Constitutional complaint inadmissible where criminal cassation remedy was available

1P.92/2000Tribunal Federal / Divisão de Direito Público I6 de abr. de 2000Dismissed

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Resumo Omnilex

The complainant challenged a cantonal no-prosecution order in a criminal defamation matter by way of constitutional complaint. The Federal Supreme Court held that the complaint was inadmissible insofar as it attacked the interpretation of Articles 173-177 SCC, because the proper remedy was federal criminal cassation under Articles 268 ff. BStP, which had not been filed within the statutory time limit. The allegation of judicial bias based on the time allowed for the respondent’s observations was rejected as manifestly unfounded. The request for legal aid was denied, but no court costs were imposed.

Sumário Omnilex

Art. 84 Abs. 2 OG; subsidiarity of the constitutional complaint and criminal cassation remedy for alleged misapplication of federal criminal law. Where the grievance concerns the interpretation or application of Articles 173-177 StGB, the party must pursue eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde under Articles 268 ff. BStP; failure to lodge that remedy in time renders the constitutional complaint inadmissible. A bias allegation requires specific substantiation under Art. 90 Abs. 1 lit. b OG and cannot be inferred merely from the granting of a reasonable time for a written response. Unentgeltliche Rechtspflege under Art. 152 OG is refused if the proceeding is manifestly devoid of prospects; costs may exceptionally be waived under Art. 156 Abs. 1 OG.

Texto completo

[AZA 0]
1P.92/2000/boh

I. OEFFENTLICHRECHTLICHE ABTEILUNG


  1. April 2000

Es wirken mit: Bundesrichter Aemisegger, Präsident der
I. öffentlichrechtlichen Abteilung, Bundesrichter
Aeschlimann, Bundesrichter Favre und Gerichtsschreiber Forster.


In Sachen
P.________, Beschwerdeführer,

gegen
R.________, privater Beschwerdegegner, Untersuchungsrichteramt des Kantons Solothurn, Geschäftsstelle Oensingen, Obergericht des Kantons Solothurn, Anklagekammer,

betreffend
Strafanzeige, Keine-Folge-Verfügung,
hat das Bundesgericht in Erwägung:

dass P.________ am 4. August 1999 gegen R.________ und die übrigen Mitglieder der Sozialhilfekommission der Einwohnergemeinde Etziken einen Strafantrag wegen Ehrverletzung stellte,

dass das Untersuchungsrichteramt des Kantons Solothurn dem Strafantrag mit Verfügung vom 24. August 1999 keine Folge leistete,

dass P.________ dagegen Beschwerde erhob, welche das Obergericht (Anklagekammer) des Kantons Solothurn mit Entscheid vom 23. Dezember 1999 abwies,

dass das Obergericht dabei erwog, dass "allen Ehrverletzungsdelikten des dritten Teils des schweizerischen Strafgesetzbuches (Art. 173-177 StGB) der zentrale Begriff der Ehre eigen" sei,

dass "Vorwürfe von (vor allem psychischer) Krankheit und Abnormität grundsätzlich nicht die Ehre" beträfen, "und eine Ehrverletzung lediglich vorläge, wenn psychiatrische Fachausdrücke in diffamierender Absicht verwendet würden, was vorliegend nicht der Fall" sei,

dass der Beschwerdeführer einen Verstoss "gegen das Rechtsgleichheitsgebot" rügt, "weil der nach Rechtsprechung und bundesgerichtlicher Praxis sich ergebende Rechtssatz nicht richtig angewendet" worden sei,

dass er die Auffassung vertritt, die fraglichen Äusserungen des privaten Beschwerdegegners seien "ehrverletzend und strafbar entsprechend der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (BGE 93 IV 52 'Psychopath')", bzw. "psychiatrische Fachausdrücke" seien "wider besseres Wissen in verleumderischer Absicht verwendet" worden,

dass die staatsrechtliche Beschwerde nur zulässig ist, soweit die behauptete Rechtsverletzung nicht sonstwie durch Klage oder Rechtsmittel beim Bundesgericht oder einer andern Bundesbehörde gerügt werden kann (Art. 84 Abs. 2 OG),

dass eine Verletzung von materiellem Bundesstrafrecht, insbesondere eine unzutreffende Auslegung von Art. 173-177 StGB, mit eidgenössischer Nichtigkeitsbeschwerde anzufechten wäre (Art. 268 f. BStP),

dass auch die Rechtsmittelbelehrung im angefochtenen Entscheid ausdrücklich darauf hinweist ("Rechtsmittel: Nichtigkeitsbeschwerde an das Bundesgericht gemäss Art. 268 ff.
BStP; Frist 10 Tage ab schriftlicher Eröffnung"),

dass der Beschwerdeführer innert der Fristen von Art. 272 Abs. 1 - 2 BStP keine eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde erhoben hat,

dass insbesondere keine Anmeldung der eidgenössischen Nichtigkeitsbeschwerde innert zehn Tagen seit Eröffnung des angefochtenen Entscheides erfolgt ist (Art. 272 Abs. 1 BStP),

dass die Beschwerde insoweit offensichtlich unzulässig ist,

dass der Beschwerdeführer auch noch vorbringt, im angefochtenen Entscheid werde "nicht erwähnt", dass dem privaten Beschwerdegegner im kantonalen Verfahren "fast 3 Wochen Zeit" für seine "Stellungnahme" eingeräumt worden sei; "diese Nichterwähnung sowie die nicht richtige Anwendung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung" liessen "das Obergericht des Kt. Solothurn als parteiisch erscheinen",

dass die Rüge der Parteilichkeit, soweit sie überhaupt ausreichend substanziert erschiene (Art. 90 Abs. 1 lit. b OG), offensichtlich unbegründet wäre,

dass im Umstand, wonach das Obergericht dem privaten Beschwerdegegner fast drei Wochen Zeit für die Einreichung der Rekursvernehmlassung einräumte, weder eine Verletzung prozessualer Vorschriften noch ein objektiver Grund für die Annahme von Parteilichkeit zu sehen wäre,

dass die Beschwerde als offensichtlich unbegründet bzw.
unzulässig im vereinfachten Verfahren und mit summarischer Begründung abzuweisen ist, soweit darauf eingetreten werden kann (Art. 36a Abs. 1 lit. a - b und Abs. 3 OG),

dass der Beschwerdeführer zwar ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege stellt, die Beschwerde aber zum Vornherein aussichtslos erscheint, weshalb die gesetzlichen Voraussetzungen für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege nicht erfüllt sind (Art. 152 OG),

dass auf die Erhebung von Gerichtskosten jedoch im vorliegenden Fall ausnahmsweise verzichtet werden kann (Art. 156 Abs. 1 OG),

im Verfahren nach Art. 36a OG erkannt:

1.-Die staatsrechtliche Beschwerde wird abgewiesen, soweit auf sie eingetreten werden kann.

2.-Es werden keine Kosten erhoben.
3.-Dieses Urteil wird den Parteien sowie dem Untersuchungsrichteramt, Geschäftsstelle Oensingen, und dem Obergericht des Kantons Solothurn, Anklagekammer, schriftlich mitgeteilt.

______________
Lausanne, 6. April 2000

Im Namen der I. öffentlichrechtlichen Abteilung
des SCHWEIZERISCHEN BUNDESGERICHTS
Der Präsident:

Der Gerichtsschreiber:

Palavras-chave

constitutional complaintcriminal cassationadmissibilitysubsidiaritydefamationbiaslegal aidcourt costs

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Questão jurídica principal

Whether the constitutional complaint was admissible despite the availability of federal criminal cassation as the proper remedy for alleged misapplication of Articles 173-177 SCC.

Decisão extraída

No; challenges to the interpretation and application of federal criminal law had to be raised by federal criminal cassation, which was not filed in time.

Fundamentação extraída

Article 84(2) OG excludes constitutional complaint where another federal remedy is available. The alleged misapplication of substantive criminal law, including Articles 173-177 SCC, fell within the scope of the criminal cassation remedy under Articles 268 ff. BStP and the appeal instruction expressly indicated that remedy.

Questão jurídica principal

Whether the cantonal appellate court appeared biased because it allowed the respondent nearly three weeks to file observations.

Decisão extraída

No; this circumstance did not show any procedural violation or objective appearance of bias.

Fundamentação extraída

The objection was either insufficiently substantiated or manifestly unfounded. Granting almost three weeks for a response was not, by itself, a breach of procedural rules or a reason to infer partiality.

Questão jurídica principal

Whether legal aid should be granted.

Decisão extraída

No; the complaint had no prospects of success.

Fundamentação extraída

Unentgeltliche Rechtspflege requires non-frivolous prospects, which were lacking because the complaint was manifestly inadmissible and unfounded.

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