Standing to appeal against non-prosecution decision

6B_382/2009Tribunal Federal / Divisão Penal11 de jun. de 2009Dismissed

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The Federal Supreme Court treated the submission as a criminal-law appeal and held that the complainant lacked standing to challenge the cantonal decision confirming non-entry on his criminal complaints. He was neither a private prosecutor nor a victim, and as a non-victim injured party could only raise separable procedural complaints amounting to a formal denial of justice. His evidence and fairness complaints were insufficiently reasoned, and his reliance on the publicity principle was misplaced. The appeal was dismissed insofar as admissible, and court costs of CHF 1,000 were imposed on him.

Sumário Omnilex

Art. 81 Abs. 1 lit. b Ziff. 5 BGG; Art. 95 BGG; Art. 106 Abs. 2 BGG; Art. 66 Abs. 1 BGG; standing of an injured person who is not a victim to appeal against a non-prosecution decision. A complainant who is neither private prosecutor nor victim lacks standing to challenge the merits of a criminal non-entry or non-prosecution decision. Such a person may invoke only procedural rights whose violation constitutes a formal denial of justice, provided the complaint is separable from the merits. Pure criticism of evidence assessment is inadmissible. Allegations of violation of the right to be heard or fair trial must meet the substantiation requirements. The publicity principle concerns transparency of criminal justice and not the extent or intensity of judicial debate (consid. 2).

Texto completo

{T 0/2}
6B_382/2009

Urteil vom 11. Juni 2009
Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Favre, Präsident,
Bundesrichter Schneider, Ferrari,
Gerichtsschreiber Monn.

Parteien
X.________,
Beschwerdeführer,

gegen

Generalprokurator des Kantons Bern, Hochschulstrasse 17, 3012 Bern,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Nichteintreten auf Strafanzeigen (Diebstahl etc.),

Beschwerde gegen den Beschluss des Obergerichts des Kantons Bern, Anklagekammer, vom 30. März 2009.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Die staatsrechtliche Beschwerde gibt es nicht mehr. Mit der Beschwerde in Strafsachen kann auch die Verletzung verfassungsmässiger Rechte geltend gemacht werden (Art. 95 BGG). Die Eingabe ist somit vollumfänglich als Beschwerde im Sinne von Art. 78 ff. BGG entgegenzunehmen.

2.
Die Beschwerde richtet sich dagegen, dass auf eine Strafanzeige wegen Diebstahls, Entwendung oder unrechtmässiger Aneignung eines Kehrichtsacks, sowie wegen strafbarer Handlungen gegen die Geheim- und Privatsphäre oder Verletzung des Datenschutzgesetzes sowie Anstiftung und Mittäterschaft dazu nicht eingetreten und im angefochtenen Entscheid ein dagegen gerichteter Rekurs abgewiesen wurden.

Im Gegensatz zu seiner Annahme ist der Beschwerdeführer nicht Privatstrafkläger im Sinne von Art. 81 Abs. 1 Ziff. 4 BGG. Die Staatsanwaltschaft war am kantonalen Verfahren beteiligt, weshalb der Beschwerdeführer die Anklage nicht allein vertreten hat. Er ist auch nicht Opfer im Sinne von Art. 81 Abs. 1 lit. b Ziff. 5 BGG, weil er durch die angezeigten Straftaten in seiner körperlichen, psychischen oder sexuellen Integrität nicht unmittelbar beeinträchtigt wurde (Art. 1 Abs. 1 OHG). Als Geschädigter, der nicht Opfer ist, ist er zur Beschwerde in Strafsachen grundsätzlich nicht legitimiert (BGE 133 IV 228).

Der Geschädigte, der nicht Opfer ist, kann nur die Verletzung von Verfahrensrechten geltend machen, deren Missachtung eine formelle Rechtsverweigerung darstellt. Zulässig sind dabei Rügen, die formeller Natur sind und von der Prüfung der Sache selber getrennt werden können. Denn auf eine solche Prüfung in der Sache haben nicht Legitimierte keinen Anspruch (BGE 119 Ib 305 E. 3 mit Hinweisen). Dies betrifft von vornherein das Vorbringen, die Vorinstanz habe die Beweise willkürlich falsch gewürdigt. Die Rügen einer Verletzung des rechtlichen Gehörs und des Anspruchs auf einen fairen Prozess sind überdies nicht hinreichend im Sinne von Art. 106 Abs. 2 BGG begründet.

Schliesslich rügt der Beschwerdeführer eine Verletzung des Öffentlichkeitsprinzips, weil sein Fall "einer qualifizierten rechtlichen Diskussion" bedürfe (Beschwerde S. 5). Das Vorbringen geht an der Sache vorbei. Die Kontrolle der Strafjustiz durch die Öffentlichkeit soll jede Form von geheimer Kabinettsjustiz verhindern (BGE 134 I 286 E. 5.1). Mit der Frage, wie intensiv ein Fall vor Gericht verhandelt werden soll, hat das Öffentlichkeitsprinzip nichts zu tun. Die Beschwerde ist in diesem Punkt abzuweisen.

Die Beschwerde ist im Verfahren nach Art. 109 BGG abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.

3.
Die Gerichtskosten sind dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 1'000.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Bern, Anklagekammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 11. Juni 2009

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Favre Monn

Palavras-chave

standingnon-prosecutionvictim statusprivate prosecutorformal denial of justicepublicity principlecourt costs

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Questão jurídica principal

Whether the complainant had standing to file a criminal appeal against the non-prosecution decision.

Decisão extraída

He lacked standing because he was neither a private prosecutor nor an injured party within the meaning of the applicable law.

Fundamentação extraída

The public prosecutor had participated in the cantonal proceedings, so the complainant did not prosecute the case alone. He was not directly affected in bodily, psychological, or sexual integrity and therefore was not a victim; as a mere injured person, he could not challenge the merits of the decision.

Questão jurídica principal

Whether alleged violations of procedural rights, hearing rights, fair trial, and publicity could be reviewed.

Decisão extraída

Only procedural complaints amounting to a formal denial of justice may be examined by a non-legitimized complainant; the asserted evidentiary criticism and the insufficiently reasoned constitutional complaints were inadmissible or unfounded.

Fundamentação extraída

Such complaints must be separable from the merits. The publicity principle does not concern the intensity of judicial debate, but prevents secret justice; this argument therefore failed.

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