Custom as contractual content, not objective law

BGE 86 II 256Coletânea oficial do Tribunal Federal (BGE) / Volume II13 de set. de 1960Dismissed

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Resumo Omnilex

The Federal Supreme Court held that trade usage is not objective law but only becomes part of a contract where the parties expressly or tacitly accept it, or where statute so provides. Whether a usage exists is a factual finding binding on the court. Because the cantonal court found no relevant usage for the contract type in question and the evidence showed that the parties did not intend to grant the plaintiff a direct claim, the analogy to carriage-contract usage could not help the plaintiff. The action was therefore dismissed.

Sumário Omnilex

Usage is not objective law but part of the contract only if the parties submit to it or if statute assigns it dispositive force; whether a usage exists is a question of fact binding on the Federal Supreme Court, absent a misapprehension of the legal concept of usage. Analogical application of a usage proven for another contract type can serve only to determine contractual meaning and is excluded where the factual findings establish a contrary actual will of the parties; consid. 1. A direct third-party claim cannot be derived from such usage against established contrary intent.

Texto completo

Urteilskopf

86 II 256

  1. Auszug aus dem Urteil der I. Zivilabteilung vom 13. September 1960 i. S. Wertli gegen Weder.

Erwägungen

ab Seite 257

Die Übung ist nicht objektives Recht (Gewohnheitsrecht), sondern gilt als Inhalt des Vertrages, wenn die Parteien sich ihr ausdrücklich oder stillschweigend unterwerfen oder das Gesetz sie mangels abweichenden Parteiwillens als massgebend erklärt (BGE 34 II 640,BGE 37 II 410,BGE 47 II 164,BGE 53 II 310,BGE 76 II 50, BGE 83 II 523). Ob eine Übung bestehe oder nicht bestehe, ist daher nicht Rechtssondern Tatfrage. Der Entscheid des kantonalen Richters hierüber bindet das Bundesgericht (BGE 37 II 409,BGE 38 II 519f.,BGE 41 II 257,BGE 42 II 121,BGE 43 II 597,BGE 45 II 268,BGE 51 II 400). Vorbehalten bleibt der Fall, wo die Feststellung auf einer Verkennung des Rechtsbegriffs der Übung beruht (BGE 42 II 121). Auch steht dem Bundesgerichte zu, die als Übung festgestellten Regeln wie Willensäusserungen von Vertragschliessenden auszulegen (BGE 34 II 640).

Das Kantonsgericht führt aus, da im vorliegenden Falle die Übernahme des Auftrages unter ganz besonderen Umständen, in Verbindung mit einer unbestrittenermassen illegalen Ausfuhr aus Deutschland erfolgte und dem Beklagten in Konstanz keine Liste der beigepackten Kugellager übergeben werden konnte, liege keine Vertragsart vor, bei der kraft Übung ein selbständiges Forderungsrecht des Dritten bejaht werden könne. Der Kläger macht nicht geltend, das Kantonsgericht gehe von einem unzutreffenden Begriff der Übung aus. Die Feststellung, dass eine solche beim Abschluss von Verträgen der vorliegenden Art nicht bestehe, bindet daher das Bundesgericht. Der Kläger ficht sie auch nicht an. Er bringt nur vor, nach allgemeiner Übung stehe bei Frachtverträgen dem Empfänger ein Forderungsrecht gegen den Frachtführer zu, und diese Übung sei analog anzuwenden, weil der zwischen Nadich und dem Beklagten abgeschlossene Vertrag einem Frachtvertrag sehr ähnlich sei. Es kann indessen dahingestellt bleiben, ob der Richter eine Übung, die sich nur in Fällen bestimmter Art durchgesetzt hat, sinngemäss auf andere Fälle anwenden darf. Auf diesem Wege könnte nur der Inhalt des Vertrages ermittelt werden, mit der Begründung, was in Fällen der einen Art Übung sei, habe von den Parteien nach Treu und Glauben auch in ähnlichen Fällen als Sinn der Willensäusserungen betrachtet werden dürfen bzw. betrachtet werden müssen. Für die Auslegung der Willensäusserungen ist jedoch im vorliegenden Falle kein Raum, da auf Grund der vorinstanzlichen Beweiswürdigung davon ausgegangen werden muss, die Vertragschliessenden hätten dem Kläger kein Forderungsrecht einräumen wollen. Dieser tatsächliche Wille geht der Übung als Quelle eines nur hypothetisch gewollten Vertragsinhaltes vor.

Die Klage ist daher abzuweisen, ohne dass zu entscheiden wäre, ob das Forderungsrecht des Klägers auch deshalb verneint werden müsste, weil der Beklagte die Liste, auf Grund der er die für den Kläger bestimmten Kugellager hätte ausscheiden sollen, weder unmittelbar von Nadich noch über Pelzl erhielt.

Palavras-chave

customcontract interpretationthird-party claimtrade usagefactual finding

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Questão jurídica principal

Whether an alleged trade usage granted the plaintiff a direct claim against the defendant

Decisão extraída

No. The finding that no such usage existed for contracts of this type was binding, and the asserted analogy to carriage-contract usage did not assist because the parties' actual intent excluded such a right.

Fundamentação extraída

Usage is not objective law but becomes part of the contract only if the parties submit to it or the law makes it relevant. Whether a usage exists is a factual question binding on the Federal Supreme Court absent misapprehension of the concept. Since the lower court found no usage and, on the evidence, the contracting parties did not intend to grant the plaintiff a claim, there was no room for interpretive construction from analogous usage.

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