Late appeal and lack of substantiation in child sex case

6B_195/2010Tribunal Federal / Divisão Penal31 de mai. de 2010Dismissed

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The Federal Supreme Court dealt with two criminal appeals against the acquittal of E.X. for multiple sexual acts with children. The appeals of B.X. and C.X., represented by D.X., were filed one day late and were not admitted. A.X.'s appeal was timely but failed: her complaint did not sufficiently challenge the lower court’s reasoning and amounted largely to inadmissible appellate criticism; no arbitrariness in evidence assessment or error in the legal qualification was shown. The requests for free legal aid were rejected as hopeless, and court costs of CHF 800 were imposed jointly and severally on the appellants.

Sumário Omnilex

Art. 100 Abs. 1, Art. 42 Abs. 2, Art. 106 Abs. 2, Art. 109 Abs. 3 and Art. 64 BGG; timeliness and substantiation requirements for criminal appeals to the Federal Supreme Court. Service by deemed delivery triggers the 30-day deadline; a complaint posted after expiry is inadmissible. An appeal must specifically address the challenged reasoning and demonstrate, in a manner meeting the strict substantiation requirements, why the decision is unlawful or arbitrary; mere appellatory criticism is insufficient. New objections are inadmissible under Art. 99 Abs. 1 BGG. Free legal aid is refused where the appeal lacks prospects of success. Costs may be allocated jointly and severally and calibrated to the parties' financial situation under Art. 65 Abs. 2 BGG.

Texto completo

{T 0/2}
6B_195/2010

Urteil vom 31. Mai 2010
Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Schneider, präsidierendes Mitglied,
Bundesrichter Mathys, Bundesrichterin
Jacquemoud-Rossari,
Gerichtsschreiberin Arquint Hill.

Verfahrensbeteiligte

  1. A.X.________,
  2. B.X.________ und C.X.________, vertreten durch D.X.________,
    Beschwerdeführerinnen,

gegen

  1. E.X.________,
  2. Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau, Frey-Herosé-Strasse 12, Wielandhaus, 5001 Aarau,
    Beschwerdegegner.

Gegenstand
Mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau, Strafgericht, 2. Kammer, vom 21. Dezember 2009.

Erwägungen:

1.
Das Gerichtspräsidium Zofingen sprach E.X.________ mit Urteil vom 31. März 2009 vom Vorwurf der sexuellen Handlungen mit Kindern frei. Die dagegen erhobene Berufung wies das Obergericht des Kantons Aargau am 21. Dezember 2009 ab. Sowohl A.X.________ als auch B.X.________ und C.X.________ wenden sich mit Beschwerde in Strafsachen an das Bundesgericht. Sie verlangen die Schuldigsprechung und Bestrafung von E.X.________ sowie die Zahlung von Genugtuung.

2.
Eine Beschwerde ans Bundesgericht ist innert 30 Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung des angefochtenen Entscheids beim Bundesgericht einzureichen (Art. 100 Abs. 1 BGG).

Das obergerichtliche Urteil wurde den Beschwerdeführerinnen B.X.________ und C.X.________, gesetzlich vertreten durch D.X.________, gemäss Gerichtsurkunde am 25. Januar 2010 zugestellt. Die 30-tägige Beschwerdefrist endete damit am 24. Februar 2010. Die Beschwerde wurde der Post gemäss Poststempel erst am 25. Februar 2010 - und damit verspätet - übergeben. Darauf ist nicht einzutreten.

A.X.________ holte die Gerichtsurkunde auf der Poststelle hingegen nicht ab. Es ist deshalb von der Fiktion auszugehen, dass ihr das angefochtene Urteil am letzten Tag der sieben Tage betragenden Abholfrist, d.h. am 29. Januar 2010 zugestellt wurde. Ihre am 25. Februar 2010 (Poststempel) erhobene Beschwerde ist rechtzeitig im Sinne von Art. 100 Abs. 1 BGG.

3.
A.X.________ macht sinngemäss eine willkürliche Beweiswürdigung geltend. Was sie in der Beschwerde vorbringt, betrifft teilweise nicht den angefochtenen Entscheid (vgl. beispielsweise Beschwerde, "Beweis 3.", "Beweis 5.", "Beweis 7.") oder geht sonst an der Sache vorbei (vgl. z.B. Beschwerde, "Beweis 15"). Im Übrigen erschöpfen sich ihre Ausführungen in der Darlegung der eigenen Sicht der Dinge und damit in unzulässiger appellatorischer Kritik, aus der sich nicht ergibt, dass und inwiefern die Vorinstanz bei der Beweiswürdigung in Willkür verfallen sein könnte. Insoweit vermag die Beschwerde den Anforderungen von Art. 42 Abs. 2 bzw. Art. 106 Abs. 2 BGG nicht zu genügen. Soweit in der Beschwerde überdies sinngemäss ein Interessenkonflikt der amtlichen Verteidigerin des Beschwerdegegners geltend gemacht wird, ist das Vorbringen nicht nur neu und damit unzulässig (Art. 99 Abs. 1 BGG), sondern auch unsubstanziiert, indem überhaupt nicht aufgezeigt wird, dass und inwiefern sich der angebliche Interessenkonflikt im Verfahren nachteilig auf die Beschwerdeführerin ausgewirkt haben könnte.

4.
Soweit die Beschwerdeführerin mit ihren Vorbringen auch die rechtliche Würdigung anfechten will, ist nicht ersichtlich, dass und inwieweit das Obergericht den bundesrechtlichen Begriff der sexuellen Handlungen verkannt haben sollte. Auf die zutreffenden Ausführungen im angefochtenen Entscheid kann verwiesen werden (Art. 109 Abs. 3 BGG).

5.
Auf die Beschwerden von B.X.________ und C.X.________ ist nicht einzutreten. Diejenige von A.X.________ ist im Verfahren nach Art. 109 BGG abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Die Gesuche um unentgeltliche Rechtspflege sind in Anwendung von Art. 64 BGG infolge Aussichtslosigkeit abzuweisen. Der finanziellen Lage der Beschwerdeführerinnen ist bei der Bemessung der Gerichtsgebühr Rechnung zu tragen (Art. 65 Abs. 2 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Auf die Beschwerden von B.X.________ und C.X.________ wird nicht eingetreten.

2.
Die Beschwerde von A.X.________ wird abgewiesen, soweit da-rauf einzutreten ist.

3.
Die Gesuche um unentgeltliche Rechtspflege werden abgewiesen.

4.
Die Gerichtskosten von Fr. 800.-- werden den Beschwerdeführerinnen solidarisch auferlegt.

5.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Aargau, Strafgericht, 2. Kammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 31. Mai 2010

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Das präsidierende Mitglied: Die Gerichtsschreiberin:

Schneider Arquint Hill

Palavras-chave

criminal appealdeadlinedeemed serviceevidence assessmentarbitrary reasoningsubstantiationfree legal aidcourt costssexual offencesinadmissibility

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Questão jurídica principal

Whether the appeal of B.X. and C.X. was filed within the 30-day deadline

Decisão extraída

The appeal was lodged one day late and therefore could not be heard.

Fundamentação extraída

The judgment was deemed served on 2010-01-25; the 30-day period expired on 2010-02-24; posting on 2010-02-25 was late.

Questão jurídica principal

Whether A.X.'s appeal showed arbitrariness in evidence assessment or error in the legal characterization

Decisão extraída

The appeal did not meet the substantiation requirements and failed on the merits to the extent it was admissible.

Fundamentação extraída

Parts of the complaint did not address the appealed judgment, other parts were merely appellatory, and no arbitrariness in the assessment of evidence or misapprehension of the legal concept of sexual acts was shown.

Questão jurídica principal

Whether the requests for free legal aid should be granted

Decisão extraída

Free legal aid was refused because the appeals were hopeless.

Fundamentação extraída

Given the lateness of one appeal and the lack of prospects in the remaining complaint, the requests were unfounded.

Questão jurídica principal

How the court costs should be allocated

Decisão extraída

Court costs of CHF 800 were imposed jointly and severally on the appellants.

Fundamentação extraída

The unsuccessful appellants had to bear the costs, with their financial situation taken into account when fixing the amount.

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