No appealable decision in juvenile jurisdiction dispute

1B_49/2008Tribunal Federal / Divisão de Direito Público I3 de mar. de 2008Inadmissible

Abrir fonte

Extraído pela Omnilex

Resumo Omnilex

The Federal Supreme Court dismissed the State Prosecutor's criminal complaint as inadmissible. It held that the president of the cantonal criminal chamber had not issued an appealable decision, but had only answered an abstract legal question concerning the applicability of juvenile criminal law after the accused reoffended after turning 18. Since no concrete, individually binding jurisdictional ruling existed, the complaint lacked an object under Arts. 78 and 92 BGG. No costs were charged.

Sumário Omnilex

Art. 78 ff. BGG, Art. 92 BGG; appealability of a cantonal authority's response to a request for interpretation. Only an order that binds the parties in a concrete individual legal relationship and finally determines a jurisdictional dispute qualifies as a challengeable interim decision. A mere answer to an abstract legal question, given without hearing the remaining parties and without resolving an actual procedural conflict, is not a decision within the meaning of Art. 92 BGG. In the absence of an appealable object, the Federal Supreme Court does not enter into the complaint (consid. 3).

Texto completo

{T 0/2}
1B_49/2008

Urteil vom 3. März 2008
I. öffentlich-rechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Féraud, Präsident,
Gerichtsschreiber Pfäffli.

Parteien
Staatsanwaltschaft des Kantons Freiburg,
Rue de Zahringen 1, Postfach, 1702 Freiburg, Beschwerdeführerin,

gegen

X.________, Beschwerdegegner, vertreten durch Fürsprecher Thomas Zbinden,
Ermittlungsrichter der Jugendstrafkammer
des Kantons Freiburg, Patrik Gruber,
Avenue Beauregard 13, Postfach 281, 1701 Freiburg.

Gegenstand
Zuständigkeitskonflikt,

Beschwerde gegen die Verfügung vom 29. Januar 2008 des Präsidenten der Strafkammer des Kantonsgerichtes Freiburg.

Erwägungen:

1.
Der Ermittlungsrichter der Jugendstrafkammer des Kantons Freiburg führt gegen X.________ ein Strafverfahren. Mit Schreiben vom 25. Januar 2008, welches er als Zuständigkeitskonflikt betitelte, ersuchte er das Kantonsgericht Freiburg um Interpretation von Art. 3 Abs. 2 des Bundesgesetzes über das Jugendstrafrecht vom 20. Juni 2003 (Jugendstrafgesetz, JStG; SR 311.1) bzw. um Beurteilung der Frage, welches Recht anwendbar sei im Fall eines Jugendlichen, gegen den vor Vollendung des 18. Altersjahrs ein Jugendstrafverfahren eröffnet worden ist und der vor Abschluss dieses Verfahrens, aber nach Vollendung des 18. Altersjahrs, erneut delinquierte. Mit Schreiben vom 29. Januar 2008 teilte der Präsident der Strafkammer des Kantonsgerichts Freiburg dem Ermittlungsrichter mit, dass in diesen Fällen gemäss dem klaren Gesetzestext von Art. 3 Abs. 2 Satz 4 JStG das Jugendstrafrecht anwendbar sei.

2.
Die Staatsanwaltschaft des Kantons Freiburg führt mit Eingabe vom 21. Februar 2008 Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff. BGG) gegen das Schreiben des Präsidenten der Strafkammer des Kantonsgerichts Freiburg vom 29. Januar 2008. Das Bundesgericht verzichtet auf die Einholung von Vernehmlassungen.

3.
Das Bundesgericht beurteilt Beschwerden gegen Entscheide in Strafsachen (Art. 78 Abs.1 BGG). Art. 92 Abs. 1 BGG regelt die Anfechtbarkeit von selbständig eröffneten Vor- und Zwischenentscheiden über die Zuständigkeit und über Ausstandsbegehren. Nach Auffassung der Beschwerdeführerin handelt es sich beim Schreiben des Präsidenten der Strafkammer vom 29. Januar 2008 um einen selbständig eröffneten Zwischenentscheid über die Frage der sachlichen Zuständigkeit.

3.1 Nach allgemeiner Definition sind Entscheide oder Verfügungen Anordnungen der Behörden im Einzelfall, die ein konkretes, individuelles Rechtsverhältnis verbindlich und erzwingbar regeln (vgl. Art. 5 Abs. 1 VwVG; BGE 104 Ia 26 E. 4d).

3.2 Gemäss Art. 26 Abs. 1 der Strafprozessordnung des Kantons Freiburg (StPO) gelangt die Strafverfolgungsbehörde bei Streitigkeiten an den Präsidenten der Strafkammer. Dieser ist zuständig, die freiburgische Gerichtsbarkeit zu akzeptieren oder endgültig über innerkantonale Zuständigkeiten zu entscheiden.
Das Schreiben des Präsidenten der Strafkammer vom 29. Januar 2008 ist mit "X.________ Zuständigkeitskonflikt" betitelt. Trotzdem weist nichts darauf hin, dass im Strafverfahren X.________ eine Streitigkeit im Sinne von Art. 26 Abs. 1 StPO vorgelegen hätte. Der ordentliche Untersuchungsrichter hat das von ihm geführte Strafverfahren an den Ermittlungsrichter der Jugendstrafkammer abgetreten, was dieser auch akzeptierte. Die Formulierung im Schreiben des Präsidenten der Strafkammer "mit Schreiben vom 25. Januar 2008 ersuchen Sie uns um eine Interpretation von Art. 3 Abs. 2 JStG" weist darauf hin, dass der Präsident die Eingabe des Ermittlungsrichters der Jugendstrafkammer als Unterbreitung einer abstrakten Rechtsfrage und nicht als Unterbreitung einer individuell-konkreten Streitigkeit im Verfahren X.________ auffasste. Andernfalls hätte er den übrigen Verfahrensbeteiligten im Verfahren X.________ vor Erlass eines Entscheids das rechtliche Gehör gewährt, was vorliegend jedoch unterblieben ist. Der Auffassung der Staatsanwaltschaft, es handle sich beim Schreiben des Präsidenten der Strafkammer um einen Entscheid im Sinne von Art. 92 Abs. 1 BGG kann daher nicht gefolgt werden.

3.3 Mangels eines Anfechtungsobjekts im Sinne von Art. 78 Abs. 1 BGG bzw. Art. 92 Abs. 1 BGG ist auf die Beschwerde nicht einzutreten. Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unzulässig, weshalb über sie im vereinfachten Verfahren nach Art. 108 Abs. 1 lit. a BGG entschieden werden kann.

4.
Gerichtskosten werden keine auferlegt (Art. 66 Abs. 4 BGG).

Demnach erkennt der Präsident:

1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

2.
Es werden keine Kosten erhoben.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Ermittlungsrichter der Jugendstrafkammer des Kantons Freiburg und dem Präsidenten der Strafkammer des Kantonsgerichtes Freiburg schriftlich mitgeteilt.
Lausanne, 3. März 2008
Im Namen der I. öffentlich-rechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Féraud Pfäffli

Palavras-chave

jurisdictionappealabilityinterim decisionjuvenile criminal lawinadmissibilitycourt costs

Extraído pela Omnilex

Questão jurídica principal

Whether the president of the criminal chamber's letter constituted an appealable decision on jurisdiction under Art. 92 BGG.

Decisão extraída

The letter was not an individually binding decision in the pending criminal case, but only a response to an abstract legal question; therefore there was no appealable object.

Fundamentação extraída

No real jurisdictional dispute under the cantonal procedure was shown. The criminal investigator had merely asked for interpretation of Art. 3(2) JStG. Because the response did not resolve a concrete dispute between the parties and no hearing of the other participants occurred, it could not be treated as a decision under Art. 92 BGG.

Questão jurídica principal

Whether the complaint should be entertained despite the absence of an appealable object.

Decisão extraída

The complaint was obviously inadmissible and could not be heard.

Fundamentação extraída

Without an appealable decision under Arts. 78 and 92 BGG, the Federal Supreme Court lacked an admissible challengeable act.

Questão jurídica principal

Court costs

Decisão extraída

No court costs were imposed.

Fundamentação extraída

The court applied Art. 66(4) BGG and ordered that no costs be charged.

Continue sua pesquisa no ChatGPT ou Claude

Conecte o Omnilex para pesquisar o corpus jurídico pelo seu assistente de IA.