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BGE 20 I 269 ΓÇó Sunday work and religious freedom under cantonal law
BGE 20 I 269Coletânea oficial do Tribunal Federal (BGE) / Volume I5 de jun. de 1894Dismissed
Friedrich Segesser was convicted in Lucerne for Sunday wood-cutting and fined CHF 6 plus costs. He argued before the Federal Court that the cantonal provision could not apply to his conduct and that, as a Sabbath observer, he could not be compelled to abstain from work on Sunday. The Federal Court held that Sunday may be protected both as a religious day and as a civil day of rest. It found no interference with worship, upheld the cantonal Sunday-rest rule as constitutionally permissible, and rejected the claim of punishment without legal basis. The appeal was dismissed.
Art. 49 and 50 B.V.; cantonal Sunday-rest legislation and freedom of religion; Sunday may be protected not only as a religious day but also as a civil day of rest. For non-believers, the constitutional guarantee prevents interference with worship services, but does not exempt them from generally applicable civil duties. Cantons may enact Sunday-rest provisions within their sovereignty, provided they do not compel religious conduct or disturb worship. A literal interpretation of a penal norm may be disregarded where it would defeat the evident protective purpose of the statute and render it ineffective (consid. 1-3).
an: Art. 5, Abs. 2 der luzernischen Kantonsverfassung bestimme. daß Niemand, außer in den vom Gesetz vorgesehenen Fällen, ge richtlich verfolgt werden dürfe. Das Gesetz, 141 Pol. Str. G., sehe nun Bestrafung der Sonntagsruhe nur in zwei Fällen vor: wenn sie auf dem Lande, und wenn sie in Werkstätten geschehe. Rekurrent habe keines von beiden getan; seine Arbeit sei daher straffrei. Wenn er trotzdem wegen derselben bestraft worden sei, so seien die betreffenden Entscheide in willkürlicher Weise und gegen das Gesetz ergangen. Ferner aber glaube Rekurrent, daß das vierte Gebot des Dekalogs sowohl die Sabbathruhe als auch die Sonntagsarbeit als Pflicht gegen Gott ausdrücklich gebiete. Einen anderen Wochentag neben dem Sabbath durch Enthaltung von gewöhnlicher Arbeit zu heiligen, wäre die Anerkennung eines anderen Goties neben Jehovah. Es sei für den Rekurrenten Ge wissenspflicht, an den päpstlichen Sonn und Festtagen jede welt liche Arbeit wie an einem der übrigen Arbeitstage zu verrichten, ohne auch nur den Schein anzunehmen, als ob er sich verberge. Dieser Glaubensansicht des Rekurrenten sei nun durch Art. 49 und 4 B.-V. unverletzliche Freiheit zugesichert worden; diese Freiheit müsse aber auch, entgegen verschiedenen bundesrätlichen Beschlüssen (Salis, Bundesrecht, 706 710), geschützt werden. Die bean standete Arbeit sei übrigens mehr als ein Kilometer von jeder Kultusstätte entfernt verrichtet worden und habe nicht mehr als das notwendig damit verbundene Geräusch verursacht; die An klageakte selbst nenne bloß den Brünigbahnhof, wo man ein Ge räusch hören konnte. Das Bundesgericht zieht in Erwägung:
Falle dem oben entwickelten Zweck des Gesetzes, die Sonntags ruhe zu wahren, ganz widersprechen, und das Gesetz selbst illu sorisch machen würde. Demnach hat das Bundesgericht erkannt: Der Rekurs wird als unbegründet abgewiesen.