a Strafgeset.zbuoh. No 19.
Tat dea Kupplers zeichnet sich durch Gewinnsucht aus.
Art. 198 Abs. 2 kann aber auch nicht mit Art. 191
Ziff. 1 und 25 StGB ideell konkurrieren. Solche Konkur-
renz läge nur vor, wenn nicht schon die beiden letztge-
nannten Bestimmungen die Tat in jeder Beziehung er-
fassen würden. Das einzige Tatbestandsmerkmal, welches
in Art. 198, nicht aber in Art. 191 Ziff. 1 genannt wird, ist
die Gewinnsucht des Täters. Damit diese bei der Straf-.
zumessung berücksichtigt werden kann, braucht indessen
Art. 198 nicht angewendet zu werden, da innerhalb des
für die Gehülfenschaft bei Unzucht mit Kindern geltenden
Strafrahmens,
der bis zu zwanzig Jahren Zuchthaus reicht,
der Gewinnsucht auch schon auf Grund der allgemeinen
Regel des
Art. 63 StGB Rechnung getragen werden kann.
Der Strafrahmen bliebe gleich, wenn Art. 198 Abs. 2 neben
Art. 191 Zi:ff. l angewendet würde, denn nach Art. 68
Ziff. 1 StGB darf die Strafe beim Zusammentreffen von
Strafbestimmungen nicht über das gesetzliche Höchstmass
der durch die schwerste Bestimmung angedrohten Strafart
hinaus verschärft werden. Und die Busse, welche Art. 198
Abs. 3 StGB dem Kuppler neben der Freiheitsstrafe
a ndroht, kann gegenüber dem gewinnsüchtigen Gehülfen,
der die Unzucht mit Kindern fördert, auch gestützt auf
Art. 50 Abs. 1 StGB ausgesprochen werden.
Die Vorinstanz
hat daher die Strafe neu auszufällen,
ohne
Art. 198 StGB anzuwenden. .
Demnach erkennt der Kassationshof:
Die Nichtigkeitsbeschwerden werden gutgeheissen, das
Urteil des Obergerichts des Kantons BaseI.:Land vom
21. Januar 1944 wird aufgehoben, und die Sache wird zur
Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an die Vor-
instanz zurückgewiesen.
Strafgesetzbuch. No 20.
- Extrait de l'arrnt de Ja Cour de cassation penale du 18 ferner
1944 en la cause Mariot c. :Ministere publie du eanton de Geneve.
Seductivn. Les textes fran9ßis et italien de l'art. 1 .6 CP, elon
lesquels Ie sedu,cteu.r abu,se de la confiance ou de l mexpernence
de sa victime, ont le pas su.r le texte allema.nd de cette dISpO-
sition.
Verführung. Der französische u,nd der italienische Wortlau,t d
Art. 196 StGB, nach welchen der Verführer die Unerfahrenheit
oder das Vertrau.an seines Opfers missbrau.cht, gehen dem deu.t-
schen Wortlaut dieser Bestimmu,ng vor.
Seduzione. I testi francese ed italiano dell'art. 196 CP, condo
cu,i il seduttore abu,sa deU'inesperienza o della fidu,c1a della
vittima, hanno il sopravvento sul testo tedesco.
a) II y a divergence entre le texte allemand d'une part
et, d'autre part, les textes fran ;ais et italien de l'art. 196
CP. Ceux-ci admettent l'existence du delit de seduction
dans les cas ou l'inculpe a abuse ou de l'inexperience, ou
de
la confiance de sa victime. Celui-fä, au contraire, exige
la realisation de ces deux conditions cumulativement:
le seducteur doit avoir abuse et de l'inexperience et de
la confiance de sa victime. Comme le Tribunal fäderal
l'a dit dans son arret Procureur general du canton de
Neuchatei contre Sntautmann, du 1°r octobre 1943 (RO
69 IV 179), les textes rediges dans les trois langues offi-
cielles
ayant une valeur egale dans toute Ia Suisse, il faut,
en cas de divergence-, rechercher quel est le texte juste
selon les method usuelles de l'interpretation, en droit
penal aussi bien qu'en d'autres domaines du droit. A
cet egard, l'ex fien des travaux preparatoires etablit ce
qui suit en ce qui concerne l'art. 196 CP : Selon l'art. 127
de l'avant-prqjet de 1908, soumis a la 2° commission
d'experts, le
educteur abuse de l'inexperience ou de la
confiance de sa victime. La commission decida tout
d'abord de remplacer le mot ou par le mot et (proces-
verbaux,
tome III, 1lP 192 ss.), mais eile revint ensuite
1;mr cette decision et retablit la condition alternative
(proces-verbaux,
tome IV, 46), qui subsista jusque
6 AS 70 IV -1944
Strafgesetzbuch. N° 21.
dans le projet de 191R (art. 171) et le message du Conseil
föderal du 23 juillet 1918 (p. 47).
Devant le Conseil "national, le rapporteur de langue
fran9aise proposa, au nom de la commission, de revenir,
a la double condition ( et , Bulletin stenographique ON.
pp. 376 ss.). Cette proposition fut acceptee (ibid. p. 406).
En revanche, le Conseil des Etats se rallia expressement
au texte alternatif ((( ou ))) propose par le Conseil fäderal
(op. cit. CE, p. 188) et, finalement, le Conseil national
adMra a cette decision (op. cit. CN, p. 697).
C'est donc, comme l'a admis la juridiction cantonale,
la version fran9aise (et italienne) de l'art. 196 qui donne
le texte juste , non la version allemande. Le recourant
soutient d'ailleurs une these absurde en pretendant
deduire de Ia que deux dispositions legales differentes
pourraient etre applicables en Suisse aux memes faits.
21. Auszug aus dem Urteil des Kassationshofes vom 18. Februar
1944 i. S. Im Obersteg gegen Staatsanwaltschaft des Kantons
Luzern.
Art. 307 Abs. 3 StGB ist nicht immer schon dann anwendbar,
wenn die falsche Äusserung auf die richterliche Entscheidung
nicht eingewirkt hat, sondern nur dann, wenn sie sich von
vomhereiri, ihrem Gegenstande nach, gar nicht eignete, auf den
Prozessausgang irgendwelChert Einfluss auszuüben.
Art. 307 al. 3 CP. Pour que cette disposition s'applique, il ne suffit
pas qu.e la fausse deposition n'ait pas -infiue sur la decision du
juge; il fau.t qu'elle n'ait d'emblee pas ete de nature a exercer
u.ne irifiuence quelconqu.e sur l'issue du proces.
Art. 307 cp. 3 CP. Affinche questa disposizione sia applicabile,
non basta ehe la falsa testimonianza non abbia infiuito sulla
qecisione del giudice; occorre ch'essa non sia stata senz'altro
tale da esercitare u.n qualsiasi infiusso sull'esito del processo.
Aus den Erwägungen :
Art. 307 Abs. 3 StGB beschränkt die Strafe des falschen
Zeugnisses
auf Gefängnis bis zu sechs Monaten, wenn sich
die Aussage
auf Tatsachen bezieht, die für die richterliche
Entscheidung unerheblich sind. Diese Bestimmung geht
zurück auf einen Antrag, der in der zweiten Experten-
Strafgesetzbuch. N 21.
kommission gestellt worden ist (Protokolle 5 283, 288, 290,
292), und der die mildere Bestrafung vorsah, si la fausse
deposition
. ne visait que des faits accessoires . . Als
faits accessoires, secondaires bezeichnete der Antrag-
steller Tatsachen, welche den Ausgang des Prozesses nicht
beeinflussen, im Gegensatz zu den cc faits importants,
essentiels ))' welche die Überzeugung des Richters bestim-
men und sich demgemäss im Urteil entscheidend auswirken.
Der Antrag wurde bekämpft, wobei unter anderem bemerkt
wurde, man dürfe jedenfalls nicht den Zeugen darüber
entscheiden lassen, ob seine Aussage sich auf eine erheb-
liche
oder auf eine nebensächliche Tatsache beziehe. Der
Antrag fand aber gleichwohl eine Mehrheit. Bei der Re-
daktion wurde indessen nicht der vorgeschlagene Wortlaut
übernommen, sondern man wählte die Fassung, aus wel-
cher
Art. 307 Abs. 3 StGB hervorgegangen ist : cc . für
die richterliche Entscheidung unerheblicher Tatsache ,
cc . des faits ne pouvant exercer aucune influence sur la
decision du juge)) (Protokolle 5 462 f.). Damit wollte-,-das
ergibt sich jedenfalls aus dem französischen Text -auf
die Einwendungen Rücksicht genommen werden, welche
gegen
den erwähnten Antrag erhoben worden waren, Es
soll entgegen der vom Antragsteller geäusserten Auffas-
sung nicht darauf ankommen, ob die Aussage auf das
Urteil tatsächlich eingewirkt hat, ob es also ohne diese
Aussage
anders ausgefallen wäre, sondern die mildere Strafe
soll nur dann ausgesprochen werden, wenn die Aussage von
vornherein, ihrem Gegenstande nach, gar nicht geeignet
ist, auf den Prozessausgang irgendwelchen Einfluss auszu-
üben.
Das Urteil beeinflussen können aber alle Aussagen
über Tatsachen, welche sich irgendwie auf das Prozess-
thema beziehen (nicht zur Sache gehörende Aussagen,
z.
B. Angaben des Zeugen über seine Personalien, scheiden
schon
nach Art. 307 Abs. 1 StGB aus), und welche nicht
unzweifelhaft ganz ausserhalb der zu entscheidenden
Rechtsfragen liegen. Ob der Richter der Aussage glaubt
oder nicht, ob die bezeugte Tatsache durch eine andere,