er sei damals Opfer eines Komplotts geworden, da sein Anwalt sich mit dem Amtsstatthalter "irgendwie" abgesprochen habe. Mit dieser vagen Behauptung, die durch keine weiteren Ausführungen erläutert wird, kann nicht dargelegt werden, dass der Entzug des Führerausweises zu Unrecht erfolgt war. In diesem Punkt genügt die Beschwerde den Begründungsanforderungen nicht, weshalb darauf nicht einzutreten ist.
Weiter macht der Beschwerdeführer geltend, er habe kein Geld und die Annahme der Vorinstanz, er habe ein Einkommen von fast Fr. 7'000.--, stimme nicht. Die Vorinstanz hat sich zu den finanziellen Verhältnissen des Beschwerdeführers geäussert, worauf hier in Anwendung von Art. 109 Abs. 3 BGG verwiesen werden kann (vgl. angefochtenen Entscheid S. 6/7 E. 3.3.). In Bezug auf das Einkommen stützte sie sich auf die Steuerakten 2006. Dass ihre Feststellung offensichtlich unrichtig im Sinne von Art. 97 Abs. 1 BGG wäre, ergibt sich aus der Beschwerde nicht. Auch auf diesen Punkt ist mangels hinreichender Begründung nicht einzutreten.
Die Vorinstanz hat eine höhere Strafe als die erste Instanz ausgefällt. Der Beschwerdeführer macht geltend, dies sei gemäss der Auskunft seines Anwalts unzulässig. Damit verkennt er, dass die Staatsanwaltschaft eine Anschlussappellation erhoben und darin eine angemessene Heraufsetzung der Höhe des Tagessatzes verlangt hat (angefochtener Entscheid S. 5 oben). Das Recht der Staatsanwaltschaft zur Anschlussappellation und damit dazu, eine höhere als die erstinstanzlich verhängte Strafe zu fordern, ist in § 235 Abs. 2 der Strafprozessordnung des Kantons Luzern ausdrücklich vorgesehen. Und weder die Bundesverfassung noch die EMRK schreiben einer oberen kantonalen Instanz vor, die von der ersten Instanz ausgefällte Strafe als Ausgangspunkt für die Zumessung der Strafe zu nehmen. Folglich kann davon, dass die Vorinstanz mit der höheren Strafe das kantonale Verfahrensrecht willkürlich angewendet oder gegen die verfassungsmässigen Rechte des Beschwerdeführers verstossen hätte, keine Rede sein. Die Beschwerde ist in diesem Punkt abzuweisen.

3.
Die Beschwerde ist im Verfahren nach Art. 109 BGG abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Bei diesem Ausgang sind die Gerichtskosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 2'000.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Luzern, II. Kammer, schriftlich mitgeteilt.
Lausanne, 17. Juli 2008
Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Schneider Monn

Palavras-chave

driving banrevoked licensecross-appealsentencingincome assessmentambulatory treatmentcriminal complaintadmissibilitycourt costs

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Questão jurídica principal

Whether the complaint could rely on the alleged unlawful revocation of the driver's license.

Decisão extraída

The assertion was too vague and insufficiently reasoned; the court would not examine it.

Fundamentação extraída

The complaint did not substantiate why the earlier revocation had been unlawful and therefore failed the federal pleading requirements.

Questão jurídica principal

Whether the factual finding that the appellant had an income of almost CHF 7,000 was clearly erroneous.

Decisão extraída

The challenge was inadmissible for lack of sufficient reasoning and did not show clear error.

Fundamentação extraída

The appellate court had relied on tax records for 2006, and the complaint did not demonstrate an obviously incorrect finding within the meaning of Art. 97(1) BGG.

Questão jurídica principal

Whether the cantonal court could impose a higher sentence after the prosecution filed a cross-appeal.

Decisão extraída

Yes. The prosecution was entitled to file a cross-appeal and request a higher daily rate; neither the constitution nor the ECHR requires the appellate court to use the first-instance sentence as the benchmark.

Fundamentação extraída

Section 235(2) of the Lucerne Criminal Procedure Code expressly allowed the prosecution's cross-appeal. No arbitrariness or constitutional violation was shown.

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