Non-entry on complaint against alleged legal delay in entry ban case

2C_329/2011Tribunal Federal / Divisão de Direito Público II20 de abr. de 2011Dismissed

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Resumo Omnilex

X.________, represented by attorney Yetkin Geçer, complained to the Federal Supreme Court about a legal delay in her pending appeal against a federal entry ban ordered by the Federal Office for Migration. The Court held that a public-law complaint is inadmissible in entry-ban matters under Art. 83 lit. c no. 1 BGG, including when denial or delay of justice is alleged. The filing could not be converted into a subsidiary constitutional complaint. The Court therefore did not enter into the case, denied legal aid, waived court costs, and forwarded the submission to the Federal Supreme Court Administrative Commission for possible supervision review.

Sumário Omnilex

Art. 83 lit. c Ziff. 1 BGG; Rechtsverweigerungs- und Rechtsverzögerungsrüge in einem vom Beschwerdeausschluss erfassten Ausländerrechtsfall: Der Ausschluss der Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gilt auch bei Anfechtung eines noch ausstehenden Endentscheids sowie bei der Geltendmachung von Rechtsverweigerung oder -verzögerung. Eine Umdeutung in subsidiäre Verfassungsbeschwerde fällt ausser Betracht, da Art. 113 BGG einzig Entscheide letzter kantonaler Instanzen erfasst. Rechtsverzögerungen des Bundesverwaltungsgerichts in letztinstanzlichen Angelegenheiten können bundesgerichtlich höchstens im Rahmen der Aufsicht über die Geschäftsführung geprüft werden (vgl. Art. 1 Abs. 2 BGG; Art. 3 lit. f AufRBGer). Unentgeltliche Rechtspflege setzt hinreichende Erfolgsaussichten voraus; bei offensichtlicher Unzulässigkeit ist sie zu verweigern (Art. 64 BGG).

Texto completo

{T 0/2}
2C_329/2011

Urteil vom 20. April 2011
II. öffentlich-rechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Zünd, Präsident,
Gerichtsschreiber Feller.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Yetkin Geçer,
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration,
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Bundesverwaltungsgericht, Abteilung III,
Postfach, 3000 Bern 14.

Gegenstand
Einreiseverbot / Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung,

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gegen das Bundesverwaltungsgericht, Abteilung III.
Erwägungen:

1.
Das Bundesamt für Migration verfügte am 1. Dezember 2009 ein bis 8. Dezember 2015 gültiges Einreiseverbot gegen die russische Staatsangehörige X.________. Diese erhob am 6. Januar 2010 dagegen Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht (Verfahren C- 179/2010), die sie am 26. Januar 2010 innert der ihr hierfür angesetzten Frist ergänzte. Gesuche um Erteilung einer Sachstandsauskunft vom 1. September 2010 und 9. Januar 2011 beantwortete das Bundesverwaltungsgericht am 6. September 2010 bzw. 14. Januar 2011 im Wesentlichen dahingehend, dass die Sache spruchreif sei, eine Voraussage, wann mit einem Entscheid gerechnet werden könne, jedoch aufgrund der Arbeitslast, der Prioritätenordnung der Beschwerdeverfahren sowie aus grundsätzlichen Überlegungen nicht möglich sei. Mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten im Sinne von Art. 94 BGG vom 15. April (Postaufgabe 18. April) 2011 lässt X.________ durch einen Rechtsanwalt beantragen, das Bundesverwaltungsgericht sei zu verpflichten, die Beschwerde C- 179/2010 an die Hand zu nehmen und so rasch als möglich zum Entscheid zu führen.

Es ist weder ein Schriftenwechsel noch sind andere Instruktionsmassnahmen angeordnet worden.

2.
Gemäss Art. 83 lit. c Ziff. 1 BGG ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten unzulässig gegen Entscheide auf dem Gebiet des Ausländerrechts betreffend die Einreise, namentlich gegen Einreiseverbote. Ausgangspunkt des vorliegenden Verfahrens ist ein Einreiseverbot. Die Ausschlussbestimmungen des Art. 83 BGG greifen unabhängig davon, ob ein Endentscheid oder ein Zwischenentscheid angefochten ist oder ob in einem unter einen Ausschlussgrund fallenden Rechtsstreit Rechtsverweigerung oder -verzögerung gerügt wird (Grundsatz der Einheit des Verfahrens, vgl. BGE 134 V 138 E. 3 S. 144; 133 III 645 E. 2.2 S. 647 f.). Da die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gegen den - noch ausstehenden - Endentscheid des Bundesverwaltungsgerichts über das Einreiseverbot unzulässig sein wird, steht sie auch nicht zur Geltendmachung der gerügten Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung zur Verfügung. Dass die Rechtsschrift der Beschwerdeführerin nicht als subsidiäre Verfassungsbeschwerde entgegengenommen werden kann, ergibt sich aus dem klaren Wortlaut von Art. 113 BGG, der dieses ausserordentliche Rechtsmittel bloss zur Anfechtung von Entscheiden letzter kantonaler Instanzen vorsieht.
Auf die offensichtlich unzulässige Rechtsverweigerungs- bzw. Rechtsverzögerungsbeschwerde ist mit Entscheid des Einzelrichters im vereinfachten Verfahren gemäss Art. 108 BGG nicht einzutreten.

3.
Gemäss Art. 1 Abs. 2 BGG übt das Bundesgericht die Aufsicht über die Geschäftsführung aus. Im Rahmen seiner Aufsicht befasst es sich mit Aufsichtsanzeigen im Sinne von Art. 3 lit. f des Reglements des Bundesgerichts vom 11. September 2006 betreffend die Aufsicht über das Bundesstrafgericht und das Bundesverwaltungsgericht (Aufsichtsreglement Bundesgericht, AufRBGer; SR 173.110.132). Mit einer behaupteten Rechtsverweigerung bzw. Rechtsverzögerung des Bundesverwaltungsgerichts in einem Bereich, wo dieses letztinstanzlich zuständig ist, kann sich das Bundesgericht höchstens im Rahmen eines Aufsichtsverfahrens befassen und prüfen, ob der Geschäftsgang den Anforderungen anspricht (BGE 136 II 380 E. 2 S. 381 f.; Entscheid der Verwaltungskommission des Bundesgerichts 12T_2/2007 vom 16. Oktober 2007).

Die Eingabe vom 15./18. April 2011 ist an die Verwaltungskommission des Bundesgerichts weiterzuleiten, die prüfen wird, ob und in welcher Form sie sie als Aufsichtsanzeige behandeln kann.

4.
Die Beschwerdeführerin hat auch für das bundesgerichtliche Verfahren um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung ersucht. Da die Beschwerde offensichtlich unzulässig ist, erschien sie von vornherein als aussichtslos, und das Gesuch ist abzuweisen (Art. 64 BGG). Dass sie an die Verwaltungskommission weitergeleitet wird, ändert daran nichts, hat doch der Anzeiger im Aufsichtsverfahren keine Parteirechte (Art. 71 Abs. 2 VwVG); darüber, ob dies die Beigabe eines unentgeltlichen Rechtsanwalts grundsätzlich ausschliesst, ist nicht im vorliegenden Urteil zu befinden.

Die Umstände rechtfertigen es jedoch, für das vorliegende Beschwerdeverfahren auf die Erhebung von Kosten zu verzichten (Art. 66 Abs. 1 zweiter Satz BGG).

Demnach erkennt der Präsident:

1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

2.
Die Eingabe vom 15./18. April 2011 wird im Sinne der Erwägungen an die Verwaltungskommission des Bundesgerichts überwiesen.

3.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung für das bundesgerichtliche Beschwerdeverfahren wird abgewiesen.

4.
Es werden keine Kosten erhoben.

5.
Dieses Urteil wird der Beschwerdeführerin, dem Bundesamt für Migration, dem Bundesverwaltungsgericht, Abteilung III, sowie der Verwaltungskommission des Bundesgerichts schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 20. April 2011

Im Namen der II. öffentlich-rechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Zünd Feller

Palavras-chave

entry banlegal delaydenial of justiceinadmissibilitysubsidiary constitutional complaintlegal aidsupervisionimmigration

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Questão jurídica principal

Whether the complaint about legal delay in the pending entry-ban appeal was admissible under the Federal Supreme Court Act.

Decisão extraída

No. Because the underlying matter concerns an entry ban in immigration law, an ordinary public-law complaint is excluded; this also applies when legal delay or denial of justice is alleged.

Fundamentação extraída

Art. 83 lit. c no. 1 BGG excludes public-law complaints in entry-ban matters. Under the principle of unity of proceedings, the exclusion applies regardless of whether an end decision or interlocutory issue is challenged and also when legal delay is invoked.

Questão jurídica principal

Whether the filing could be treated as a subsidiary constitutional complaint.

Decisão extraída

No. That remedy is available only against decisions of the last cantonal instance, not against federal court proceedings.

Fundamentação extraída

The clear wording of Art. 113 BGG prevents treating the filing as a subsidiary constitutional complaint in a federal matter.

Questão jurídica principal

Whether the Federal Supreme Court should handle the filing as an administrative supervision complaint.

Decisão extraída

The filing was forwarded to the Federal Supreme Court's Administrative Commission for possible treatment as a supervision complaint.

Fundamentação extraída

In a field where the Federal Administrative Court acts as a final authority, allegations of delay can only be examined by the Federal Supreme Court within supervision over case management.

Questão jurídica principal

Whether the appellant was entitled to free legal aid and representation for the federal proceedings.

Decisão extraída

No, because the complaint was manifestly inadmissible and thus had no prospects of success.

Fundamentação extraída

Art. 64 BGG requires prospects of success; the request failed on that ground.

Questão jurídica principal

Whether court costs should be imposed.

Decisão extraída

No costs were charged in view of the circumstances.

Fundamentação extraída

The court exercised its discretion under Art. 66 Abs. 1 second sentence BGG to waive costs.

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